Kommentar vom 30.03.10
AktieBP
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Ein Riese im Umbruch.
BP ist der zweitgrösste Konzern der Welt überhaupt, ein wahrer Gigant. Das Hauptgeschäftsfeld ist die Förderung von Öl und Gas, man ist aber auch im Vertrieb (Tankstellen) aktiv und produziert mittlerweile verschiedene alternative Energien wie Biofuel, Wind und Solar (Quelle: Jahresbericht 2009, Seite 22: http://www.bp.com/assets/bp_internet/globalbp/globalbp_uk_english/set_branch/STAGING/common_assets/downloads/pdf/BP_Annual_Review_2009.pdf).

Die große Herausforderung für BP, wie auch alle anderen großen westlichen Ölkonzerne dürfte die nächsten Jahre das Großereigniss Peak Oil sein, also das Überschreiten des Zeitpunktes der maximalen Weltölförderung. Kann eine Ölfirma noch existieren wenn es immer weniger Öl gibt? Eine echte Infragestellung!

Zur Beantwortung dieser Frage und einer Gesamtsicht auf den Konzern möchte ich 3 Themen behandeln:

1. Das Problem Peak Oil.
2. Der Kampf um die Reserven.
3. Fundamentale Sicht auf das Unternehmen.


1. Das Problem Peak Oil.
Ein Gespenst geht um in Europa. Nein, diesmal ist es nicht die kommunistische Weltrevolution, sondern die Angst vor Peak Oil. 2008 stieg die Hysterie der Diskussion parallel mit der Eskalation des Ölpreises auf über 140 $. Es wurde gemunkelt, von einer "Verschwörung der Tankstellen", Die Spekulation mit Ölfutures wurde verantwortlich gemacht, Menschen verbrannten aus Protest öffentlich ihre Autos.

Dabei ist der Hintergrund dieser Preiseskalation viel weniger geheimnisvoll, aber umso bedrohlicher als viele vermuten. Peak Oil rückt näher, also der Zeitpunkt, an dem sich die Weltölproduktion nicht mehr steigern lässt. Das dieser Zeitpunkt irgendwann kommt, dürfte eigentlich niemanden überraschen. So ist Öl ein endlicher Rohstoff, der nur sehr selten und in geologischen Zeiträumen aus dem massenhaften Absterben von Lebewesen entsteht (nachzulesen in "Ölwechsel!". Von Colin Campbell et. al. aus 2007, dtv-Verlag). Folglich verbrauchen wir ein Gut, dass sich nicht (in für uns relevanten Zeiträumen) regeneriert. Weiter zeigen dass Schicksal der USA - einst sogar ein Ölexporteur - das einzelne Regionen trotz aller technologischen Weiterentwicklung unumkehrbar in den Förderabfall ihrer Ölproduktion übergehen können. Warum sollte dies nicht für die Welt als Ganzes gelten?

Stark in diese Richtung weist, dass die große Zeit der Entdeckungen von Ölfeldern in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts war und die Neu-Entdeckungen seit dem beständig weniger wurden. Seit Jahrzehnten ist nun die Zahl der jährlichen Entdeckungen an Öl hinter die Zahl der Weltförderung zurückgefallen. Ein Trend der auch durch gelegentliche Tiefseefunde vor Brasilien oder im Golf vom Mexiko nicht durchbrochen werden konnte.

Nun könnte man fragen: "Schön und gut, aber was interessiert mich das?". Das Pikante an Peak Oil ist, dass unsere ganze Wirtschaft auf Öl basiert. Verkehr, Transportwesen, Heizung, Kleidung, Kunststoffe, Medikamente, Landwirtschaft sind alle mit Öl betrieben oder verbrauchen dies direkt. Zahlreiche weitere Bereiche hängen wiederum an diesen. Weiter zeigt sich, dass auch nur geringfügige Verschiebungen der Angebots-Nachfragerelation beim Öl, insbesondere ein Nachfrageüberhang extreme Preisexzesse verursachen. Alleine der Preischart der letzten 10 Jahre zeigt, wie volatil der Ölpreis ist (Beleg: http://www.wallstreet-online.de/rohstoffe/Oil_crude/chart?inst_id=1699572&market_id=47&spid=ws&edit=1&utr=10y&gb=&till_day=0&till_month=0&till_year=0&ct=line&ind1=&tr=10y&ind2=&log=0&bench=&redvol=0&gd1=0&gd1typ=exp&benchstr=&gd2=0&gd2typ=exp&grid=on).
Ein durch Peak Oil ausgelöster Preisnastieg hätte durchaus das Potential die Weltwirtschaft schwer zu schädigen und schrumpfen zu lassen wie die EIA zu bedenken gibt (Quelle: Bericht EIA 2009 Energy Conference; April 7, 2009, Washington DC). Andere Theoretiker diskutieren sogar den möglichen Kollaps der Weltwirtschaft durch Peak Oil (Quelle: http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1126603-1-10/die-zukunft-des-oelpreises-theoriereflexion).

Diese Problematik wird noch verschärft dadurch, dass die Weltölproduktion von einigen Riesenfeldern in Saudiarabien abhängt, die seit Jahrzehnten ausgebeutet werden und deren Decline nicht mehr kompensierbar wäre. Laut Simmons ("Wenn der Wüste das Öl ausgeht." Simmons. 2007. FinanzBuch Verlag. Seite 113) sind allein 15 riesige saudische Ölfelder für 9,2 Millionen b., also 11,5 % der Tagesproduktion an Öl zuständig.

Ein weiteres große Problem ist, dass die großen westlichen Ölkonzerne in Wirklichkeit Zwerge sind, bemessen an ihren Reserven. Die wirklich großen Reserven haben die Staatskonzerne Saudiarabiens, Rußlands und Venezuelas. So verfügt nach Regionen aufgeschlüsselt der Westen, also Europa und Nordamerika zusammengenommen nur über 6 % der Weltölreserven, während der Nahe Osten über 48 % der Reserven verfügt. Auch die Ex-Sowjetunion mit zusammen 19 % und Lateinamerika mit 8 % sind bedeutender als Europa und ganz Nordamerika zusammen (Quelle: "Ölwechsel!". Von Colin Campbell et. al. aus 2007, dtv-Verlag)!

2. Der Kampf um die Reserven.
Die Problematik des möglichen Decline = Förderabfalls betrifft daher auch vor allem die westlichen Konzerne, die sich alle fragen lassen müssen, wieviel Öl sie denn noch haben.
Was BP angeht, so hat der Konzern Reserven von 18.200 Millionen barrel Öläquivalent (Quelle jahresbericht 2009 BP: ,http://www.bp.com/assets/bp_internet/globalbp/globalbp_uk_english/set_branch/STAGING/common_assets/downloads/pdf/BP_Annual_Review_2009.pdf) was bei einer Jahresproduktion von 1.387 Millionen b. Öläquivalent (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/BP_(Konzern))einer Laufzeit von 13 Jahren entspricht.

Auch bei den satten Gewinnen die der Konzern macht könnte man hier also sehr nachdenklich werden. Allerdings muss man dem Konzern zwei Dinge zu Gute halten:
1. BP schafft es seit Jahren mehr Öl und Gas zu finden als zu fördern. Die sogenannte Reserves Replacement ratio betrug in 2009 129 % (Quelle jahresbericht 2009 BP: ,http://www.bp.com/assets/bp_internet/globalbp/globalbp_uk_english/set_branch/STAGING/common_assets/downloads/pdf/BP_Annual_Review_2009.pdf).
2. Der Konzern schaffte es von 2002 bis 2008 seine Förderung zu steigern, während die Konkurrenz von Total, Shell, Exxon Mobile und Chevron fallende Ölförderzahlen aufwies.

BP macht also irgendetwas besser als die anderen.
Allgemein war die Branche in der Kritik, weil sie 2007 nur 9,9 Mrd. $ in die Exploration und Erschließung neuer Quellen investierte, während zugleich 33 Mrd. $ in Dividendenform und sage und schreibe 55 Mrd. $ in Form von Aktienrückkäufen augeschüttet worden. Die Konzerne schwammen also im Geld aber vernachlässigten die Zukunft. BP scheint sich hier aber mehr engagiert zu haben, wie die Förderzahlen nahelegen.

Weiter scheint sich BP wohltuend zu diversifizieren. Der Konzern bestreitet seine Gesamtfördeung mittlerweile zu 57 % aus Öl aber auch zu 43 % aus Gas (Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/BP_(Konzern)).
Darüberhinausgehend beginnt sich BP nun in neuen Energien zu engagieren. dafür wurden bislang 4 Mrd. $ aufgewandt, bis 2015 sollen es 8 Mrd. $ sein. Dies ist angesichts eines Konzerngewinnes von 16 Mrd Dollar in 2009 nicht übermäßig viel, aber auch mehr als der Tropfen auf den heißen Stein.
BP engagiert sich in biofuels, baut Ethanolfabriken in Brasilien, Windräder und Solarmodule.

Somit scheint man für das Postölzeitalter gerüstet, denn auch wenn man nicht Marktführer in alll diesen Bereichen ist verschläft man die technologische Entwicklung nicht und kann diese Bereich bei Bedarf dann schnell erweitern, da man einen Fuß in der Tür hat.

Weiter ist zu sagen, dass Peak Oil eine große ökonomische Chance sein kann. Wenn die Ölpreise auf 100 $, 150 $, 200 $ oder mehr steigen, wird BP auch wenn sie selber weniger fördern haben exorbitante Gewinne machen, wie Simulationen zeigen. Jemand hat zu diesem Zweck ein Spiel programmiert, dass Preise in einem Peak Oil Szenario berechnet: (http://www.onemorelevel.com/game/oiligarchy). Sicher "nur" ein Spiel, aber die Ergebnisse sprechen für sich: das letzte Öl wird das teuerste.

3. Fundamentale Sicht auf das Unternehmen.

Die aktuelle Bewertung von BP scheint mit einem KGV von 9,25 und einer Dividendenrendite von 6,03 % durchaus attraktiv. Die Entwicklung der Gewinne dürfte mit der konjunkturellen Erholung anziehen, was ein weiteres Plus ist.

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FAZIT.

Bei allen Problemen, die das Phänomen Peak Oil mit sich bringt, kann man sagen, dass BP für die Zukunft gewappnet ist.

1. Neue Öl- und Gasfelder werden exploriert, so dass die Reserves-Replacement-ratio gar positiv ist und dies seit Jahren.

2. Die Förderung von BP steigt seit 2002, während die der Konkurrenz fällt. BP sticht die Konkurrenz also aus.

3. Man investiert in alternative Energien und Treibstoffe. Sind diese auch noch (!) nicht der große Cashbringer so ist dies eine sinnvolle Zukunftsausrichtung.

4. Selbst bei einem Decline und selbst bei einem Decline der Förderung von BP kann man sich das letzte Öl praktisch in Gold aufwiegen lassen, bei einer Preisexplosion durch Peak Oil.

5. Die fundamentale Bewertung ist attraktiv. Eine Dividendenrendite von 6 % alleine ist schon ein Kaufargument, wenn sie eine langfristige in dieser Höhe sein kann, was mir bei BP der Fall scheint.

Fazit: BP ist für die Zukunft gerüstet, fundamental billig und kann von Peak Oil sogar profitieren. Der Kauf bietet sich sowohl aus Valuesicht an, als auch als Spekulation auf Peak Oil oder als Hedge gegen steigende Ölpreise.

Daher ein klarer Kauf.



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