Kommentar vom 16.11.14
InvestorChris93
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Eine Einschätzung der SGL Carbon Aktie und ein konjunktureller Ausblick
Eine Einschätzung der SGL Carbon Aktie und ein konjunktureller Ausblick 15.11.2014
Inhalt:
1. Kursrutsch der letzten 3 Monate
2. Kerngeschäft + kurz Porträt
3.1. Globale Konjunkturaussicht
3.2. Einordnung von SGL

1. Kursrutsch der letzten 3 Monate
Die Aktie der SGL Carbon AG hatte in den letzten Monaten einen dramatischen Kurssturz erlitten und datierte in den letzten Wochen auf einem Tief, dass mit dem Tief infolge der Finanzkrise zu vergleichen ist. Ein Punkt zum Einstieg also?
Aus charttechnischer Perspektive nicht, da eine starke Widerstandszone bei 13,00€ durchbrochen wurde. Der Kursrutsch wird dem Verfall des Graphitelektrodenpreises sowie mittelfristig trüber Perspektive des Konzerns geschuldet. Den Abwärtstrend bestärkte dazu noch die (erfolgreiche) Kapitalerhöhung. Grundsätzlich wäre diese als positiv zu bewerten. Allerdings wird das dem Unternehmen zugeführte Kapital zum Schuldenabbau verwendet, anstatt dass es in die Entwicklung neuer Innovationen investiert wird. (Was den zukünftigen Ausblick des Unternehmens erhellen würde.) Nicht zu vergessen ist die Streichung aus dem MDAX, in welchem SGL bis Mitte September gelistet war. Historisch betrachtet tendieren aus dem Index gestrichene Aktien dazu eine recht schwache Kursentwicklung zur Folge zu haben

2. Kerngeschäft und ein Kurzporträt von SGL Carbon
„Die SGL Carbon Group ist ein deutsches Unternehmen, das als einer der weltweit größten Hersteller von Carbon, Graphit und Verbundmaterialien für Anwendungen in unterschiedlichen Industriezweigen gilt. Die Carbon- und Graphitprodukte werden in der Aluminium- und Automobilindustrie, in chemischen Betrieben, der Solartechnik und Stahlindustrie und der Luft- und Raumfahrt benötigt. Das Unternehmen unterhält ein umfangreiches Vertriebsnetz in Europa, Nordamerika und Asien und bietet neben seinen Produkten zahlreiche Serviceleistungen an. Die vom Konzern hergestellten Carbon-Produkte werden bei der Herstellung von Solarzellen, in Windkraftanlagen, Flugzeugen oder Automobilen eingesetzt. Zu den Produkten der SGL gehört unter anderem die Graphitfolie SIGRAFLEX, die aus Graphitflocken hergestellt und besonders in der Dichtungstechnik verwendet wird, oder der Baustoff ECOPHIT, der beim Bau von verglasten Hochhäusern in Flächentemperiersystemen gebraucht wird. 2013 ging das Unternehmen ein Joint Venture mit Samsung ein, wodurch der Einsatz von Carbonfasermaterialien in schnell wachsenden Märkten wie dem für digitale Medien gefördert werden sollte.“
(Aus Finanzen.net/aktien/Sgl_Carbon_Aktie 15.11.2014)
Dies ist die Definition aus Onlineportalen. Das Unternehmen hat 3 Hauptgeschäftsfelder definiert, die „Performance Products“(PP), die „Graphit Specialities“(GS) sowie die „Carbon Fibers and Materials“(CFM).
Die PP umfassen hauptsächlich Graphitelektroden und waren in den letzten Geschäftsjahren das Kerngeschäft (mit mehr als 50% des Gesamtumsatzerlöses von 2013). Bereits 2013 waren die Umsatzzahlen rückläufig und 2014 wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet, da das globale Angebot die Nachfrage bei weitem übersteigt. Schließungen eines kanadischen Werkes und eines italienischen Werkes von SGL Carbon sind die Antwort auf diese Problematik, welche durch chinesische Anbieter induziert wird . Anders ausgedrückt, chinesische Graphitproduzenten produzieren günstiger und gewinnen Marktanteile am Weltmarkt. SGL Carbon ist der Verlierer und auf Schrumpfkurs in diesem Segment.
Die GS-Sparte liefert Feingraphitprodukte für die Chemie, die Automobilindustrie, sowie für Halbleiterproduzenten und stellte mit knapp 28% des Umsatzerlöses 2013 das zweitwichtigste Geschäftsfeld dar. Jedoch waren hier von 2012 zu 2013 negative Veränderungen des Umsatzes, sowie ein nahezu halbierter Gewinn zu verzeichnen. Auch wenn sich die Umsätze aufgrund von verschiedenen Großaufträgen im Q2 2014 verbesserten, sieht die generelle Lage düster aus. Überkapazitäten und starke Wettbewerber aus Japan machen SGL in diesem Segment stark zu schaffen und sorgen langfristig für stagnierende (evtl. rückläufige) Weltmarktpreise.
CFM(Carbon Fibers and Materials). Dieses Segment könnte die mittelfristige Zukunft für SGL sein und wirkt wie ein Hoffnungsschimmer für zukünftige Höhenflüge von SGL Carbon. Karbonfaserprodukte werden hier an die Luft und Raumfahrtindustrie, Herstellern von Windkraftanlagen, sowie die Automobilindustrie vertrieben. Diese Branche begründet auch die Beteiligungen von VW und BMW an SGL. Das sehr leichte und doch robuste Karbon soll mittelfristig Automobile prägen und zur Gewichtsreduktion bei Fahrzeugen beitragen. In diesem Segment sind auch die Umsatzzahlen gestiegen und diese machten 2013 21% des Gesamtumsatzerlöses aus (Tendenz steigend). Problematisch ist jedoch, dass die Produktion nicht ausgelastet ist und ein negatives EBITDA zu Buche steht. Weiterhin ist unklar, ob Karbonfasern welche rund 20 Mal teurer sind als herkömmliche Ressourcen die zum Bau von Autos verwendet werden, aus Kostengründen taugen.
Der Q3-Bericht 2014 hat der Aktie bisher rund 2,5 € Auftrieb gegeben (vom 52 Wochen Tief gesehen)(bis ca. 14,5€), da der Konzern erfolgreich seine Sparprogramme umgesetzt hat. Ein geringerer ausgewiesener Verlust (21 Mil. €), der erfolgreiche Verkauf von 2 Produktionsstätten (in Italien und Kanada) und das unterstützende Agieren von BMW (Zusammenlegung von CFM Geschäftsbereich) sorgten dafür. Wie es scheint wurden die richtigen Entscheidungen von Seiten des Managements getroffen um SGL aus der Krise zu führen. Die Aktie hat nun einen Boden gebildet befindet sich in einem kurzfristigen Aufwärtstrend. Allerdings scheint eine SGL Carbon Aktie, wie auch jede andere Aktie abhängig von der Performance der Indizes zu sein. Das heißt SGL Carbon ist abhängig von der Entwicklung der Dax-Werte, welche wiederum von amerikanischen Indizes (DOW-Jones) abhängig ist. Wie werden diese sich also entwickeln?

3.1. Globaler Konjunktureller Ausblick
10050 Punkte hieß das Allzeithoch des Dax. Aktuell datiert er wesentlich tiefer und die konjunkturelle Aussicht hat sich negativ gefärbt. Nach der bullischen Phase der internationalen Aktienindizes könnte nach 7 Jahren Schluss sein. Jeder kennt den mehr oder weniger typischen Konjunkturverlauf. Der Aufschwung überwindet die Rezession, bringt die Wirtschaft in die Phase des Booms und schließlich endet der Zyklus da wo er angefangen hat: in der Rezession. Da es seit 2007 keinen erheblichen Crash gegeben hat und weltweit die Indizes erheblich gestiegen sind, besteht die Möglichkeit, dass es zu einer gravierenden Kurskorrektur kommen könnte. Betrachtet man die KBV der im Dow Jones befindlichen Werte, zeigt sich eine erhebliche Übertreibung der aktuellen Aktienkurse (bei nahezu allen Werten) . Dies bedeutet, dass die Auftragslage der Unternehmen nicht durch den Wert des Kurses ausgedrückt wird. Oder auch: Die Kurse sind aufgebläht, die Bücher (welche zukünftige Rendite generieren) sind relativ leer. Da außerdem der Dow Jones in einer temporären sehr guten Verfassung ist (Allzeithoch) und die Stimmung in den USA bestens erscheint, muss jeder Anleger Vorsicht walten lassen. Es ist eine Euphorie entstanden, welche lediglich durch ausgewiesene Gewinnmitteilungen und die expansive Geldpolitik sämtlicher Notenbanken begründet ist. Beispielsweise sind laut der Sentimenterhebung der American Association of Individual Investors, der bärische (auf fallende Kurse setzende) Anteil der amerikanischen Privatanlegern bei minimalen 15% aller Anleger, was den niedrigsten Stand seit 2005 bezeichnet. Dass sich der Goldpreis nahe einem 5 Jahres-Tief bewegt, zeigt folglich, dass es zu erhöhten Kapitalströmungen in die Aktienmärkte gekommen ist. Expertenmeinungen begründen dies mit zu geringen Renditeerwartungen , sodass Gold relativ geringe Wertentwicklungen im Vergleich mit (bestimmten) Aktien zu erwarten hat. Zusammengefasst sorgen also ein verstärktes Interesse der amerikanischen Privatanleger, eine schwache Goldpreisnachfrage, sowie bedeutende Geldmengenerhöhungen durch die Zentralbanken für steigende Aktienmärkte - bis jetzt jedenfalls.
Es gibt allerdings aktuell einige Indikatoren die gegen eine Hausse sprechen und die künftigen Erwartungen trüben. Beispielsweise ist hier die derzeitige sehr schwache Inflation der BRD zu nennen. Ein Grund für diese ist das Einbrechen der Auslandsaufträge deutscher Unternehmen (im Spätsommer) gewesen . Da die Unternehmen ihre Produkte nicht im Ausland absetzen konnten, wurde versucht, sie im Inland abzusetzen was zu sinkenden Preisen führte (aufgrund eines größeren Angebots). Selbst wenn das Sommerloch nun überwunden ist, ist festzustellen dass diese „Deflations-Gefahr“ bestehen bleibt . Des Weiteren ist ein gehemmter Investitionswille bei Unternehmen ist festzustellen, welcher die Absatzproblematik weiter beflügeln könnte. Ein Preiskampf, wie er sowieso schon in vielen Bereichen (besonders hinsichtlich des Rohstoffangebots) besteht, könnte sich also verschärfen und damit Umsätze und Renditeerwartungen verringern. Dies ist auch, bei dem Euro Stoxx 50 sehr gut zu beobachten. Bei fast allen Unternehmen (Sanofi, Deutsche Bank, Phillips, OMV und viele weitere) sind Umsatzrückgänge (im Vergleich zum Vorjahr) zu betrachten . Da viele Blue Chips auf Skalenerträge abzielen, sind somit Umsätze in Korrelation zu Gewinnen zu betrachten. Folglich sind die zukünftigen Entwicklungen von Unternehmensgewinnen fraglich. Es scheint mir als ob es an der Zeit wäre, dass ein schöpferischer Verdrängungsprozess á la Finanzkrise wieder einsetzen könnte. Einige Unternehmen machen horrende Gewinne (Nike, Google, Apple und andere) andere hingegen werden gnadenlos abgestraft (SMA Solar, SGL Carbon, Adidas, Arcelor Mittal und andere). Aufgrund immer engeren globalen Verknüpfungen und einer allgemeinen Verstärkung der deregulierten Marktwirtschaft, kann nicht von einem künftig geringeren Preiskampf ausgegangen werden.
Darüber hinaus sorgt die derzeitige „beggar-my-neighbour“-Geldpolitik der Zentralbanken für erhöhte Liquidität und Verschuldungsblasen. Mancher mag argumentieren, dass Staaten anderen Regeln der Verschuldung unterworfen sind als Unternehmen oder private Haushalte. Letztendlich trifft jeden Staat allerdings eine hohe Verschuldung (mit zeitlicher Verzögerung) genauso hart. Das Beispiel Griechenland hat dies gezeigt ! Fatal ist hierbei das Zinssystem, welches exponentielles Wachstum generieren und Schuldenberge in das unermessliche und unkontrollierbare wachsen lassen kann. Um diese Berge dann wieder unter Kontrolle zu bringen, sind besondere politische Maßnahmen und Entscheidungen notwendig. Doch was ist, wenn Unternehmen aufgrund von politischen Entscheidungen nun ihre Umsatzerwartungen zurückschrauben müssen? Ein großes Fragezeichen ist hier beispielsweise der Ausgang der Russland Krise : Was wäre wenn es zu einem Handelsboykott kommen würde? Unternehmen könnten Umsätze nicht generieren und Rohstoffkosten würden aufgrund eines geringeren Angebots steigen. Die Finanzierung der Unternehmen würde bei diesen Gegebenheiten problematisch werden, da in der Regel nicht die Kosten auf den Endkonsumenten abgewälzt werden können (wg. globalem Preiskampf) und die Verschuldungsproblematik auch bei Unternehmen vorliegt (Siehe SGL Carbon). Einige Unternehmen würden also entweder übernommen werden oder schlussendlich Bankrott anmelden. Multiplikator-Effekte auf die ganze Wirtschaft sind hierbei zu beachten. Sofern das Misstrauen der Bevölkerung erst einmal da ist, helfen selbst keine Konjunkturpakete (kurzfristig) mehr. Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale, wo Kurse einbrechen würden.

3.2. Folgerung und Einordnung von SGL Carbon
Die Frage, ob dieses Szenario eintritt, erübrigt sich. Interessanter ist, wann es eintritt. Eine große Hausse kann selbst jetzt möglich sein, insofern die Faktoren Geldmenge und Vertrauen in die Wirtschaft, sowie entsprechende künftige Renditeerwartungen von Unternehmen begründet sind. Das Scheitern dieser Hausse erscheint mir jedoch wahrscheinlicher aufgrund der oben genannten Gründe.
Für SGL Carbon sehe ich folglich ein Kursziel von ca. 10 Euro, sofern der Dax bis auf 8500 Punkte fällt. Sollte es zu einem drastischeren Index-Crash kommen, sind auch einstellige Kursziele von SGL Carbon möglich.
Das Pulverfass ist voll, es bedarf nur noch den Funken der es zündet. Selbst wenn es gerade im Regen steht, wird es allerdings zünden, da die Dürre irgendwann wieder kommt und der Funke auch.

Anmerkung: Der Bericht spiegelt lediglich eine eigenständig erarbeitete Meinung wider und soll definitiv nicht als Kaufempfehlung dienen. Darüber hinaus sind Kommentare, Kritiken und andere Meinungen gerne erwünscht, sofern sie ein relevanten Themenbezug darstellen. Alle Quellen wurden zuletzt am 16.1.2014 aufgerufen.


Quellen:
http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/SGL-Carbon-Aktie-wegen-geplanter-Kapitalerhoehung-auf-Talfahrt-1000305577
http://www.informunity.de/stock_overview.p?HID=S20&NS=0&VT=B&SC=C5&SID=0
http://www.finanzen.net/index/Dow_Jones
http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/weniger-interesse-an-gold-anleger-fluechten-aus-dem-groessten-gold-fonds-der-welt/10872120.html
http://www.onvista.de/news/deutschland-staerkster-einbruch-bei-industrieauftraege-seit-2009-1185143
http://www.welt.de/wirtschaft/article131188615/Angst-vor-Deflation-in-Deutschland-kehrt-zurueck.html
http://www.informunity.de/stock_overview.p?HID=S16&NS=0&VT=U&SC=&SID=0
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/beggar-my-neighbour-politik.html
http://www.lpb-bw.de/finanzkrise_griechenland.html
http://news.kpmg.de/russland-krise/
Der Q3 2014 Bericht von SGL Carbon auf :
http://www.sglgroup.com/cms/international/investor-relations/financial-reports/quarterly-reports/index.html?__locale=de
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Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.   



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