Kommentar vom 30.04.13
Investorcaasy
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Bittere Pille, süß verpackt: Was bringt der Deutschen Bank die Kapitalerhöhung?
Nachdem die Deutsche Bank AG am 29. April ihre durchaus positiven Quartalsergebnisse bekannt gab, kündigte sie am gleichen Abend eine milliardenschwere Kapitalerhöhung an. Normalerweise ist so etwas Gift für den Aktienkurs, doch dieser legte am Tag darauf fast acht Prozent zu.
Ich möchte im Folgenden kurz die Unternehmensstruktur vorstellen und die Gründe für die positiven Reaktionen der Anleger analysieren.


[1] Einleitung
[2] Ergebnisse im 1. Quartal 2013
[3] Maßnahmenpaket zur Stärkung der Kapitalstruktur
[4] Witschaftliches Umfeld
[5] Fazit
[6] Quellenangaben


[1] EINLEITUNG

Die Deutsche Bank AG ist das nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl größte Kreditinstitut Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main ist als Universalbank tätig und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur und Sydney. Es gilt mit einem Marktanteil von 21 Prozent als größter Devisenhändler der Welt. Besonderes Gewicht legt die Bank auf das Investmentbanking mit der Emission von Aktien, Anleihen und Zertifikaten. Im Bereich der Kapitalanlagegesellschaften hält sie mit ihrer Tochtergesellschaft DWS Investments einen Marktanteil von über 20 Prozent in Deutschland. Im deutschen Privatkundengeschäft liegt ihr Marktanteil einschließlich der Postbank bei rund 15 Prozent.
Die 1870 gegründete Bank entwickelte sich im 20. Jahrhundert unter anderem durch Übernahmen und Fusionen zur Großbank. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Bank an „Arisierungen“ beteiligt. Es gibt Nachweise, dass die Bank an der Finanzierung des KZ Auschwitz mitwirkte und an Goldtransaktionen des NS-Regimes verdiente.
Während der Finanzkrise ab 2007 konnte die Bank ohne direkte staatliche Unterstützung weiterbestehen. Aktuell sind 98.219 Mitarbeiter weltweit bei dem Geldinstitut angestellt.
Am 02. April 2013 wurde das "Bloomberg News Ranking der 40 grünsten Banken 2012 " veröffentlicht. Darin verbesserte sich die Deutsche Bank vom 15. auf den 7. Platz. Diese Bewertung beruht unter anderem darauf, dass die Deutsche Bank auch in einem schwierigen Marktumfeld ihre Marktführerschaft bei der Finanzierung von Projekten im Bereich Erneuerbare Energien weiter ausgebaut hat. 2012 finanzierte sie Transaktionen von knapp €2 Milliarden und beriet Unternehmen aus der Umwelttechnologie bei Transaktionen mit einem Volumen von €2,5 Milliarden.



[2] ERGEBNISSE IM 1. QUARTAL 2012


Der Gewinn vor Steuern betrug im ersten Quartal 2,4 Mrd €, was im Vergleich zum Wert im Vorjahresquartal von 1,9 Mrd € einem Plus von 527 Mio € oder 28% entpricht. Der Gewinn nach Steuern lag bei 1,7 Mrd €, nach 1,4 Mrd € im ersten Quartal 2012. Gegenüber dem 4. Quartal 2012 beträgt das Plus 4,2 Mrd €. Das Ergebnis je Aktie (verwässert) betrug 1,71 €, nach 1,45 € im Startquartal 2012. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern (basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity) lag im ersten Quartal 2013 bei 12%, verglichen mit 10% im ersten Quartal 2012.
Die Erträge des Konzerns erhöhten sich im ersten Quartal 2013 um 2% auf 9,4 Mrd € gegenüber 9,2 Mrd € im Vergleichsquartal des Vorjahres.
Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft belief sich im Berichtsquartal auf 354 Mio € gegenüber 314 Mio € im ersten Quartal 2012. Dieser Anstieg war vor allem auf die Zunahme der Risikovorsorge im Kreditgeschäft von GTB um 63 Mio € gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen.
Die Zinsunabhängigen Aufwendungen lagen im ersten Quartal 2013 mit 6,6 Mrd € um 370 Mio € (5%) unter dem Wert des Vorjahresquartals. Der Personalaufwand betrug 3,5 Mrd €, was einem Rückgang von 99 Mio € (3%) gegenüber dem ersten Quartal 2012 entspricht. Der Sachaufwand und der sonstige Aufwand gingen gegenüber dem Vorjahresquartal um 368 Mio € (12%) auf 2,8 Mrd € zurück. Diese Entwicklung reflektiert ein konsequentes Kostenmanagement im Konzern.



[3] MAßNAHMENPAKET ZUR STÄRKUNG DER KAPITALSTRUKTUR


Kurze Erklärung bzgl. der Kernkapitalquote: Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Am Abend des 29. April gab die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung bekannt. Sozusagen über Nacht platzierte die Bank insgesamt 90 Millionen Aktien bei Investoren. Der Preis lag bei 32,90 Euro, etwas höher als erwartet. Damit fließen dem Institut 2,96 Milliarden Euro zu. Angepeilt waren 2,8 Milliarden Euro. Zwar sind die Experten überrascht über den Zeitpunkt. Aber die Meinung ist fast einhellig positiv. Endlich habe sich die Bank ihres größten Problems entledigt, heißt es. Die harte Kernkapitalquote nach den neuen, strengeren Anforderungen der Regulierer (Basel III) kann damit schneller als geplant von 8,8 Prozent per Ende März auf rund 9,5 Prozent erhöht werden, womit die Deutsche Bank weltweit unter die Besten aufsteigt (Platz 5). Das gebe der Bank Spielraum, künftig auch wieder verstärkt Marktanteile zu gewinnen, sagte Finanzchef Stefan Krause. Von 15 Analysten, die seit gestern eine Einschätzung abgegeben haben, empfehlen neun den Kauf der Aktie, fünf sind neutral eingestellt, einer rät zum Verkauf.




[4] WIRTSCHAFTLICHES UMFELD


Die Finanzmärkte in Europa waren im ersten Quartal 2013 von einer fragilen Stabilität geprägt. Für Unsicherheit sorgte zwischenzeitlich der Umgang mit der Banken- und Staatsschuldenkrise in Zypern durch die dortige Regierung und die europäischen Partner. Trotz der erstmaligen Beteiligung der Einleger an Verlusten der Banken, die langfristig – aus Sicht der Investoren – ähnlich schwerwiegende Konsequenzen für diese wichtige Anlageklasse haben könnte wie der Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr, blieben größere Verwerfungen jedoch bisher aus. Gleichzeitig verlief die Refinanzierung der Banken am Kapitalmarkt sehr langsam; das Emissionsvolumen vor- wie nachrangiger Bankanleihen lag weit unter dem Niveau der Vorjahre, möglicherweise aufgrund reduzierten Finanzierungsbedarfs.
Im globalen Investmentbanking verlief der Jahresauftakt solide mit einem leichten Anstieg der Erträge gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Eigenkapitalemissionen belebte sich das Geschäft ebenso wie bei Konsortialkrediten, während Fremdkapitalemissionen ihr Niveau hielten und nur die Einnahmen aus Fusionen und Übernahmen zurückblieben (bei allerdings gestiegenem Transaktionsvolumen). Einmal mehr legte das Geschäft in den USA deutlich zu, während in Europa Abschläge zu verzeichnen waren. Im Wertpapierhandel gab es insgesamt einen leichten Rückgang.
Die Vermögensverwaltung profitierte von der günstigen Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten, bei der wichtige Börsenindizes neue Allzeit-Höchststände erreichten oder ihnen sehr nahe kamen.
Im Kreditgeschäft in Europa setzte sich im ersten Quartal der Trend der letzten Monate fort – die Kreditvergabe an Unternehmen entwickelte sich weiter negativ, an Privathaushalten stagnierte sie. Die Entschuldung des Privatsektors machte damit Fortschritte: Während der Verschuldungsgrad rückläufig war, stiegen die Spareinlagen. In den USA wiederum dürfte das moderate Wachstum der Kredite an Privatpersonen und Unternehmen angehalten haben. Die Erholung im Hypothekengeschäft ging dabei mit stärkeren Verbriefungsaktivitäten und nicht mit einem höheren Kreditvolumen in den Bankbilanzen einher.



[5] FAZIT


Die Quartalsergebnisse machen Lust auf mehr: Bei der Deutschen Bank scheint es bergauf zu gehen, denn die Zahlen im ersten Quartal waren stärker ausgefallen als erwartet. Der Nettogewinn lag bei 1,7 Milliarden Euro - 20 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die Bereitschaft der Investoren, eine bittere Pille zu schlucken, dürfte das ungemein erhöht haben. Auch die Kapitalerhöhung hat eine durchaus positive Wirkung gezeigt: Die Bank geht endlich ihr Kapitalproblem an und der Verwässerungseffekt wird durch den positiven Einfluss auf die Kapitalkosten mehr als wett gemacht. Das neue Vorstandsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen kann mit ersten Erfolgen des Sparprogramms und Fortschritten beim Risikoabbau punkten und somit entspannt auf das nächste Quartal blicken.



[6] QUELLENANGABEN


- http://bit.ly/18kkG79
- http://bit.ly/16iugL2
- http://bit.ly/11TemCP
- http://bit.ly/18kkSU5
- http://bit.ly/nJXBu
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