Kommentar vom 08.06.11
AktieE.ON AG
InvestorGrafenstein
Bewertung:
Mehr als 30 Bewertungen
hervorragend18%
sehr interessant56%
interessant20%
mittelmäßig4%
uninteressant3%
Bisher 2.646 mal gelesen
E.ON --- Was bedeutet der Atomausstieg für den Versorger? --- E.ON als Übernahmeziel
Gliederung:
1. Das Unternehmen
2. Rückblick
3. Wird der Atomausstieg so stark treffen wie der Kurs Anschein hat?
3.1. Ist E.ON von der Kernkraft abhängig?
3.1.1 Was für Alternativen hat E.ON?
3.2 Welche Rolle spielen erneuerbare Energien bei E.ON?
4. Wird E.ON in den nächsten Jahren Verluste machen?
5. E.ON als Übernahmeziel
5.1 Übernimmt E.ON Teile Gazproms?
6.Fazit

1. Das Unternehmen:

Die E.ON AG ist der größte nichtstaatliche Energiekonzern der Welt. Der Name aus dem Englischen, das englische Wort aeon bedeutet Unendlichkeit.
Das Unternehmen ist großteils auf dem europäischen Enerige- und Gasmarkt taätig und erwirtschaftete im letzten Jahr von 5.853 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 92,86 Milliarden Euro.
Der Unternehmenssitz befindet sich in Düsseldorf.

2. Rückblick:

In weniger als 5 Monaten sank der Kurs von E.ON um über 23% - vom Höchststand Mitte Januar bei knapp über 25€ bis zum Stand jetzt: 19,20€.

Die Gründe hierfür:

1. Die Aomkatastrophe in Fukushima
2. Die Entschiedung der Bundesregierung bei 2022 komplett aus der Atomenergie auszusteigen


3.
Über -23% klingt sehr heftig; die Frage die sich nun stellt ist: Wird der Atomausstieg E.ON wirklich so hart treffen wie anscheinend viele Anleger denken?

3.1. Ist E.ON von der Kernkraft abhängig?

E.ON betreibt zur Zeit 9 Atomkraftwerk (in Deutschland) mit einer Gesamtleistung von 13,859 Gigawatt, allerdings ist E.ON an manchen Kernkraftwerken nur teilweise beteiligt, beispielsweise gehören die Reaktoren Gundremmingen B und C nur zu 25 % E.ON und zu 75 % RWE. [1]

Das Unternehmen rechnet bis 2022 mit Gewinnausfällen in "zweistelliger Milliardenhöhe" [2] und fordert dehlab eine Entschädigung seitens der Politik.
Diese Verlustprognose sollte man allerdings nicht zu ernst nehmen - dient sie doch dazu die Forderungen des Unernehmens zu untermauern.

Fakt ist: Der Atomausstieg betrifft E.ON zweifelsohne - wie stark die Verluste ausfallen werden, muss sich erst noch zeigen, da diese wahrscheinlich auch durch einen steigenden Strompreis gedeckt werden.


3.1.1 Was für Alternativen hat E.ON?

Neben den AKWs besitzt E.ON in Deutschland noch 12 Kohlekraftwerke (6,858 GW), 6 Erdgaskraftwerke (3,591 GW), 5 Erdölkraftwerke (2,312 GW), 2 Biomassekraftwerke (40 MW), sowie 1 Windenerigekraftwerk (60 MW) [1], die Gesamtleistung der Nicht-Atom-Kraftwerke beträgt also 12,771 Gigawatt - das sind weniger als die der AKWs!

Kurz- mittelfristig ist die Alternative Erdgas: Die E.ON-Tochter Ruhrgas ist der größte Gasversorgungskonzern Deutschlands, im Jahr 2009 hat das Unternehmen 609,1 Mrd. kWh Gas abgesetzt (Konzern: 1.217,7 Mrd. kWh) und 20.640 Mio. € Erlöse erzielt (Konzern: 81.817 Mio. €).[3]
Zudem arbeitet E.ON eng mit Gazprom zusammen - das Unternehmen kann also ohne Probleme in den nächsten Jahren auf russisches Gas setzen.

Über kurz oder lang kommt E.ON trotzdem nicht um eine verstärkte Investition in erneuerbare Energien umhin, zur Zeit ist E.ON zu stark auf fossile Energien und Atomkraft fokussiert.

3.2 Welche Rolle spielen erneuerbare Energien bei E.ON?

Zur Zeit sind 8% des von E.ON erzeugten Stroms "grün", stammen also von Erneuerbaren Energieträgern - der bundesweite Durchschnittt beträgt 17,3%. [4]

Im ersten Quartal 2011 hat E.ON 128 Millionen in erneuerbare Energien investiert, das sind fast 22% mehr als im Vorjahresquartal.
Allerdings hat E.ON im letzten Jahr fast 6 Milliarden Euro Gewinn gemacht - 128 Millionen Euro sind also nur ein Bruchteil vom Möglichen.

4. Wird E.ON in den nächsten Jahren Verluste machen?

Diese Annahme wird durch die Meldungen über hohe Gewinnausfälle implizit den Bürgern vermittelt.
Allerdings:

1. Hat E.ON 2009 über 8 Milliarden € und 2010 fast 6 Milllarden € Gewinn gemacht, bei durchschnittlich 70 Millliarden € Gewinn in 11 Jahren sind also auch Gewinnausfälle in zweistelliger Millardenhöhe zu verkraften.

2. Der deutsche Strommarkt ist ein Oligopol zwischen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, andere Unternehmen sind nur sehr gering vertreten.
Obwohl es is den letzten Monaten eine Anmeldungsflut bei Ökostromanbietren gegeben hat, wird sich daran nicht viel änderen.
Kurz: Die Konkurrenz bleibt klein, E.ON wird nicht zusätzlich belastet werden.

5. E.ON als Übernahmeziel

"Der Wertverlust unserer Aktie macht mir Sorge. Die Gefahr einer feindlichen Übernahme wächst".
Das sind zwar Worte des RWE-Chefs Jürgen Großmann, aber für E.ON gilt genau das gleiche.
Fakt ist: Durch eine Übernahme E.ONs würde man schlagartig die Nummer 1 bei der europäischen Energieversorgung sein. Zudem ist die Aktie zur Zeit unterbewertet und durch den momentanen Aufschwung haben viele Unternehmen immer mehr Geld zur Verfügung.
Mit einem Börsenwert von 40,8 Milliarden Euro wäre E.ON zwar kein günstiges Übernahmeziel, allerdings könnte sich die Übernahme nach 5 Jahren bereits ausgezahlt haben.


5.1 Übernimmt Gazprom Teile E.ONs?

In letzter Zeit gab es immer wieder Spekulationen, ob Gazprom Teile E.ONs übernimmt. Jetzt hat Gazprom direkt Interesse bekundet.[5]

Der russische Gasgigant erhofft sich dadurch mehr Einfluss in Deutschland zu bekommen und auch bei E.ON mitbestimmen zu können.
Außerdem würde Gazprom dadurch Zugriff auf das Gasnetz von E.ON bekommen, wodurch dem Unternehmen neue Türen offenständen.

Auch für E.ON ist ein Teilverkauf an Gazprom positiv zu bewerten:
E.ON hätte eine Übergangstechologie bis 2022 sicher, außerdem würde es für andere Unternehmen deutlich schwieriger werden, E.ON zu schlucken.

Wenn Gazprom Teile von E.ON übernehmen würde, gäbe es natürlich einen Kurssprung, ich rechne mit mehr als 5%.
Bei einem wirklichen Übernahmeangebot von einem "feindlichen" Unternehmen würde ein Kurssprung natürlich höher ausfallen, ich rechne in einem solchen Fall mit mindestens 7%, eher 10%-15%.

In den letzten Tagen wird auch über eine Übernahme der E.ON-Tochter E.ON Ruhrgas durch Gazprom spekuliert. Dies hätte die gleichen Vorteile für E.ON und Gazprom und würde auch für den Kurs das gleiche bedeuten.

Allerdings sollte man beachten, dass eine Teilweise Übernahme EO.Ns durch Gazprom wahrscheinlich durch die Kartellämter verhindert werden wird, da Gazprom bereits zusammen mit BASF den Gashandelskonzern Wingas betreibt; Gazprom wäre also, im Falle einer Übernahme zu stark auf dem Gasmarkt vertreten.


6. Fazit

Alles in allem kann ich die E.ON-Aktie langfristig nur empfehlen, da E.ON bei den fossilen Energien, die momentan als "Brückentechnik" zur regenerative Stromversorgung gehandelt werden, bestens aufgestellt ist.
Durch die Partnerschaft mit Gazprom und dem Tochterunternehmen Ruhrgas ist E.ON bei den fossilen Energien der Konkurrrenz einen Schritt voraus.
Trotzdem muss E.ON in den nächsten Jahren deutlich mehr in erneurbare Energien investieren, da das Unternehmen sonst nach und nach an Marktanteil an die vergleichsweise kleinen Ökostrom-Anbieter verlieren wird, die schon (oder gerade) jetzt einen Boom bei den Neuanmeldungen verzeichnen.

Kurz- und mittelfristig ist die Aktie auch zu empfehlen: Tendenziell ist sie unterbewertet, außerdem könnte ein möglicher Einstieg Gazproms oder ein anderes Übernahmeangebot einen Kurssprung verursachen.

Warum ich trotzdem nicht in E.ON investiert habe?

In meinem Portfolio belege ich höchstens 1, nur in Ausnahmefällen 1 Position mit Versorgern.
Mittelfristig sehe ich RWE vor E.ON, da mir die Aktie sicherer erscheint, obwohl ich denke, dass die E.ON Aktie mehr Gewinnmöglichkeiten bietet; insgesamt schätze ich sie spekulativer ein.
Zudem halte ich eine Übernahme von RWE deutlich wahrscheinlicher als eine Übernahme von E.ON, da das Unternehmen nur etwa die Hälfte kostet.

Viel Spaß bei Informunity wünscht euch euer

Grafenstein
Einzelnachweise:

[1]http://de.wikipedia.org/wiki/E.ON_Kernkraft#Kraftwerke_in_Deutschland
[2]http://meta.tagesschau.de/id/49585/atomausstieg-e-on-legt-sich-mit-regierung-an
[3]http://de.wikipedia.org/wiki/E.ON_Ruhrgas#Wichtige_Kennzahlen
[4]http://de.wikipedia.org/wiki/E.ON#Stromkennzeichnung_in_Deutschland
[5]http://www.financial.de/energie/breaking-news-iv-e-on-enbw-gazprom/

Quellen:

http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/e-on-und-rwe-vor-feindlicher-uebernahme--16176209.htm
http://www.informunity.de/sd/STID-15/Aktie-E.ON-AG.htm
http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/e-on--taugt-gazprom-als-retter--16124429.htm
http://www.boersenpoint.de/blog/wie-grun-ist-e-on-phoenix-solar/
http://www.solarserver.de/solar-magazin/nachrichten/aktuelles/2011/kw23/photovoltaik-in-italien-phoenix-solar-ag-baut-weiteres-solarkraftwerk-fuer-eon-in-fuenfter-projektauftrag-durch-eon-climate-renewables.html
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-06/20478486-daimler-bayer-e-on-dt-bank-muerueck-mit-6-25-chance-002.htm
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:atomausstieg-eon-und-rwe-werden-zu-uebernahmekandidaten/60063126.html#utm_source=rss2&utm_medium=rss_feed&utm_campaign=/unternehmen
http://www.4investors.de/php_fe/index.php?sektion=stock&ID=47953
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-06/20468450-gazprom-was-wuerde-ein-einstieg-bei-e-on-bringen-127.htm
http://www.financial.de/energie/breaking-news-ii-e-on-11/
http://www.financial.de/energie/breaking-news-iv-e-on-enbw-gazprom/
http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/e-on-und-rwe-vor-feindlicher-uebernahme--16176209.htm
http://www.eon-ruhrgas.com/cps/rde/xchg/er-corporate/hs.xsl/index.htm
Anmerkungen
Es sind noch keine Anmerkungen vorhanden.
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.