Kommentar vom 14.10.12
InvestorOktiEdda
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Der Chart verspricht Spannung oder Jetzt gehts up baby!
Eine äußerst interessante charttechnische Situation bietet sich die nächste Woche für die Commerzbank: wird die Hürde um 1,49€ genommen, so wäre ein steiler Anstieg bis 1,75€ möglich. Grund genug, sich etwas ausführlicher mit der Commerzbank zu beschäftigen

1. Die Commerzbank und ihre Geschichte [1]
Die Commerzbank ist nach der Deutschen Bank die zweitgrößte deutsche Großbank und seit Bestehen des DAX mit dabei. Sie wurde 1870 in Hamburg gegründet, die heutige Commerzbank AG gibt es seit 1958. 2008 schluckte sie den etwas größeren Konkurrenten Dresdner Bank, eine Aktion die vor allem aufgrund der bald darauf einsetzenden Finanzkrise fast das Aus für beide bedeutet hätte. In Nachverhandlungen konnte der Kaufpreis erheblich gesenkt werden.
In einer Eilaktion zur Rettung in der Finanzkrise übernahm der Staat (genauer die SoFFIn) 25%+1 Aktie der Commerzbank. Die weiterhin vergebenen stillen Einlagen wurden mittlerweile fast völlig zurückbezahlt, um den Einfluss des Staats vor allem auf die Vorstandsgehälter zurückzudrängen. Da die Commerzbank bis dato zumindest auf dem Papier Verluste schreibt, wurden die Staatseinlagen nicht verzinst.

Die Commerzbank hat eine interessante Aktionärsstruktur: außer den erwähnten 25% sind weitere fast 67% bei institutionellen Anlegern sehr breit gesteut mehr oder weniger fest geparkt. Nur etwa 8% sind im privaten Streubesitz und werden munter gehandelt: im letzten halben Jahr gehörte die Commerzbank auf XETRA fast immer zu den am häufigsten gehandelten Papieren. Über die Hälfte der Aktien befinden sich im ausländischen Besitz.

Auch interessant ist die Liste der Beteiligungen, da ich kein Fan von copy-paste bin, verweise ich an dieser Stelle auf wikipedia [4].

Die Kursentwicklung der Commerzbankaktie war in den letzten Jahren ein einziges Desaster. Von den gut 20€ vor der Finanzkrise fiel auf zunächst etwa 4€; auf diesem Niveau konnte sie sich lange Zeit halten. Mit der Verschärfung der Eurokrise ging es vor etwa einem Jahr das erste Mal Richtung ein Euro. In diesem Jahr waren starke Schwankungen zu verzeichnen zwischen ca. 1,20€ bis 2,10€.
Geht man in der Geschichte etwas zurück, so sieht man im Jahr 2003 einen Einbruch von damals 30€ auf unter 5€, den die Aktie in der Folgezeit aber fast wieder gut machen konnte. Allerdings wurden damals auch keine Verluste geschrieben.
Die Zahl der Aktien hat sich in den letzten fünf Jahren von ca. 660Mio auf 5,6Mrd fast verzehnfacht – entsprechend ist der Verwässerungseffekt (so ging z.B. die Bilanzsumme je Aktie von über 900€ auf zuletzt 130€ zurück). Auf diese Weise wurde erheblich neues Eigenkapital von fast 4Mrd € eingebucht.
Wenn man sich die Marktkapitalisierung seit 2007 ansieht, bemerkt man, dass der reine Kursverlauf nur die halbe Wahrheit widerspiegelt:

Marktkapitalisierung in EUR
17,3Mrd (07) 4,80 Mrd (08) 6,95 Mrd (09) 6,56Mrd (10) 6,66 Mrd (11) 8,25Mrd (12)
Seit dem Einbruch 2008 hat sich der Gesamtwert der Aktien schon wieder verdoppelt. Oder anders ausgedrückt: die Aktie wirkt optisch billiger als sie es eigentlich ist.

2. Fundamentale Zahlen und Meinungen der Analysten

Geprägt von Finanz- und Eurokrise seht die Commerzbank fundamental immer noch auf wackligen Beinen. Hohe Risiken an notleidenden Krediten stehen noch in den Büchern, auch wenn sie ziemlich früh in eine interne Bad Bank ausgelagert wurden. Zwar hat man in den letzten Jahren seine Hausaufgaben gut gemacht, Rückstellungen im höheren Milliardenbereich wurden gebildet und die Eigenkapitalquote erheblich erhöht, doch ganz über den Berg ist der Konzern im Moment noch nicht.

Immerhin geht man davon aus, dass die Gewinne wieder ansteigen. 2011 gab es einen Einbruch, der auch dieses Jahr noch anhält aber die großen Verlustjahre 2008 und 09 scheinen überwunden – man schreibt Gewinne. So geht man in den Folgejahren von einem KGV aus, das von aktuell 9,2 auf 7 und dann 5,7 sinkt – das wäre dann attraktiv.

Bis 2007 wurde regelmäßig eine Dividende ausgeschüttet, in jenem Jahr sogar ein Rekordbetrag von 1€. Danach gab es keine Dividendenzahlungen mehr, und erst in 2014 wäre eine solche wieder denkbar (man spricht von 2ct für das GJ 2013).

Insgesamt versucht man die Kosten zu senken, nicht zum Geschäftsmodell passende Bereiche sollen abgebaut werden. Große Sparanstrengungen werden auch bei den Mitarbeitern unternommen, seit mehreren Jahren baut man Arbeitsplätze ab. Ein großes Wachstum traut man dem Institut aber nicht zu, die Bilanzsumme soll die nächsten Jahre bei ca. 650Mrd verharren oder leicht absinken.

Die Experten sind sich bei den Analysenempfehlungen alles andere als einig: 6x buy, je 8x hold und sell. Der durchschnittlich erwartete Kurs geht von 1,1€ (Société Générale) bis 3€ (der Aktionär) und verspricht mit seinem Mittelwert von über 1,67€ immerhin noch einen erklecklichen Zuwachs. Viel besser kommen nur die Citygroup und die KBC weg.

Nicht aus dem Auge verlieren sollte man zuletzt den hohen Buchwert: mit 4,20€/je Aktie übertrifft er den Aktienkus um über 150%! Das sollte den Kurs nach unten doch ein wenig absichern.

Am 8. November gibt es die nächsten mit Spannung erwarteten Quartalszahlen. Wer nicht auf Risiko setzen will, sollte diese noch abwarten.

3. Aktuelle Chartanalysen
In einigen Meldungen wurde Ende der vergangenen Woche auf die äußerst interessante Charttechnische Situation aufmerksam gemacht:
- 4investors.de [5] spricht von der Hürde bei knapp 1,50€, die den Weg bis 1,75€ oder gar 2,22€ frei machen könnte,
- ähnliches nennt der-aktienbrief [6] (der sowieso immer nur sehr vage bleibt),
- die Deutsche Bank führt zusätzlich das Kreuzen des gleitenden Durchschnitts (GD20) nach oben an,
- für den Aktionär „Kaufsignal zum Wochenschluss“ [7] ist der Startschuss sogar schon gefallen.
- lediglich Stockworld [9] geht von einer Lückenschließung mit Erreichen der 1,52€ aus und rät dazu, dann auch einen Teil der Aktien zu versilbern, um Gewinne mitzunehmen.


4. Persönliches Fazit
Ich halte die Commerzbank für ein sehr interessantes Wertpapier, dessen Kurs unter weiterhin sehr großen Schwankungen langfristig deutlich steigen wird. Noch in diesem Kalenderjahr sind meiner Meinung nach Kurse um 1,70€ und mehr möglich, auf Jahressicht auch 2,50€. Das Risiko ist selbstverständlich ständiger Begleiter, man sollte sich also immer durch stop-loss etwa 15% unter dem jeweils aktuelle Kurswert absichern, um Verluste zu begrenzen. Nach einem deutlichen Anstieg schadet es sicher nicht, die Gewinne auch mal glattzustellen und nach einem Rücksetzer erneut einzusteigen (wie in den vergangenen Wochen).
Die jüngsten Bankendaten aus den USA waren sehr positiv und werden bei uns auch die Initialzündung für eine Hausse in dieser Branche iniziieren. Wer also noch nicht dabei ist, sollte schnell einsteigen ;)

KURS beim Schreiben dieses Kommentars: 1,47€

Ich hoffe, euer Interesse an dieser Aktie geweckt zu haben. Wer sich weiter mit diesem Titel beschäftigen will, für den habe ich noch einige Links zusammengestellt:


5. Quellen und Links zu weiteren Informationen
[1] https://www.commerzbank.de/de/hauptnavigation/aktionaere/investor_relations.html
[2] http://www.finanzen.net/aktien/Commerzbank-Aktie
[3] http://www.ariva.de/commerzbank-aktie/bilanz-guv?page=0#guv
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Commerzbank
[5] http://www.4investors.de/php_fe/index.php?sektion=stock&ID=62801
[6] http://der-aktienbrief.de/news/commerzbank-die-naechste-woche-wird-nun-spannend/
[7] http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/commerzbank-aktie--kaufsignal-zum-wochenschluss-18795439.htm
[8] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/ausreichend-eigenkapital-commerzbank-probt-den-befreiungsschlag/6084652.html
[9] http://www.stock-world.de/analysen/nc4637226-Chartcheck_Commerzbank_Lueckenschliessung_wahrscheinlich.html
Anmerkungen
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Commerzbank Aktie
Kurs: 11,76€     -0,1% vs. Vortag
Kursentwicklung 3 Monate (Graue Fläche = DAX)  
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OktiEdda
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IPQ 149
Aktien-Portfolios von OktiEdda haben sich im
Ø 3% p.a. besser entwickelt als der DAX.