Kommentar zur Aktie HP

Als interessant bewertet
40 Bewertungen ∙ 840 mal gelesen
Am 30.11.12
von Juli
zu HP

HP: Ein milliardenschwerer Konzern schwächelt?

Zum Unternehmen

Die Hewlett-Packard Company (kurz HP) ist eine der größten US-amerikanischen Technologiefirmen der Welt, die seit 1939 existiert und zudem die erste, die sich im für Technologiefirmen interessanten Silicon Valley angesiedelt hat und dort den Technologiehype ausgelöst hat. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung und Fertigung von Hardware-Technik wie Computer oder Drucker ausgelegt.

In den letzten Jahren lag der Umsatz des Konzerns HP an der Spitze aller US-amerikanischen IT-Unternehmen, selbst IBM lag darunter. Doch in den letzten Tagen verlor der Aktienwert von Hewlett-Packard an der Börse immer mehr Wert, so dass sogar der Tiefstwert seit knapp zehn Jahren geknackt wurde. Die Gründe für diesen bemerkenswerten Absturz möchte ich in diesem Kommentar auflisten und auswerten.

Verluste bei HP

Der Quartalsbericht des Quartals Q3/12 ist für Hewlett-Packard mit einem Verlust von 8,9 Milliarden Dollar alles andere als zufriedenstellend, auch wenn diese Summe zu großen Teilen auf die riesige Abschreibung auf die britische Firma Autonomy, die Unternehmenssoftware für z.B. die britische Polizei herstellt, vor ca. einer Woche zurückzuführen ist. Eine heftige Pleite selbst für den Mega-Konzern HP, da dadurch fast der gesamte Kaufpreis in Höhe von 10 Milliarden Dollar verpuffte. Während Bilanzmanipulationsvorwürfe der früheren Autonomy-Führung von dieser allerdings zurückgewiesen wurden, führt Gründer Mike Lynch die Differenzen zu Teilen auf unterschiedliche britische und amerikanische Buchhaltung zurück, worauf ich allerdings später in diesem Kommentar genauer eingehen möchte.
Zudem scheint die sinkende Nachfrage an Notebooks und Desktop-Computern wie vielen anderen Unternehmen auch HP stark zuzusetzen und auch das andere Standbein, die Drucker, verkaufen sich nicht mehr so gut wie früher. Außerdem gab es verhältnismäßig viele Beschwerden über Probleme bei Laptops oder Desktop-Computern von zahlreichen Nutzern, deren Garantie auf ihre Geräte erst vor Kurzem abgelaufen ist, gegenüber HP.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und so ließ Konzernchefin Meg Whitman den großen Umbau verordnen. Erst vergangenes Geschäftsjahr waren es 11.500 Stellen, die wegfielen, dieses Mal sollen es 29.000 sein. Auch Deutschland bekommt die Krise zu spüren, bis Ende Januar sollen 10.400 Mitarbeiter entlassen werden. Durch die Kürzung erhofft man sich 3,5 Milliarden Dollar der Personalkosten zu sparen. Dies scheint viel Geld zu sein, ist aber nicht mal die Hälfte von dem momentanen Verlust HPs.
Dazu kommt die bereits angedeutete Sache mit Autonomy:
Nachdem HP im Oktober 2011 für gut zehn Milliarden Dollar den Aufkauf des Software-Unternehmens Autonomy bezahlt hatte, hat diese Investition bisher nur Verluste für Hewlett-Packard gemacht. Dieser, von dem ehemaligen Chef Leo Apotheker eingefädelte Zukauf, entpuppte sich als Milliardengrab. „Zu spät seien HP 'die ernsthaften Unregelmäßigkeiten' in den Bilanzen Autonomys aufgefallen.“, erklärte Whitman in einer Telefonkonferenz am Dienstag. „Erst durch einen Hinweis eines ranghohen Managers der britischen Software-Tochter habe man das Verbrechen bemerkt.“, so die Konzernchefin. Mittlerweile sind auch die US-Börsenaufsicht SEC und die britische Ermittlungsbehörde SFO eingeschaltet, da davon ausgegangen wird, dass Autonomy-Führungskräfte bewusst die Bilanzen gefälscht haben, um ihren eigenen Verkaufspreis in die Höhe zu treiben. Ein Fall, der immer häufiger auch in Deutschland zu finden ist. Über fünf Milliarden Dollar entfielen auf die Unstimmigkeiten. HP wird nun vor Gericht gehen, um zurückzuholen, was möglich ist. Sehr zuversichtlich zeigt man sich allerdings nicht und mit einem Urteil rechnet man erst in frühestens fünf bis sechs Jahren.
Dies alles führt dazu, dass man davon ausgeht, erst im Jahr 2016 wieder so schnell wie die US-Wirtschaft zu wachsen. Whitman: „Es dauert länger, dieses Schiff auf Kurs zu bringen, als wir uns das alle wünschen.“

Auswirkungen auf den Chart
Wie unschwer zu erkennen ist, multiplizieren sich diese Faktoren zu einem für HP milliardenschweren Verlustprodukt.
Demzufolge nannte selbst das Unternehmen als Gewinn-Erwartung für 2013 pro Aktie eine Spanne zwischen 3,40 bis 3,60 Dollar. Schuld daran seien die auch im kommenden Jahr schwierigen Geschäftsbedingungen sowie die Auswirkungen des Autonomy-Deals, außerdem erwarte man, dass die Umsätze in der Sparte der Dienstleistungen sinken werden. Die Analysten zeigten sich, mit einem Schnitt von 4,16 Dollar, weitaus positiver, gehen trotzdem aber von einem starken Rückfall der Aktie aus (aktueller Kurs: 9,91 US $)


Fazit
Ich selbst sehe die Angelegenheit genau so wie das mit sehr niedrigen Erwartungen in das kommende Geschäftsjahr gehende Unternehmen Hewlett-Packard und schätze den Kurs in einem ähnlichen Bereich wie dieses ein. Demzufolge sollte die Aktie meiner Meinung nach in jedem Pro-Portfolio auf Grund der oben genannten Gründe für den wahrscheinlich eintretenden Verlust als Short-Investment anzufinden sein.

In diesem Sinne viel Glück und Spaß beim Investieren
euer Juli
Anmerkungen
Es sind noch keine Anmerkungen vorhanden.
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.