Kommentar vom 11.03.12
AktieApple
InvestorGrafenstein
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Wenn die Blase anfängt zu platzen... Update: Wo sich WarrenLynch irrt

6 Gründe, warum das derzeitige Kursniveau nicht zu halten ist:

1. Wenn man sich den Kursverlauf Apples über die letzten 5 Jahren anschaut, fällt einem sofort folgendes ins Auge: Von Anfang 2009 bis Anfang 2011 stieg der Kurs kontinuierlich von 65€ auf über 260€, danach fiel er wieder leicht. Ende 2011 setzte dann aber eine unbeschreibliche Kursrallye ein: In nur 4 Monaten stieg der Kurs unter 280€ auf 450€.

2. Nun ist Apple mit einer Marktkapitalisierung von 423,3 Milliarden € das wertvollste Unternehmen der Welt, deutlich vor dem Ölgiganten ExxonMobil (312,5 Milliarden €), Microsoft (206,9 Milliarden €) oder IBM (185,9 Milliarden €). Wenn man bedenkt, dass Apple ein Hersteller von Unterhaltungselektronik und Computern ist, der nur ein Minimum von den Geräteteilen selbst herstellt, erscheint dieser Börsenwert sehr hoch gegriffen.

3. Apple ist alleine sogar deutlich wertvoller als seine größten Konkurrenten Samsung (133,8 Milliarden €) und Google (151,9 Milliarden €), die zusammen 285,7 Milliarden € wert sind.

4. Apple ist nur 4 Geschäftsbereichen tätig: dem Handymarkt (iPhone), dem Tablet-Markt (iPad), dem Computergeschäft (iMac & MacBooks), sowie dem MP3-Player-Bereich (iPods). Streng genommen sind dies sogar nur 2 Marktbereiche: Unterhaltungselektronik und Computer.

Während Apple im schrumpfenden PC-Geschäft minimal an Marktanteilen gewinnt, verliert Apple durch die weiter steigende Konkurrenz in seinen Hauptbereichen (Smartphone- und Tablet-Markt) nach und nach an Marktanteilen. Da beide Bereiche in den letzten Jahren sehr stark wuchsen, konnte Apple Gewinn & Umsatz trotz sinkender Marktanteile stark steigern. Während dem Tablet-Markt für die nächsten 3 Jahre weiteres Wachstum vorausgesagt wird, kommt das Wachstum des Smartphonemarktes langsam an seine Grenzen: 2011 wurden bereits 462 Millionen Smartphones verkauft, in den nächsten Jahren wird nun mit einer Stagnation des Marktes gerechnet. Dann wird Apple Schwierigkeiten haben, das Wachstum aufrecht erhalten zu können.

5. Da die Konkurrenz hardwaretechnisch an Apple vorbeizieht, muss Apple mitziehen. Dies geht auf Kosten der Margen: Beispielsweise kostete die Produktion eines iPads (16 GB, Wifi) der ersten Generation Apple geschätzte 270 Dollar. Beim iPad 2 hingegen lag dieser Wert bereits bei über 276 Dollar, für die Produktion eines iPad 3 zahlt Apple hingegen bereits 310 Dollar. Da alle iPads für den gleichen Preis verkauft wurden, verdient Apple also 40 Dollar weniger pro verkauftem iPad.

6. Wie oben bereits erwähnt, ist der Aktienkurs von Apple auf einem sehr hohen Niveau. Ein Blick auf die Bewertungskennzahlen verrät: Das zukünftige Wachstum ist bereits in den Kurs eingerechnet!

Gewinn-Marge: 25,8%
KGV: 15,5
KUV: 4,0
KBV: 5,7

Trotz der sehr hohen Gewinn-Marge liegt das KGV deutlich über dem branchentypischen Normalwert: Beispielsweise liegt es bei Samsung bei 9,3, bei RIM bei 3,2, bei HP bei 6,8 oder bei Dell bei 8,7.

Zudem liegt auch das KUV weit über dem Branchendurchschnitt (Samsung: 0,8; RIM: 0,4; HP: 0,4; Dell: 0,5).

Selbst das KBV ist unnatürlich hoch: Samsung: 2,0; RIM: 0,7; HP: 1,2; Dell: 3,6

Folglich müsste Apples seinen Gewinn verdoppeln und seinen Umsatz vervierfachen, um wieder bei normalen Werten zu landen!!!

Dies wird aufgrund der in den Punkten 4 & 5 genannten Probleme sehr schwer fallen.


Fazit:

Der Kurs ist stark überbewertet, da momentan ein Gewinn- (mal 2) und Umsatzwachstum (mal 4) in den Kurs mit eingerechnet ist, das die Firma kaum erreichen kann. Dass die Marktbereiche, in denen Apple tätig ist, bei weitem nicht mehr in dem Ausmaß wachsen werden und Apple seine Gewinn-Margen senken werden muss, machen dies noch unwahscheinlicher. Folglich hat sich bei Apples Aktie eine Blase aufgebaut, die bald platzen wird. Die Frage ist nur wann. Deshalb rate ich allen, die in bereits in Apple investiert haben, oder von der Kursrallye profitieren wollen, ihre Positionen vorerst zu halten. Sollte es aber bald einen Kursverfall geben, muss man schnell reagieren und aussteigen, denn sobald die Blase einmal platzt, kann man sie nicht aufhalten.


Update:

zu Punkt 1:

Natürlich hat Apple den Smartphone- und den Tabletmarkt erst geschaffen. Trotzdem ändert das nichts daran, dass Apple dort Marktanteile verliert. Um den jetztigen Wachstumskurs beibehalten zu können müsste Apple alle 3-5 Jahre solch eine Marktlücke ausnutzen - etwas, was - meiner Meinung nach ziemlich unwahrscheinlich ist. Wie sehr das z.B. mit dem iTV gelingen (das - Gerüchten zufolge - nächste Produkt Apples) wird, ist fragwürdig, da gerade der TV-Markt unter zu hoher Konkurrenz leidet, weshalb die Preise hier immer weiter gedrückt werden.

Entgegen der Aussage wächst der Markt für Unterhaltungselektronik und Computer nicht rasant: Der Computermarkt geht schon seit Jahren stark zurück (mit dem Erscheinen der Smartphones und Tablet-PCs), während der Markt für Unterhaltungselektronik - wie ich auch bereits geschrieben hatte - noch wächst, Experten aber mit einer baldigen Stagnation rechnen. Zudem drückt immer mehr Konkurrenz in den Smartphonemarkt, wie Beispieslweise Huawei oder ZTE, die Apple mit niedrigeren Preisen und erstklassiger Hardware starke Konkurrenz machen.


zu Punkt 2:

Ja, Apple konnte bisher (seit 2005) die Ergebnisse des 4. Quartals in etwa aufrecht erhalten - bzw. sie sind nicht auf ganz auf das Niveau des 3. Quartals gesunken. Trotzdem ist es falsch daraus zu schliessen, dass Apple dies immer tun wird. Gerade wenn die Märkte, auf denen Apple tätig ist nicht mehr in dem Ausmaß wie früher wachsen, bzw. bald stagnieren.

zu Punkt 3:

Natürlich können die Bewertungskennzahlen nur die vergangenen Ergebnisse berücksichtigen, da niemand die Zukunft vorhersagen kann...

Warren-Lynch hat in seiner Rechnung - meiner Meinung nach (siehe "zu Punkt 2") - einen Fehlschluss: Er geht davon aus, dass Apple in den nächsten Quartalen wieder 13 Milliarden US-Dollar Gewinn machen wird(und zudem der Aktienkurs konstant bleibt). Daraus errechnet er natürlich Bewertungskennzahlen, die nur leicht über dem Niveau anderer Firmen liegen (wobei Google als Softwaregigant und Amazon als Versandhändler mit nur einer eigenen Produktreihe (Kindle) in einem Branchenvergleich auch falsch sind, da für diese andere Bedingungen gelten). Woher Warren-Lynch die Vergleichswerte der anderen Firmen hat, ist mir schleierhaft, über Erklärungen würde ich mich hier freuen.

zu Punkt 4:

Auch wenn ich von einigen als "unbedarft" bezeichnet werde: Da Apples Wert meiner Meinung nach deutlich über dem inneren Wert liegt, liegt per Definition eine Blase vor. Extrembeispiele, wie sie bei der New-Economy-Blase vorherrschten, braucht man hier nicht zu nennen.

Warren-Lynch geht hier davon aus, dass ich jemandem eine Exxon-Aktie andrehen wollte. Natürlich denke ich auch, dass die Tage von Exxon gezählt sind, gerade da es nur in einer Branche tätig ist, die dazu noch mehr und mehr schrumpft, da die Ölförderung zurückgeht.

So kann es auch Apple gehen: Da der PC-Bereich nur einen Bruchteil des Umsatzes ausmacht, wird das Unternehmen von einem Rückgang der Nachfrage nach Unterhaltungselektronik, der beispielsweise durch eine nachfragehemmende Krise ausgelöst wird, stark getroffen werden.

Firmen wie Samsung hingegen sind in einer Vielzahl von Geschäftszweigen vertreten, weshalb sie ein Nachfragerückgang in der Unterhaltungselektronik weniger treffen würde.


zu Punkt 5:

Die generelle Verunsicherung der Aktienmärkte ist meines Erachtens nach ein Mitgrund, wenn nicht sogar der Hauptgrund der Kursrallye Apples: Da die meisten Aktien stark fielen suchten sich viele Aktionäre eine Aktie, die bisher meist konstant gestiegen ist, bzw. resistent gegen einen Indexverfall ist.

Wie man bei dem derzeitigen Stand von "herben Rücksetzern" aus "charttechnischer Sicht" sprechen kann, ist mir auch nicht ganz klar:

Aus charttechnischer Sicht ist nach oben alles offen: Nur ab und zu würde die Apple-Aktie ein paar Prozentpunkte einbüßen, um zurück ins Bollinger-Band zu fallen, sonst sind weder typische, charttechnisch bedeutsame Konstellationen im Kurs zu erkennen, noch liegt einer der Durchschnitte als Widerstandslinie über dem Kurs...

Fazit 2:

Ich bleibe dabei: Der innere Wert der Firma wird den jetzigen Wert niemals erreichen können, zudem steigt der Kurs rasant weiter. Wie auch in Fazit 1 beschrieben, rate ich alle bereits investierten oder risikobereiten Anlegern von der Kursrallye zu profitieren, aber bei einer sich andeutenden Trendwende sofort auszusteigen. Indikatoren für den Kursverfall sind zum Beispiel ein Rückgang des Kurses in mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. Wenn die Aktie es zudem nicht schaffen sollte, im Intraday-Chart wenigestens einmal im Plus zu liegen, bzw. sogar gar nicht ansteigt (hierfür sollte man den Candle-Chart benutzen), ist dies ein noch sicherer Indikator.

Wer WarrenLynch zustimmt, soll in Apple investieren und die "herben Rückschläge" als Charttechnik bezeichnen, ich bleibe aber bei meiner Ansicht.


Fragen beantworte ich gerne per PM.

Ich verbleibe,

Grafenstein
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