Kommentar zur Aktie Dialog Semic.

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Am 31.03.13
von Grafenstein
zu Dialog Semic.

Dialog Semiconductor – 25% in einem Monat – zeigt der Trend weiter nach unten?

1. Das Unternehmen

Dialog Semiconductor ist ein Hersteller für integrierte Signal-Schaltungen, der über keine eigene Fabrik verfügt. Das heißt, dass alle Produkte nur von dem Unternehmen entwickelt, dann jedoch bei einem Auftragsfertiger (wie beispielsweise Globalfoundries oder Samsung Semiconductor) hergestellt werden. Da eine Halbleiterfabrik mehrere hundert Millionen Euro kostet, ist dieses Geschäftsmodell weit verbreitet (siehe bspw. NVIDIA oder AMD).
Dialog Semiconductor ist vor allem auf die Geschäftsbereiche Multimedia und Hörfunk sowie Mobilfunk und Automobiltechnik spezialisiert.

2. Fundamentalanalyse

2.1 Bewertungskennzahlen

Börsenwert (Stand 31.03.13): 715 Millionen Euro
Eigenkapital: 276 Millionen Euro
Eigenkapital Quote: 52%

Gewinn-Marge: 7,5%
KGV: 17,8
KUV: 1,3
KBV: 2,6

Die Bewertungskennzahlen sind allesamt solide, aber nicht herausragend. Die Eigenkapitalquote erscheint mit 52% zwar sehr hoch, dies ist jedoch ein branchentypischer Wert (siehe http://www.informunity.de/stock_overview.p?ST=B&SIID=7&NS=0&VT=W&SC=C4&SID=414). Ebenso liegen auch die Bewertungskennzahlen nur im unteren Branchenmittelfeld (siehe http://www.informunity.de/stock_overview.p?ST=B&SIID=7&NS=0&VT=B&SC=C2&SID=414).

3. Chartanalyse

Wenn man den 1-Jahres-Chart betrachtet, kann man folgende Sachen feststellen:
1. Die Dialog Semiconductor Aktie neigt zu sehr hoher Volatilität, es sind viele sehr starke, aber vor allem sehr kurzfristige Kursschwankungen festzustellen.
2. Der Kurs neigt dazu, nicht einfach normale Trendlinien, sondern Trendkanäle zu bilden. Innerhalb von diesem Trendkanälen finden dann die starken Kursschwankungen statt.
3. Die Aktie befindet sich seit September in einem Abwärtstrend. Der Kurs hat den Trendkanal jedoch in der letzten Woche nach unten verlassen. Momentan liegt der Trendkanal zwischen 13,70€ und 11,50€, während der Kurs bei 10,45€ notiert.

Aus den Punkten 1 und 2 folgt, dass man nicht schon dann auf einen Trendwechsel wetten sollte, wenn der Kurs plötzlich stark entgegen dem langfristigen Trend steigt – die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Kurs wieder von dem oberen Ende des Trendkanals abprallt ist sehr hoch. Man sollte also erst dann entgegen dem Trend investieren, wenn der Kurs den Trendkanal sicher verlassen hat. Die Aktie neigt normalerweise dazu, den Trendkanal erst nach einer Bodenbildung und mit folgendem Trendwechsel zu verlassen. Von daher wetten viele Charttechniker auf ebendiese Einhaltung des Trendkanals und kaufen (bei einem Abwärtstrendkanal), wenn das untere Ende erreicht wird, um dann wieder Leerverkäufe zu tätigen, wenn das obere Ende in Sichtweite kommt. Sobald dies mehrere Charttechniker tun, wird dies zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung, da die Order den Kurs in die vorhergesagte Richtung treiben. Für diese Art der Kurswetten hat sich die Dialog Aktie bisher vorzüglich geeignet.
Umso überraschende ist es deshalb, dass der Kurs den Trendkanal nun verlassen hat. Dies geschah nämlich ohne vorherige Bodenbildung und mit dem Trend. Diese Entwicklung sollte man deshalb genauer betrachten.
Leider kann man über die Gründe nur mutmaßen. Erklärungen für den langfristigen Kursverfall gibt es zuhauf (Rentabilität sinkt im dritten Jahr im Folge, Abwärtstrend), für den kurzfristigen Absturz lassen sich aber weder fundamentale noch charttechnische Gründe finden: Neuigkeiten kamen zur Aktie in dieser Woche keine raus und wie oben beschrieben wäre aus charttechnischer Sicht wieder ein kurzer Anstieg des Kurses wahrscheinlich gewesen. Es gibt von daher nur folgende Erklärungen: Entweder, einer der Großaktionäre trennt sich von seinen Anteilen, oder aber mehrere Fonds streichen Dialog Semiconductor aus ihrem Portfolio. Der letzte Punkt kommt deshalb in Betracht, da nun das Quartal endet. Möglicherweise haben die Fondsmanager entschieden, dass sie nicht wollen, dass Dialog Semiconductor in ihrem nächsten Quartalsbericht auftaucht, und deshalb in der letzten Woche alle Positionen geschlossen.

Da die Gründe unklar sind, kann man auch nicht sagen, wie es weitergeht. Diese Frage wird aber bereits in den nächsten Handelstagen geklärt werden: Wenn der Kurs weiter fällt ist davon auszugehen, dass der Abwärtstrend fortgesetzt wird. Da die nächsten Widerstände erst bei 8,60€, 8€ und dann 5,95€ liegen, ist in diesem Fall damit zu rechnen, dass die Aktie noch einiges an Wert verliert. Wenn der Kurs jedoch stagniert, ist von einem Trendwechsel auszugehen. Dieser wird umso wahrscheinlicher, je länger der Kurs stagniert. Von daher rate ich in die Aktie einzusteigen, sobald der Kurs mindestens eine Woche zwischen 10,30€ und 10,70€ verharrt. Wenn der Kurs aber bereits nächste Woche ansteigt, rate ich jedem, erst einmal die Finger von der Aktie zu lassen und den Chart zu analysieren. Man sollte dann auf keinen Fall voreilig investieren, da es sehr wahrscheinlich ist, dass der Kurs dann weiter sinken wird. Es gibt nämlich folgende drei Szenarien: 1. Der Kurs steigt um den letzten – nach bisherigem Kenntnisstand ungerechfertigten - Kursverfall wieder wettzumachen. Wahrscheinlich erreicht er dann sogar den Trendkanal, verharrt dann jedoch in diesem und der Abwärtstrend setzt sich fort. 2. Der Kurs springt bis zum oberen Ende des Trendkanals. Da dieses jedoch sehr gefestigt ist, ist davon auszugehen, dass er es nicht durchbrechen kann und von diesem abprallt. Dies hätte zur Folge, dass der Kurs in gleichem Tempo wieder fällt – wenn man dann nicht rechtzeitig verkauft muss man mit hohen Verlusten rechnen. 3. Der Anstieg läutet tatsächlich einen Trendwechsel ein. Dies ist aber aufgrund von mehreren Gründen unwahrscheinlich: Die sicheren Widerstände bei ~ 11,20€, die die bisherigen Aufwärtstrends ausgelöst haben wurden bereits durchbrochen, der momentane Abwärtstrend ist also sehr stark. Und vor allem gab es dann keine Bodenbildung. Wie oben bereits erwähnt ist diese aber für einen langfristigen Trendwechsel bei Dialog Semiconductor elementar.

4. Fazit

Kurzfristige Investments:

Wer kurzfristig in Dialog Semiconductor investieren möchte, sollte sein Investment immer im Blick behalten und notfalls sofort die Reißleine ziehen und ein Stop Loss setzen um seine Verluste zu begrenzen. Zudem kann ich nur raten, immer dem kurzfristigen Trend folgend zu investieren. Dieser ist bei Dialog Semiconductor meist sehr stark ausgeprägt. Wenn man sich geschickt anstellt, kann man hier also einiges an Profit generieren – wenn man nicht aufpasst aber auch einiges an Kapital vernichten.
Momentan kann ich leider keine Informationen zum kurzfristigen Trend geben, da sich momentan keiner gebildet hat (für nähere Informationen siehe Punkt 3 Charttechnik, dort ist vieles noch einmal einzeln aufgeführt). Sobald sich näheres aus dem Chart herauskristallisiert werde ich dies natürlich in diesem Kommentar ergänzen.

Langfristige Investments

Langfristig ist Dialog Semiconductor meiner Meinung nach ein Top Pick. Das Unternehmen wirtschaftet solide, der Umsatz steigt weiter und trotz des nicht ganz sicheren Umfelds schreibt der Konzern weiter hohe Gewinne. Nächstes Jahr wird sogar mit einem Gewinnanstieg von über 35% gerechnet, dies spiegelt sich aber noch nicht im aktuellen Kurs wider. Einziges Manko: In den letzten drei Jahren ist die Gewinn-Marge stark gesunken, sie hat sich von 15% (2009) auf nun nur 7,5% halbiert. Mit einem weiteren Profitabilitätsverlust ist aber nicht zu rechnen, da das Unternehmen in den letzten Jahren zwecks Erschließung neuer Geschäftsfelder auch vermehrt in die Forschung investiert hat.
Ein weiterer Punkt, der für ein langfristiges Investment spricht ist, dass Gerüchten zufolge Apple an dem Unternehmen interessiert ist. Bei näherer Betrachtung erscheint dieses Gerücht auch nicht allzu unrealistisch, so gehen über 60% des Absatzes von Dialog Semiconductor an das Unternehmen aus Cupertino. Desweiteren verfügt Apple über hohe Barreserven und sucht kleinere Firmen, die man aufkaufen kann.
Langfristig spricht also alles für ein Investment, da alles gegeben ist: Der Absatz und der Gewinn werden aller Voraussicht nach stark steigen und eine mögliche Übernahme kann dem Kurs einiges an Auftrieb verleihen.
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