Kommentar vom 04.09.13
InvestorOktiEdda
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Bald cash ohne Ende
Seltsam unaufgeregt geht eine der größten Deals überhaupt so nebenbei über die Bühne: vodafon verkauft seinen Anteil an verizon wireless für 130 Milliarden US $! Und der Aktienkurs bewegt sich wenig. Gut 10% geht es nach oben, das meiste an Gewinn ist inzwischen schon wieder abgeschmolzen. Wie anders war vergleichsweise die Reaktion für Microsofts Ankauf der Nokia-Handysparte, obwohl es sich hier nur um schlappe 5,4Mrd handelte.
Ansonsten ist die Situation zumindest in Teilen vergleichbar: Beide verkaufenden Unternehmen trennten sich von einem Kernbereich ihres Geschäfts. Auch wenn bei Nokia dieser rote zahlen schrieb, so war es doch der mit der Phantasie für die Zukunft. Und bei vodafon gab man gar eine cashcow aus der Hand, wie sie das Unternehmen kein zweites Mal vorzuweisen hat.
Das hat man sich ganz ordentlich bezahlen lassen: rund 100.000.000.000€. Nun fragt man sich als (potentieller) Aktionär natürlich
- war das ein gutes Geschäft?
- ist der Deal schon in trockenen Tüchern?
- wie steht vodafon nun ohne diesen Bereich da?
- was kann man mit dem vielen Bargeld anfangen?
- wird tatsächlich die Hälfte gleich an die Aktionäre ausgeschüttet?

Nun beide Vorstände haben dem Deal zugestimmt, jetzt müssen das noch die Aktionäre und die Aufsichtsbehörden tut. Was man so hört, sind hier aber keine Einsprüche zu erwarten.
Beim Deal soll wirklich eine Menge Bares fließen und nicht nur Akienbeteiligungen, wie so oft bei großen Übernahmen. Rund 60 Mrd. soll die Bezahlung in Aktien (Anteile an verizon) ausmachen, der Rest ist Cash, mit dem man Schulden zurück zahlen kann (von denen es auch genug gibt) oder neue Beteiligungen in Europa erwerben (die Deutsche Telekom zittert schon). Durch den Beteiligungsanteil wird vodafon auch in Zukunft von denn Gewinnen der jetzigen Tochter profitieren, bis man sich davon trennt.
Vodafon hat ja Erfahrungen mit großen Deals: 1999 zog man die größte Übernahme durch, die die Aktienwelt bis heute je gesehen hatte und kaufte für über 170 Mrd. $ die zur Mobilfunkgesellschaft gewandelte Mannesmann. Ob sich dieser Deal jemals rentiert hat, darf ruhig bezweifelt werden, aber immerhin muss man dank Abschreibungen für Jahrzehnte keine Steuern bezahlen...
zurück zum Thema. Meiner Meinung nach ist diesmal für vodafon ein fairer Deal abgelaufen. Schon lange gibt es Streit mit verizon um die gemeinsame Tochter, den hat man jetzt beigelegt. Der Preis war durchaus in Ordnung, auch wenn es kein so gigantisches Aufgeld gab wie damals bei Mannesmann. Schließlich waren Profis an der Preisbildung beteiligt (allein die USB kassiert für den Deal über 100Mio, wenn man aber an den ENBW-Deal von Mappus denkt, lohnt es sich durchaus, unabhängige Profis bei der Wertermittlung einzusetzen...).
Das erklärt auch, warum die Aktienkurs nicht explodiert - eine wertvolle Peteiligung zu einem angemessenen Preis zu verkaufen, bringt in der Summe ja keinen Gewinn. Im Gegenteil, die Konzerngewinne werden einbrechen, bis man das Geld wieder gewinnbringend unterbringen konnte (Tagesgeld wird auch für Unternehmen schlecht verzinst, aber immerhin können durch Tilgung von Schulden beachtliche Zinskosten eingespart werden und wie gesagt, mit dem Aktienanteil ist man ja weiterhin dabei).
Theoretisch könnte man mit dem Cashanteil gerade mal so eben die Schulden von über 70 Mrd Pfund bezahlen, aber das wird man natürlich nicht (sind ja zum Teil auch lange laufende Kreditverträge oder Anleihen).

Was bleibt vom Unternehmen übrig? Im wesentlichen das Europageschäft, wo Vodafon zumindest in der Mitte und im Westen fast flächendeckend einer der großen Anbieter ist. Sicherlich wird die Übernahme von Kabel Deutschland nun wahrscheinlicher, und auch auf Liberty Global hat man ja ein Auge geworfen. Ohne Zukäufe könnte ja Vodafon selbst bald zum Übernahmeopfer werden - bei einem Börsenwert von "nur" gut 100 Mrd € und einem fast genauso großen Verkaufserlös... bevor jetzt einige auf dumme Gedanken kommen: natürlich muss man noch die Schulden gegenrechnen. Man bekommt also nicht das Europageschäft geschenkt.

Ob man nun wirklich einen großen teil des erzielten Erlöses an die Aktionäre ausschüttet, wage ich zu bezweifeln. Es spielt letztlich auch keine große Rolle, es sei denn unter steuerlichen Gesichtspunkten. Letztendlich wird auch das davon abhängen, ob man lukrative Beteiligungen findet.

Fazit:
Spannende Zeiten. Insgeesamt werte ich den Deal als sehr viel positiver als den von Nokia, umso mehr, da es zu keinen rasanten Kurssteigerungen kam. Wie sich das langfristig auswirkt, kann noch nicht beurteilt werden, dazu muss erst einmal die weitere Strategie, was für Beteiligungskäufe anstehen, bekannt werden.
Der Kurs scheint mir aber durch den Deal sehr gut nach unten abgesichert und ich gehe mittelfristig von Kursen über 2,50€-3€ aus. Ich werde anfangen, mir einen kleiner Posten an Aktien an schwächeren tagen zusammenzukaufen. Dabei sind Kurse unter 2,25€ klare Kaufkurse, auch 2,35€ sind noch interessant.
Ich sehe geringes Risiko und ganz gute Chancen. Weniger als kurzfristige Tradingchace denn als langfristige wertsolide Anlage, nicht zuletzt mit einer ordentliche Dividendenrendite ín den letzten Jahren. Auch wenn diese bsilang mindestens zur Hälfte aus dem Nordamerikageschäft bezahlt wurde.


Als Risiko bleibt das in der letzten Zeit gewinnschwache Europageschäft und die Frage, ob überhaupt lukrative Beteiligungen zu einem fairen preis verfügbar sind. Auch verizon selbst ist übrigens einen Blick wert.




Quellen:
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2013-09/27910145-verizon-aktie-besseres-investment-als-vodafone-kaufen-358.htm
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/mobilfunkmarkt-vodafone-will-sich-von-verizon-anteil-trennen-a-919810.html
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OktiEdda
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Aktien-Portfolios von OktiEdda haben sich im
Ø 3% p.a. besser entwickelt als der DAX.