Kommentar vom 25.06.12
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Kursverfall und Revival- was steckt dahinter?
EINLEITUNG:

Facebook zeigt nach einem chaotischen Börsenstart einen ungewöhnlichen Kursverlauf. Die Aktie verfiel seit dem Börsengang zu 38 $ zunächst rapide auf 27 $, um danach innerhalb von 2 Wochen wiederum auf 32 $ hochzuschießen.
Was könnte hinter diesem Kursverlauf stehen, was prägt derzeit die Entwicklung der Aktie und wie sollte man sich daher positionieren?


Folgende Punkte sollen analysiert werden:

1. Facebooks Kursverlauf
2. Entwicklung des Unternehmens seit dem Börsengang
3. Der Konzern fundamental bewertet.
4. Was dahinter steckt.
5. Fazit.



1. Facebooks Kursverlauf


Die Facebookaktie zeigte seit ihrem Börsengang einen sehr ungewöhnlichen Kursverlauf. Stürzte die Aktie zunächst 3 Wochen lang ins Tal der Tränen, so bildete sich bei 27 $ offenbar eine Art Boden. Der Börsengang schien sich für Anleger die das Papier zu 38 $ zeichneten zunächst zu einer echten Katastrophe zu entwickeln. Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das 'Wall Street Journal' veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit 2007 so schlecht gelaufen. Von insgesamt 24 solchen Börsenstarts standen demzufolge nach drei Handelstagen nur 8 im Minus (1).

Erstaunlicherweise konnte sich Facebook zuletzt aber wieder bis auf 32 $ hocharbeiten. Die Frage ist nun: wer kauft denn da?
Sind die Aktionäre, die derzeit das Papier halten, noch dieselben, die es beim Börsengang zeichneten?
Gibt es einen Newsflow, der zunächst extrem negativ war, Anfang Juni aber ins stark Positive drehte?
Oder haben die Fundamentaldaten Anleger erneut zum Kauf bewegt?

Fragen die im Folgenden beantwortet werden sollen.


2. Entwicklung des Unternehmens seit dem Börsengang


Phase 1 (18.05. – 01.06.): Der Börsengang

Der Newsflow für Facebook war nach dem Börsenstart zunächst katastrophal. Die Aktie konnte aufgrund technischer Defekte zunächst über Stunden nicht im Wert bestimmt werden, der Ausgabepreis und die Menge der auszugebenden Aktien wurden mehrfach kurzfristig erhöht und die das IPO betreuenden Banken sollen selbst kurz vor dem Börsengang Insidern – aber nicht Otto-Nomalanleger – negative Berichte über das Unternehmen zugespielt haben.
All dies mündete in Klagen von Aktionären und interessierte auch die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde. (2).
Kein Wunder also, dass der Börsenkurs in diesem Umfeld, wo man an Betrug oder Manipulation auf allen Ebenen glauben musste rasant verfiel.


Phase 2 (02.06.-11.06.): Schufa will Facebookdaten nutzen

Am 07.06.2012 kam dann die nächste spektakuläre Nachricht. Die Schufa plante in einem Forschungsprojekt die Facebookdaten der Nutzer von Facebook zur Nutzung von deren Kreditwürdigkeit heranzuziehen (3). So könne man die Beziehungen zwischen Personen untersuchen und so Zusammenhänge mit der Kreditwürdigkeit der Verbraucher zu finden. Zudem sei die Analyse von Textdaten denkbar, um „ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln“.
Angesichts dieser Planung der maximal möglichen Misachtung der Datenrechte der Facebookuser ließ ein Entrüstungssturm nicht lange auf sich warten. Nicht nur die Nutzer sondern auch die Politik stellten sich scharf gegen diese Nutzung der Plattform. So betonte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU): "Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden" (4). Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fand deutliche Worte der Kritik: "Es darf nicht sein, dass Facebook-Freunde und Vorlieben dazu führen, dass man zum Beispiel keinen Handyvertrag abschließen kann." (4).

Derartig obskure Projekte der Totalüberwachung dürften Facebook nicht gerade beliebter machen, auch wenn die eigentliche Initiative hierbei nicht von Facebook selber, sondern von der Schufa und dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) ausging.
Diese gaben dem öffentlichen Druck denn auch bald nach und beerdigten das Projekt vor seinem eigentlichen Beginn (5).

In den Tagen dieser Diskussion begann die Facebookaktie interessanterweise einen Boden auszubilden.


Phase 3 (12.06.-24.06.): Technikchef geht, Face-com wird übernommen, angestrebte außergerichtliche Einigung im Patentstreit mit Yahoo


Zuletzt gab es dann gemischte bis positive Nachrichten zu vermelden.
Zunächst ging Technik-Chef Bret Taylor von Facebook, angeblich um ein eigenes Unternehmen ztu gründen (6). Dies ist sicher ein Nachteil für das Unternehmen gute Mitarbeiter zu verlieren.

Am 18.06. konnte Facebook dann verkünden die israelische Firma Face.com zu übernehmen, die eine Technologie zum Identifizieren von Personen auf Bildern entwickelt hat. Face.com bestätigte den Kauf. Der Preis soll 55-60 Millionen $ betragen haben (7). Sicher kein Schnäppchen, aber das gekaufte Unternehmen fügt sich in den Konzern organisch ein.

Als weitere Good News ist zu verbuchen, dass Facebook und Yahoo in einem Patentstreit in dem Yahoo Facebook vorwirft Ideen von ihnen abgekupfert zu haben eine außergerichtliche, daher billigere Einigung anstreben (8).

Im Umfeld dieser Nachrichten konnte die Aktie deutlich und schnell zulegen.


3. Der Konzern fundamental bewertet.


Das KGV von Facebook liegt derzeit bei 59,01 (Eigene Berechnung basierend auf den Daten von Onvista)(9). Dies ist selbst für ein mögliches Wachstumsunternehmen wie Facebook sehr ambitioniert.

Da die Gewinne von 2011 auf 2012 um 26,5 % wachsen ist das derzeitige KGV einfach zu hoch, da bei einer derartigen Wachstumsgeschwindigkeit der Kurs eben sehr lange noch zu ambitioniert ist.
Wenn man weiter beachtet, dass die Gewinne in Q1/2012 mit 137 Mill. $ sogar geringer waren als im Vorjahresvergleich, wo Facebook noch 153 Mill. $ erlöste (10), so zeigt sich doch eine gewisse Unsicherheit in der Gewinnentwicklung, aus der man nicht eben zwingend einen Wachstumspfad ableiten muss.

Aktuell wird noch keine Dividende bei Facebook ausgezahlt. Daher ist die fehlende Dividendenrendite ein Argument gegen den Kauf der Aktie. Allerdings muss man sagen, dass das Nichtzahlen einer Dividende für ein noch expandierendes Unternehmen normal ist.


4. Was dahinter steckt.


Die Aktie Facebook baute nach einem chaotischen Börsenstart ab und erlebte dann bei gemischter Datenlage Anfang Juni eine Stabilisierung des Kurses, um dann wiederum eine Rallye zu starten. Auffällig ist hierbei, dass der Kurs bei geringen Umsätzen immer weiter stieg. Die Umsätze haben sich nach Anfangs regem Handel doch sehr beruhigt.

Es ist zu vermuten, dass die Aktien aus den Händen von wackeligen Jungaktionären in die Hände erfahrener Aktionäre gelangt sind. Ich vermute gar, dass mittlerweile die Emissionsbanken und Fonds den Kurs aus Zwecken der Kurspflege hochkaufen.
Anfang dieser Woche wurde aus der Vermutung eine belegbare Tatsache. Die IPO-Banken, namentlich Morgan Stanley haben Facebook selbst massiv wieder hoch gekauft:

„Morgan Stanley hatte in den 30 Tagen nach dem Börsengang des Social-Media-Dienstleisters Facebook am 18. Mai die Aufgabe, Aktien vom Markt zu kaufen, falls der Kurs unter den Ausgabepreis von 38 US-Dollar fallen sollte. Da die Notiz der Facebook-Aktie tatsächlich stark eingebrochen war, hat die Bank höchstwahrscheinlich alle 63 Millionen Zusatzaktien wieder zurückerworben.“ (12).

Für mich ist dies schon ein weiterer Skandal. Erst lässt man die neuen Facebookaktionäre durch überhöhte Aktienausgabe, einen zu hohen Kurs und eine ungleiche Informationspolitik ins offene Messer laufen, nun macht man die Kurse einfach mal selber. Mit einem freien Markt, der Kurse fair ermittelt, hat das nur noch wenig zu tun.

Interessant wird es, wenn die 90-Tage-Haltefrist für Altaktionäre am 16. August abläuft (11). Es scheint fraglich, ob dann eine Aufwärtsbewegung der Facebookaktie noch weitergehen kann.
Vermutlich wird sich erst mit dieser weitergehenden Freigabe weiterer Aktien zeigen, wo der Markt Facebook sieht.


5. Fazit.


Der aktuelle Kursverlauf ist mit den Fundamentaldaten Von Facebook nicht zu erklären. Mit einem KGV von 59 liegt hier vielmehr wiederum eine extreme Überbewertung vor. Eine Überbewertung war ja selbst bei einem Kurs von 27 $ (= KGV 50) noch vorhanden.

Die Nachrichtenlage wiederum kann zwar den anfänglichen Verfall der Aktie erklären, da der chaotische Börsengang den Anfang von Facebooks Börsengeschichte überschattete.
Das Kursrevival Anfang Juni ist mit der Nachrichtenlage jedoch nicht zu erklären.
Der Wiederanstieg der letzten zwei Wochen ist auch mit der Nachrichtenlage eher schwer zu erklären, bleibt hier doch nur der Kauf von Face-com als mögliche größere Nachricht.

Es scheint plausibel und nun auch belegt, dass das Geheimnis von Facebooks Kursrevival in der Art der Käufer zu suchen ist. Hier wurden wackelige Hände durch feste Hände ersetzt. Es istr schlicht Kurspflege interessierter Kreise, konkret der federführenden Banken bei der IPO, die die Kurse von 27 $ zurück auf 33 $ pushte.

Diese Kurspflege kann und wird nicht endlos weitergehen. Irgendwann werden die Banken ihre Gewinne aus dem Kauf in fallende Kurse relativieren wollen.
Weiter spricht die fundamentale Situation Facebooks gegen dauerhafte Kursnivaus über 30 $. Der KGV von 59 ist immer noch überzeichnet, das Wachstum des Unternehmens mit 20-30 % p.a. bei weitem nicht so dynamisch, dass er derartige Mondkurse rechtfertigen könnte.

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Empfehlung:

Ich rate daher prinzipiell weiter die Aktie zu shorten, bis ein weit niedrigeres KGV von 20-30 erreicht wird.
Allerdings sollte man hier jetzt nicht sofort einsteigen. Niemand kann wissen, wie hoch die IPO-Banken oder andere Mitspieler am Markt die Aktie noch treiben werden. Cleverer wäre es, die nächsten 2 Monate in vielen einzelnen Tranchen short zu gehen, um so in mögliche Preisspitzen von 33-46 $ hineinzukaufen, die noch denkbar sind.


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Quellenangaben:
(1) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/23.05.2012-07:59:59-roundup-facebook-faellt-weiter-einer-der-miesesten-us-boersengaenge?newshash=22d7c0fdc3267c72fd3435a9e390dc50

(2) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/23.05.2012-15:57:34-roundup-4-facebook-boersengang-im-zwielicht-anleger-klagen?newshash=59ab9f865106d46b6d25fdb9b1bd1d0a

(3) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/07.06.2012-10:57:59-schufa-will-sich-facebook-daten-zu-nutze-machen?newshash=6fe37322333b94f67933c99ec01d82f3

(4) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/08.06.2012-08:01:19-schufa-entfacht-sturm-der-entruestung?newshash=f355173d8e2d3f01b74452948d79d11b

(5) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/08.06.2012-14:19:58-schufa-forschungsprojekt-gestoppt?newshash=4766ae54c399a17070c3b9eb9871c77d

(6) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/17.06.2012-10:26:53-facebooks-technik-chef-geht?newshash=5b0ce7ab2ec3f8ffe62f1285b4394ff7

(7) http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-06/23827130-facebook-kauft-face-com-003.htm

(8) http://www.onvista.de/news/unternehmensberichte/artikel/21.06.2012-05:27:51-yahoo-und-facebook-verhandeln-im-patentstreit?newshash=66debbab77787f93cf7fea6ed860d0fd

(9) http://www.onvista.de/aktien/snapshot.html?ID_OSI=50838870

(10) http://www.informunity.de/sd/STID-450/Aktie-Facebook.htm

(11) http://www.handelsblatt.com/finanzen/aktien/aktien-im-fokus/gefloppter-boersengang-facebook-erhaelt-klagewelle/6663956-2.html

(12) http://www.wallstreet-online.de/nachricht/4949311-facebook-kursturz-banken-verdienten-kraeftig-sturz-facebook-aktie
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Facebook Aktie
Kurs: 154,05€     +0,6% vs. Vortag
Kursentwicklung 3 Monate (Graue Fläche = DAX)  
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homooeconomicus
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