Kommentar zur Aktie E.ON AG

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Am 22.03.11
von McJackson
zu E.ON AG

E.on - Eine politische Analyse

Wie geht es weiter mit dem Energieversorgungsunternehmen E.on? Was passiert mit den Atommeilern?

Unternehmen:
Das Unternehmen E.on ist eines der größten Energieunternehmen der Welt. Ein Teil ist des Unternehmens ist E.ON Kernkraft, die größte private Kernenergiegesellschaft Europas, mit Sitz in Hannover. Die installierte Nettoleistung aller Anlagen einschließlich der Anteile an Gemeinschaftskraftwerken beträgt rund 8.560 Megawatt. Insgesamt wurden letztes Jahr damit 63 Milliarden Kilowattstunden Strom für den Grundlastbereich erzeugt. E.ON betreibt 6 Kernkraftwerke:

- Brokdorf
- Unterweser
- Isar 1 + 2
- Grohnde
- Grafenrheinfeld

Unternehmensdaten:
Gewinn-Marge 6,3%
KGV 7,0
KUV 0,4
KBV 0,9

Die Unternehmensdaten sind an sich ansprechend. Jedoch muss über den weiteren Verlauf der Aktie gesondert nachgedacht werden, vor allem im politischen Sinne.

Politische Situation:
Am 15.März 2011 verkündete Angela Merkel das so genannte Atommoratorium. Die sieben ältesten Meiler sollen für drei Monate vom Netz genommen werden und auf Sicherheitsstandards überprüft werden. Davon sind auch die beiden E.ON Kraftwerke Unterweser und Isar 1 betroffen. Begründung für diesen Schritt ist die Katastrophe in Japan, die laut Merkel "ein Wendepunkt" darstellt.

Politische Analyse:
Die ARD-Sendung Kontraste veröffentlichte in ihrer Sendung vom 17.03. ein Geheimpapier des Bundesumweltministeriums, das das mögliche Aus für alle 17 Kernkraftwerke in Deutschland bedeuten könnte. Es regelt die neuen Sicherheitsanforderungen an die AKW. Die E.ON Kraftwerke trifft dies wie folgt:

Brokdorf: Durch die Nähe zur Nordsee und die mögliche Tsunamigefahr durch abfallende Gesteinsreste in den norwegischen Fjorden oder Island ist eine Abschaltung sehr wahrscheinlich, da sonst ein riesiger Schutzwall gebaut werden müsste.
Unterweser: Gleiches gilt für das Kraftwerk Unterweser

Die anderen AKW sind ebenfalls betroffen durch kleiner, aber teure Nachrüstungen bei den Rohrsystemen, der Abwehr von Terrorgefahr usw. Im Dokument heißt es dazu: „Die geforderten Maßnahmen sind für alle Anlagen kurzfristig und als Voraussetzung für die Nutzung der zusätzlichen Strommengen aus der Laufzeitverlängerung umzusetzen.“

Die CSU will sogar freiwillig das älteste Kraftwerk in Bayern abschalten: Isar 1. Zumindest verkündete dies Umweltminister Söder.

Eine Rückkehr zur Tagespolitik der Laufzeitenverländerung halte ich für unwahrscheinlich. Viele halten das Moratorium für Wahlkampf. Würde Merkel nach drei Monaten jedoch wieder beginnen, alle Kraftwerke ans Netz zu bringen, würde sie völlig ihre Glaubwüürdigkeit verlieren. Ein Zurück nach der Katastrophe von Japan gibt es nicht mehr.

Fazit:
E.ON muss befürchten, dass 3 der 6 Meiler nach dem Moratorium vom Netz genommen werden müssen. Das würde Gewinnausfälle von bis zu 3 Millionen € pro Tag bedeuten. Und auch bei den anderen Kraftwerken sind hohe Nachrüstungskosten wahrscheinlich. Insgesamt kann man also sagen, dass die Aktie von E.ON im Moment nicht gekauft werden sollte. Dennoch würde ich E.ON auf "hold" einstufen, da bald die Dividende ausgeschüttet wird. Ebenso ist ein kompletter Verzicht auf die Atomkraft in Deutschland unwahrscheinlich, da die Atomlobby viel zu stark ist. Beispielsweise können die großen Unternehmen die Zahlungen für erneuerbare Energien einstellen, die im Zuge der Laufzeitenverlängerung vereinbart wurden, und so die Politik unter Druck setzen.

Quellen:
http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_17_03_2011/geheimer_pruefkatalog.html
http://www.welt.de/politik/deutschland/article12833106/Merkel-laesst-die-aeltesten-AKW-abschalten.html
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