Kommentar vom 14.08.12
InvestorOenomaus
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Solarworld: Vorstellung, Kommentar und Einschätzung zum 1. Halbjahresbericht 2012
In meinem letzten Beitrag "Solarworld jetzt schon shorten?" am 04.07.2012 hatte ich noch empfohlen bei einem Kurs von 1,43 mit einem Shorteinstieg bis kurz vor den Zahlen zu warten, da die Aktie wegen Spekulationen auf Strafzölle für ausländische Solarmodule kurzfristig steigen könnte.

Kurz danach ist die Aktie wegen schlechter Zahlen chinesischer Hersteller in der Spitze bis auf 1,03 eingebrochen. Shit Happens. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass Äußerungen von Altmaier über Strafzölle am 20. Juli und positiven Verhandlungen über neue Vereinbarungen von Krediten dafür gesorgt haben, dass die Aktie in 3 Tagen nochmal bis auf 1,40 zulegen konnte. Im Folgenden werde ich die Q2-Zahlen vorstellen, kommentieren und meine Einschätzung über die weitere Entwicklung geben.

1. Wie sehen die aktuellen Zahlen aus?
2. Anmerkungen zu den Zahlen und der Berichterstattung
3. Zukunft von Solarworld und der weitere Verlauf der Aktie


1. Wie sehen die aktuellen Zahlen aus?

13.08.2012
Corporate News SolarWorld AG
(Securities Code No.: WKN 510 840)
(International Securities Identification Number: ISIN DE0005108401)

SolarWorld AG investiert 2012 in Innovationen

- Absatzmenge gestiegen auf 316 Megawatt

- Erfolgreiches Projektgeschäft durch Solarparc-Integration

- Konzernumsatz sinkt wegen Preisdumpings auf 340,1 Mio. EUR

- EBIT wertberichtigungsbedingt zurückgegangen auf -143,8 Mio. EUR

Der konzernweite Absatz von Modulen und Bausätzen ist im 1. Halbjahr 2012 auf 316 (H1 2011: 269) Megawatt gestiegen. Während das 1. Quartal von Vorzieheffekten im deutschen Markt geprägt war, lag im 2. Quartal das größte Absatzvolumen in Ausland. Insgesamt hatte der Absatz außerhalb Deutschlands im 1. Halbjahr 2012 einen Anteil von 60,0 (H1 2011: 69,1) Prozent. Die deutsche Nachfrage nach Bausätzen für Dachanlagen verhielt sich im 2. Quartal politisch bedingt spürbar zurückhaltend. Dies konnte durch ein gestiegenes Auslandsgeschäft, vor allem in Italien, nur teilweise ausgeglichen werden. Die volle Integration der Solarparc AG in den SolarWorld-Konzern zahlte sich im Bereich Großprojekte aus.

Der durch Preisdumping ausgelöste Preisverfall ist der wesentliche Grund dafür, dass der Konzernumsatz im 1. Halbjahr auf 340,1 (H1 2011: 533,6) Mio. EUR zurückging. Infolge des gesunkenen Preisniveaus mussten Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen in Höhe von 33,5 Mio. EUR vorgenommen werden. Zudem musste dadurch eine Wertberichtigung in Höhe von 80,8 Mio. EUR auf geleistete Anzahlungen auf Silizium erfolgen. Beide Wertberichtigungen sind nicht cashwirksam. Diese Faktoren beeinflussten das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) negativ. Das EBIT betrug im 1. Halbjahr -143,8 (H1 2011: 70,5) Mio. EUR.

Unter Berücksichtigung der aggressiven und von illegalen Handelspraktiken geprägten Marktlage wird die SolarWorld AG im Geschäftsjahr 2012 aus heutiger Sicht kein positives EBIT erzielen.

Das Finanzergebnis verbesserte sich im 1. Halbjahr 2012 auf -26,9 (H1 2011: -31,3) Mio. EUR. Das Konzernergebnis der SolarWorld betrug im 1. Halbjahr -159,3 (H1 2011: 22,2) Mio. EUR. Die liquiden Mittel betragen zum Stichtag 320,1 Mio. EUR, nach Rückzahlung von 175 Mio. $ Kreditverbindlichkeiten an US-Investoren.

'Dem Preisdumping müssen wir mit technologischen Innovationen begegnen', erklärte Dr.-Ing. E. h. Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG. Der Konzern wird weitere 50 Mio. EUR investieren, mit Schwerpunkt in die Entwicklung neuer Produkte speziell für die hochwirtschaftliche Eigenstromnutzung sowie in die Überführung von Forschungsergebnissen und patentgeschützten Produktionsinnovationen in die deutsche und amerikanische Zellfertigung. Diese neuen Verfahren steigern die Leistung der Module bei gleichzeitiger Senkung des Materialeinsatzes und somit der Produktionskosten.

Über die SolarWorld AG: Der Konzern SolarWorld AG (ISIN: DE0005108401) ist ein weltweit führender Markenanbieter hochwertiger kristalliner Solarstromtechnologie. Seine Stärke ist die Vollstufigkeit in der solaren Produktion. Vom Rohstoff Silizium über Wafer, Zelle und Modul bis zur schlüsselfertigen Solarstromanlage jeder Größe vereint der Konzern alle Wertschöpfungsstufen. Zentraler Geschäftsbereich ist der Vertrieb von Qualitätsmodulen an den Fachhandel und kristalliner Wafer an die internationale Solarzellenindustrie. Die Konzernzentrale ist in Bonn. Vertriebsniederlassungen befinden sich in Singapur, Südafrika, Spanien, Frankreich und im US-Bundesstaat Kalifornien. Die größten Fertigungen unterhält der Konzern in Freiberg/Deutschland und Hillsboro/USA. Nachhaltigkeit ist Basis der Konzernstrategie. Unter dem Namen Solar2World fördert der Konzern Hilfsprojekte in Entwicklungsländern mit netzunabhängigen Solarstromlösungen, die beispielgebend für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sind. Weltweit beschäftigt SolarWorld rund 3.000 Menschen. Die SolarWorld AG ist seit 1999 börsennotiert und heute unter anderem im Technologieindex TecDAX und im ÖkoDAX sowie im Nachhaltigkeitsindex NAI gelistet.

Kontakt:
SolarWorld AG Investor Relations
Tel.-Nr.: 0228/55920-470; Fax-Nr.: 0228/55920-9470,
E-Mail: placement@solarworld.de; Internet: www.solarworld.de


Ende der Corporate News

2. Anmerkungen zu den Zahlen und der Berichterstattung

Ich selber hatte schon mit einem 3stelligen negativen EBIT-Ergebnis gerechnet. Dass aber die operativen Verluste den Umsatz übersteigen, damit hatte selbst ich nicht gerechnet. Überraschend kamen für mich die Wertberichtigungen auf Verträge mit Siliziumabnehmern. Der Markt ist sogar noch von deutlich besseren Zahlen ausgegangen. Die Berichterstattung ist wieder in üblicher Manier in Schönfärbung abgehalten. Wichtige Kennzahlen wie Bruttomarge, oder Produktionskosten in wp/€ werden erst gar nicht aufgeführt. Ein Artikel der ARD hat das sehr gut zusammengefasst.

Analysten wie Anleger …
Was einigen Marktbeobachtern dabei übel aufstößt, ist die Tatsache, dass man die Adhoc-Meldung ganz schön weit lesen muss, um zu dieser doch recht wichtigen Information zu gelangen. Statt mit "Solarworld gibt Ebit-Prognose 2012 auf" überschrieben, trägt diese Meldung zudem den Titel "Solarworld investiert 2012 in Innovationen". Ein Schelm, wer dabei an Schönfärberei denkt.

Die nackten Zahlen sprechen jedenfalls eine ganz andere Sprache. So ging der Umsatz im zweiten Quartal um 43,8 Prozent zurück auf 169,6 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach von plus 41,3 Millionen Euro ein auf minus 170,4 Millionen Euro. Analysten hatten Solarworld mit einem prognostizierten Umsatz von 208,3 Millionen Euro und einem erwarteten Ebit von 28,4 Millionen Euro erheblich mehr zugetraut.

… auf dem kalten Fuß erwischt
Unterm Strich verbuchten die Bonner einen massiven Verlust von 161,1 Millionen Euro, im Vorjahresquartal hatten sie noch einen kleinen Gewinn von 9,9 Millionen Euro einfahren können. Analysten hatten hier gar mit einer Verbesserung auf 12,1 Millionen Euro gerechnet.

Wie arg es mittlerweile um den Konzern bestellt ist, spiegelt aber auch die blumige bis verzweifelte Wortwahl des Konzernchefs im Zwischenbericht zum ersten Halbjahr wider: Die "Windstärke" habe in den vergangenen Monaten zugenommen, man durchlebe "stürmische Zeiten", beklagt Asbeck sein Schicksal, für das er vor allem die Billigkonkurrenz aus China verantwortlich macht. "Die Herausforderungen sind groß, aber noch größer ist unsere Einsatzfreude", versucht Asbeck sich und den Aktionären Mut zuzusprechen.


3. Zukunft von Solarworld und der weitere Verlauf der Aktie

Zahlen und Ausblick waren nicht nur schlecht, sondern extrem schlecht. Mich persönlich hat gewundert dass die Aktie nicht noch viel stärker eingebrochen ist. Ich kann mir das nur damit erklären, dass alle rational denkenden Investoren dass sinkende Schiff schon längst verlassen haben und hauptsächlich Schafe investiert sind, die Asbeck die solaren Traumwelten mit Solarworld abkaufen. Selbst jetzt investiert Solarworld immer noch in Zell- und Waferfertigung obwohl man 1a-Zellen auf dem Weltmarkt viel günstiger einkaufen kann. Schuld für die eigenen Managementfehler sind die Chinesen, Energieversorger und der Staat und die einzige Strategie um zu überleben scheint zu sein Strafzölle zu fordern. Außerdem kommen die schlechten Nachrichten alle nur häppchenweise.

Meiner Meinung geht Solarworld in den nächsten 6 Monaten den selben Weg wie Q-Cells und Solon.
1. Die Zell- und Waferfertigung kann nur noch mit Verlust betrieben werden. Die Sachanlagen sind aber immer noch mit 720 Mio. bewertet
2. Seit zig Quartalen werden 320 Mio. an Vorräten und auf Halde liegende Module mitgeschleppt ohne dass es bei dem starken Preisverfall hier zu nennenswerten Abschreibungen gekommen ist.
3. Das Eigenkapital beträgt nur noch 440 Mio.
4. Die flüssigen Mittel liegen bei 320 Mio., die Nettoverschuldung bei 765 Mio.

Dass sich das operative Ergebnis wieder verbessert halte ich nicht für möglich. Die Preise für Solarmodule werden solange es eine Überkapazität gibt auch nicht steigen, sondern weiter fallen. Die Abschreibungen wird man nicht ewig hinauszögern können. So wie ich Asbeck einschätze, wird der aber nicht aufgeben und die Insolvenz so lange es geht versuchen hinauszuzögern.

Die MK von Solarworld beträgt immer noch 130 Mio. Für einen potentiellen Insolvenzkandidaten viel zu hoch. Im Peergroupvergleich findet man in Deutschland noch Solarfabrik, Phoenixsolar oder Centrosolar, die wesentlich besser aufgestellt, eine stärkere Bilanz aufweisen und keine Wafer und Zellfertigung am Hals haben und mit einem niedrigeren KUV bewertet sind.

Meiner Meinung nach ist die Bewertung von Solarworld immer noch völlig irrational und ich denke dass der Abwärtstrend in den nächsten Wochen weiter Fahrt aufnimmt. Aus technischer Sicht muss man aber natürlich bedenken, dass kein rational denkender Investor mehr in dieser Aktie drin ist, wir immer noch über dem letzten Tief stehen und die "schlechte Nachricht" erstmal weg ist. Wer die Aktie leerverkaufen will, sollte dies bei seiner Investitionsentscheidung mit einbeziehen um bei kurzfristigen Kursanstiegen nicht überrascht zu sein. Mein Kursziel bis zu den nächsten Zahlen am 14. November liegt bei 0,60. Langfristig sollte es gegen NULL gehen.


http://konzernzwischenbericht2-2012.solarworld.de/fileadmin/QB_2-2012/PDF/DE/SolarWorld_AG_QB2_2012_gesamt.pdf
http://www.boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_629618
Anmerkungen
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