Kommentar vom 23.06.11
AktieNordex
InvestorTatzi
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Fusionen bzw. Übernahmen bei Windkraftanlagen-Herstellern wünschenswert
--- Entwicklung der Aktienkurse ---
Die 3-Monats-Kursentwicklung von den Windkraftanlage-Herstellern Nordex und Vestas kann man mit einem Wort treffend beschreiben: ERNÜCHERND!
Nordex . 3-Monate: . . -28% . . 12-Monate: . . -33%
Vestas . . 3-Monate: . . -47% . . 12-Monate: . . -63%
Zwar gab es nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kurzzeitig einen Kurssprung, dieser hat sich aber nunmehr bereits nivilliert. (Quelle: Informunity)

--- Geschäftsentwicklung Umsatz & Gewinn ---
Fundamental betrachtet hat dies durchaus seine Berechtigung: Zwar verzeichen beide Unternehmen stabile bzw. sogar leicht wachsende Umsätze, aber die Gewinnsituation ist unzufriedenstellen: Nordex erreicht bei 1 Mrd. € Umsatz gerademal 19Mio Gewinn, Vestas bei 7,2 Mrd. magere 153 Mio Euro Gewinn nach Steuern. Obwohl beide Unternehmen binnen 5 Jahren die Umsätze in etwa verdoppelt haben, verzeichnet man einen Gewinneinbruch zum Rekord von 60 - 80%. Analog entwickelten sich die langfristigen Aktienkurse, die im Langfristbild sogar noch stärker rückläufig sind… (Quelle: Informunity)

--- Rahmenfaktoren ---
Würde es sich bei der Windkraft um einen Wirtschaftsbereich handeln, der seine Hochphase bereits hinter sich hat (wie etwa Mainstream-Handys, PCs, Dotcom-Branche, etc.), wäre dies keinen Kommentar wert. Der Hunger nach Energie in den Industrienationen (v.a. BRIC Staaten) und die Verknappung fossiler Energieträger sowie die Neubewertung der Kernenergie und die Wirtschaftlichkeit anderer regenerativer Energieformen (nicht Wind) lassen diesen Schluss aber nicht zu. Die Ursachen für den Kursverfall und den schleppenden Ausblick sind also in anderen Bereichen zu suchen.

--- Wettbewerbsituation ---
Betrachtet man den Markt für Windkraftanlagen-Hersteller, dann zeichnet sich ein schon fast polypolistisches Bild, d.h. dass viele Anbeiter auf dem Markt tätig sind. Vestas ist mit gerade mal 12,5% Marktführer (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Windkraftanlagenhersteller#Marktanteile.2FStatistik), gefolgt von 8 weiteren Unternehmen, die jeder für sich mehr als 5% Anteil auf sich verbuchen können. Nordex taucht in dieser Liste gar nicht auf, dürfte aber nur knapp unter 5% liegen. Im Zeitalter von modernen Ausschreibungsverfahren und professionellem Procurement herrscht in der Branche demnach momentan ein starker Preiswettbewerb, der sichtlich auf die Margen drückt. Siehe: www.n-tv.de/wirtschaft/Preiskampf-setzt-Nordex-zu-article3304116.html

Alleine in Deutschland werden unter www.deutsche-windindustrie.de/firmen/hersteller/ acht Hersteller aufgeführt. Es darf bezweifelt werden, dass die Geschäftszahlen in der Windsparte von GE & Siemens bzw. bei Enercon deutlich besser aussehen, allerdings sind diese nicht in ausreichendem Maße publik. Die Netto-Gewinnmargen von nur 2% sind aber gegenüber dem weiteren Wettbewerbsumfeld (Maschinenbau und Energie) auffallend niedrig. Langfristig dürften hier aber wieder 5-8% zu Buche stehen.

Die spannende Frage ist also: Wird der Wettbewerb ruinös (wie gerade in der Solarbranche) oder entspannt sich die Situation im Lauf der nächsten fünf bis zehn Jahre?

--- Faktencheck: Pluspunkt für Wind ---
Nirgendwo werden so viel verwirrende und gegensätzliche Argumente und Fakten in die Welt posaunt wie im Energiesektor. Alleine die Kernkraftdebatte rational zu führen, gleicht einer Aufgabe, die Herkules vor Schreck erstarren lassen würde. Aber ab und zu lassen sich doch interessante Informationen ergattern, aus denen man sich selbst ein Bild zeichnen kann. Laut Wikipedia belaufen sich die Kosten einer Windkraftanlage auf um die 1000€ pro installiertem Kilowatt Nennleistung. Die durchschnittliche Volllaststundenzahl wird für Deutschland mit 1775 Stunden angegeben, was einer Auslastung von um die 20% entspricht. Als Betriebs/Lebensdauer wird mit 20 Jahren geplant. Ergo ergeben sich für mich daraus Kosten von 0,56 cent pro Kilowattstunde. Wichtig auch noch: „Die Energierücklaufzeit (energetische Amortisationszeit) beschreibt die Zeit, die vergeht, bis ein Kraftwerk genauso viel Energie erzeugt hat, wie zu seiner Produktion, Transport, Errichtung, Betrieb usw. benötigt wurde. Die Energierücklaufzeit beträgt bei Windkraftanlagen etwa zwei bis sechs Monate und auch nach konservativen Schätzungen deutlich unter einem Jahr.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Windkraftanlage)

Zweifelsohne müssen in die Kostenbetrachtung noch weitere Faktoren einbezogen werden: Gewinnmargen, Wartung, Verwaltungsaufwand, Netzgebühren u.v.m. Auch die unstete Produktion von Windenergie und die Problematiken der Speicherung belasten. Trotz alle dem war ich überrascht, dass die Kosten deutlich niedriger ausfallen, als von mir erwartet und die Differenz zum Haushaltsstrompreis (ca. 20-25 cent) und zum Preis an den Strombörsen (ca. 5 – 7 cent) doch sehr ordentlich ist.

Ich erspare mir die Detailrecherche für Photovoltaik und Biomasse. All meine bis dato vorliegenden Informationen weisen darauf hin, dass Solarstrom nicht annähernd so effizient ist wie Windkraft. Mein Q-Cells Investment bei Informunity war vor allem durch den vermeintlich günstigen Kurs geprägt und ich hätte es eigentlich besser wissen sollen. Auch die Verbrennung von nachwachsenden Rohstoffen ist für mich nicht zukunftsträchtig, wegen steigenden Lebensmittelkosten und schlechter Energiebilanz sehe ich hier nicht wirklich eine Perspektive.

--- Die Investment-Chance ---
Fasst man alle Punkte zusammen, so ergibt sich für die Windkraft eine sehr günstige Zukunftsaussicht. Ein starker europäischer Binnenmarkt für Windkraft und großes Knowhow im Anlagenbau in Deutschland verstärken diese Bild zusätzlich. Das wiederum sollte eigentlich finanzstarke Unternehmen wie Siemens oder General Electric (beide selbst als WKA Hersteller tätig) auf den Plan rufen, die momentan günstige Einstiegszeit für Übernahmen zu nutzen. Auch bieten Fusionen unter den unabhängigen Unternehmen durchaus die Chance, die Markt- und Wettbewerbssituation zu verbessern. Wichtig dabei: Alle benannten Unternehmen sind profitabel, ein deutlicher Kontrast also zu den Conergys, Q-Cells und Phoenix Solars dieser Welt.

Aktionäre könnten bei Übernahmen sicherlich mit einem deutlichen Kursaufschlag rechnen, die üblichen 20-30% scheinen hier nicht unrealistisch. Aber auch bei einer langfristigen Erholung des Wettbewerbsklimas winkt ein hohes Kurspotential (m.E. von mehr als 100%), das allerdings dann einige Jahre auf sich warten lassen kann.
Persönlich tippe ich auf Nordex, da das Unternehmen anders als Vestas sogar aktiv eine Zukunft unter anderem Dach anstreben sollte. Anderweitig läuft man in Rostock Gefahr, unter die Räder zu kommen und eines der Bauernopfer in der Branche zu werden. Aber auch Vestas bietet bei dem momentanen Kursniveau viel Phantasie. Und das ich bei diesen Eingebungen nicht gänzlich falsch liege, zeigt mein Informunity-Kommentar zu T-Mobile USA vom 3.11.2010

Ab morgen bin ich zu 40% investiert – und nehme eine Position unter den Besten 10 der Investor-Rangliste ins Visier. Dahin will ich nämlich zurück…
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Nordex Aktie
Kurs: 11,72€     -3,0% vs. Vortag
Kursentwicklung 3 Monate (Graue Fläche = DAX)  
Investor
Tatzi
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Momentan hat Investor Tatzi
kein öffentliches Portfolio.