Kommentar vom 07.02.14
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Fundamentaldaten versus Chancen
Folgende Punkte sollen analysiert werden:


1. Facebook seit dem Börsengang.
2. Facebook fundamental betrachtet.
3. Aktuelle Entwicklungen.
4. Fazit.


1. Facebook seit dem Börsengang

Ich habe mich auf dieser Plattform schon mit mehreren Analysen zu Facebook gemeldet und war damals sehr skeptisch. Der Kurs des Börsenganges 2012 schien mir deutlich überzogen und ich habe mich stark negativ zu Facebook geäußert zu diesem Zeitpunkt. Tatsächlich bin ich damals bei Informunity 2012 mit meinen Portfolios “Akt Trading mit SL“ und “Aktives Trading“ in Facebook massiv short gegangen und habe beim ersten 2.850 € Gewinn und beim letzten 158 € Gewinn mit Facebookshortpositionen gemacht. Die Skepsis gegenüber dem Hype beim Börsengang zahlte sich somit aus.

Damals wie heute waren die Fundamentalkennzahlen des Konzernes, insbesondere das KGV überzogen. Allerdings muss man anerkennen, wie sehr Facebook gewachsen ist und auch wie sehr sie es geschafft haben ihre Angebote zu kommerzialisieren, was sich in langfristig steigenden Gewinnzahlen niederschlägt (2012 war die große Ausnahme). Ich möchte in dieser Analyse die beiden Sichtweisen Fundamentalanalyse und chancenorientierte Sicht für Stockpicker im Technologiebereich bewusst gegenüberstellen.


2. Facebook fundamental betrachtet.

KGV
Das Kursgewinnverhältnis von Facebook beträgt aktuell 99,6 (1). Dieses KGV ist exorbitant hoch und wäre laut Buffets Modell ein klares Signal nicht zu kaufen, da es nur einer Gewinnverzinsung von 1,0 % entspricht.

Gewinnentwicklung

2009: 122 Millionen €
2010: 372 Millionen €
2011: 590 Millionen €
2012: 32 Millionen €
2013: 1500 Millionen €

Die Gewinnentwicklung entspricht, wenn man das Jahr 2012 ausklammert, einer ansteigenden Exponentialfunktion (1). Die Tendenz der Gewinne ist sehr positiv, die Gewinne wachsen sogar sich beschleunigend an.

Dividende
Da es noch keine Dividende gibt liegt die Dividendenrendite bei 0 %

Aus einer konsequent fundamentalen Sichtweise darf man Facebook nicht kaufen, da die Gewinnverzinsung von 1 % für eine Aktie viel zu gering für diese nicht risikolose Anlageklasse ist. Buffet erwähnt stets, dass der Zinseszinseffekt auf das eingesetzte Kapital entscheidend ist, diese Effekt ist bei Facebook nur in sehr geringem Ausmaße gegeben, wegen des im Verhältnis zum Gewinn schon sehr hohen Kurses der Aktie.

Das Wachstum der Gewinne stellt diese Sichtweise allerdings in Frage. Wenn Facebook seine Gewinne jedes Jahr vervielfacht, schmilzt ein bestimmtes KGV eben auch durch Halbierung/Drittelung/Viertelung rasant zusammen über die Jahre.

Aus der Sicht der fundamentalen Analyse nach Buffet darf man trotzdem nicht kaufen wegen des hohen KGV.


3. Aktuelle Entwicklungen.

Marktposition und mögliches Wachstum

Facebook hat derzeit 1,23 Milliarden aktive Nutzer (Stand Dezember 2013) (2). Es wurde nun zwar schon geunkt Facebook stünde vor seinem baldigen Ende weil die Anzahl der Suchanfragen nach Facebook bei Google sinkt (3). Dem steht entgegen, dass nur 81 % der Facebookuser aus anderen Ländern als den USA und Kanada kommen, während diese anderen Länder 95 % der Weltbevölkerung ausmachen, die USA und Kanada aber nur 5 % der Weltbevölkerung(4),(5),(6), jedoch 19 % der Facebooknutzer.
Dies bedeutet logischerweise, dass bei Facebook immer noch die US-Amerikaner überrepräsentiert sind bemessen an ihrem Anteil an der Weltbevölkerung. Selbst wenn man hierbei noch bedenkt, dass eher reiche Menschen Computer und Internet haben als arme Menschen und somit auch bei den Facebookusern überräpresentiert sind kann dies nicht gänzlich erklären warum die bemessen am Weltbevölkerunsganteil nur 5 % ausmachenden USA + Kanada 19 % der Facebookuser ausmachen.
Als Erwartung resultiert aus diesem Sachverhalt, dass eben der Rest der Welt noch nicht die Durchdringung von Facebook erlebt hat wie die USA und Kanada und hier noch Wachstum zu erreichen ist.

Facebook wuchs zuletzt von 1,19 Mrd. Usern Ende September 2013 (3) auf 1,23 Mrd User Ende Dezember 2013 (2). Dies bedeutet ein Wachstum von 13 Millionen Usern im Monat, also 1,12 % im Monat. Aufs jahr gerechnet kommt man dann auf ein Userwachstum von 13,44 % wenn die Tendenz so bleibt.

Dies sieht nicht gerade wie ein Schrumpfen aus sondern ist durchaus dynamisch, wenn auch eine gewisse Sättigung zu erkennen ist, gegenüber dem rasanten Wachstum Anfang der 2000er Jahre. Selbst wenn aber Facebook in 5-6 Jahren stagnieren sollte, so ist die Markposition derzeit sehr stark.

Die Meisterung des mobilen Users

Eine große Herausforderung für Facebook war, dass sehr viele User die Seite von mobilen Geräten aus nutzen. Dadurch drohte, dass die Werbung nicht mehr so gut möglich wäre wie bisher. Allerdings hat Facebook dies Problem mittlerweile gelöst und macht nach der Ausrufung eine “mobile Firma“ zu sein mittlerweile mehr als die Hälfte des Umsatzes mit mobilen Endgeräten (7).


4. Fazit

Facebook ist ein hochinteressanter Konzern mit einer sehr hohen Marktdurchdringung. Wahrscheinlich wird sich das Wachstum tatsächlich immer mehr verlangsamen, weil man bald alle User hat die Facebook wollen und es nicht mehr so viele neue Märkte für Facebook gibt. Auch könnten die Userzahlen in den nächsten 10 Jahren irgendwann ihren Zenit erreichen und wieder abfallen.
Die große Stärke von Facebook ist dagegen, dass sie es schaffen Geld aus den Usern zu machen. Das Wachstum der Gewinne von 2009 bis 2013 ist sehr erfreulich. Das KGV von 99,6 ist laut Fundamentalanalyse natürlich viel zu hoch zum Kauf. Da Facebook die nächsten Jahre Netto noch deutlich weiterwachsen dürfte und vor allem die vorhandenen User mit immer neuen Angeboten noch gewinnträchtiger macht, kann man davon ausgehen, dass die Gewinne dynamisch wachsen werden wie schon in den letzten Jahren. Der Clou aus Investorensicht ist eben nicht mehr das Userwachstum alleine, was sich wohl tatsächlich abschwächen wird, sondern die kommerzielle Nutzung der schon vorhandenen User.
Ich erwarte, dass Facebook die nächsten Jahre durch moderates Userwachstum und zunehmende Kommerzialisierung dies KGV wenn man jetzt kauft eben auf 20-30 in Bezug zum Kaufzeitpunkt verringern kann.
Dies bedeutet Facebook ist eben kein Newcomer mehr, weshalb man keine Wachstumswunder erwarten darf, aber durchaus eine dynamische Firma. Da aktuell aber das KGV sehr hoch, ist der Kauf von Facebook eine Wette, ob sie es schaffen ihre Gewinne zu vervielfachen, bevor der Userschwund einsetzt.

Man kann sich wegen der wachsenden Gewinne Facebook also durchaus als Beimischung in ein konservatives Depot legen, muss aber genau die Userzahlen im Auge behalten um zu sehen wann die Firma ihren Zenit überschreitet.

Daher meine Empfehlung hier: Halten.


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Quellen:

(1) http://www.informunity.de/sd/STID-450/Aktie-Facebook.htm

(2) http://newsroom.fb.com/Key-Facts/

(3) http://www.golem.de/news/der-anfang-vom-ende-facebook-wird-laut-studie-bis-2017-zur-geisterstadt-1401-104124.html

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Staaten

(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Kanada

(7) http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/soziales-netzwerk-wird-10-nicht-cool-aber-ziemlich-profitabel/9424816-2.html


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