Kommentar vom 30.07.10
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Deutsche Bank trotz Kritik an Quartalszahlen eine robuste und empfehlenswerte Aktie
Die aktuellen Q2 Zahlen wurden von Presse und Analysten häufig verhalten kommentiert:

„Equinet belässt Deutsche Bank auf 'Buy' - Ziel 62,00 Euro“
„Nomura belässt Deutsche Bank auf 'Reduce' - Ziel 60 EUR“
„UBS belässt Deutsche Bank auf 'Buy' - Ziel 56 Euro“
FAZ: „Deutsche Bank bleibt hinter den Erwartungen“
Dow Jones Newswires: „Deutsche Bank bleibt trotz Milliardengewinn hinter Erwartung“
Handelsblatt: „Deutsche Bank kommt bei Privatkunden mühsam vorwärts“

Diese Ansichten kann ich weder aus Anlegerperspektive als auch aus genereller Sichtweise nachvollziehen.

=== Aus Anleger-Sicht: ===

Mit 1,2 Mrd. Euro Nettogewinn hat die DB eine weiteres solides Quartalsergebnis erzielt, das auf Augenhöhe mit den vorhergehenden 5 Quartalen liegt. Rechnet man das Net Interest Income und die Commisions/Fees zusammen, resultiert mit einem Betrag von 6,3 Mrd. Euro der beste Wert seit Überwindung der Finanzkrise. Im Investment-Banking wurde „nur“ ein Plus von 110 Mio Euro gemacht – ein Wert der aus der Bandbreite von 568 bis 2611 Mio der Vorquartale deutlich heraussticht. Dieser Geschäftsbereich ist jedoch sehr schwankend und man kann doch mit gutem Gewissen annehmen, dass die DB hier nicht dauerhaft schwach performt.

DB Chef Ackermann kommentiert die Ergebnisse im Quartalsbericht folgendermaßen: „..Das rückläufige Ergebnis lag dabei im Trend der Industrie. Allerdings bauen wir unsere Marktanteile weiter aus, ohne aber den Fokus auf Risiko- und Bilanzdisziplin aus den Augen zu verlieren. …“

Viele wichtige Kennzahlen haben sich weiter verbessert, u.a. die Tier-1-Kapitalquote, der Buchwert pro Aktie wie auch die Risikovorsorge.

Aktuell weist das Institut ein KGV von 6,3 auf: 5,7 Mrd. Euro addierter Nettogewinn der letzten 4 Quartale bei einer Börsenbewertung von 36 Mrd. Euro. Das entspricht einer Verzinsung von über 15% - traumhaft, wenn man die aktuelle Zinssituation von 1-2% in Beziehung setzt. Wenn die Skepsis gegenüber dem Bankensektor fällt, ist bei diesem KGV Niveau schnell mit einer Verdoppelung der Kurse zu rechnen.

Die negativ gefärbten Kommentare der Presse decken sich auch wiedermal gar nicht mit der aktuellen Kursentwicklung. Hier stehen in dieser Woche ein Anstieg von 50 auf 53€ zu Buche, was einem 10%igem Plus vs. dem DAX entspricht. Das Niveau von 48€, um das man in den letzten 3 Monaten gependelt ist, hat die Aktie jetzt (hoffentlich dauerhaft) nach oben verlassen.

+++ F A Z I T +++ Banken-Stresstest, Griechenlandkrise, Bankenabgabe, usw. – nichts hat dem deutschen Marktführer wirklich geschadet. Eher zeigt sich, dass die deutsche Bank im europäischen Vergleich eines der wenigen Spitzeninstitute ist und dass alle Schmähkritik an deren Vorstandsvorsitzenden sich als unberechtigt herausstellt. Sobald das Ergebnis der Investment-Sparte wieder zu einem normalen Niveau zurückkehrt, gibt es sachlich nurmehr wenige Gründe, die den nach wie vor eher niedrigen Kurslevel rechtfertigen.

=== Aus genereller Sicht ===

Manchmal ist man schon leicht irritiert und fragt sich, was die Leute eigentlich wollen. Erzielt eine Bank die Erträge hauptsächlich im Investment-Banking, wird sie als Zockerbude gebrandmarkt. Fährt selbiges Unternehmen ein respektables Ergebnis in der klassischen Bankingsparte ein, dann stottert auf einmal das Investmentbanking (lt. FTD).

Ich dachte immer, es war politisch wie gesellschaftlich gewollt, dass mehr Eigenkapital vorgehalten werden muss und dass das Risiko bei Geschäften auf ein akzeptables Maß begrenzt wird. Daher vermisse ich von Zeit zu Zeit mal eine Überschrift wie ‚Gute Bankgeschäfte auch bei neuem Banking-Kodex“.

Dass es im Finanzsektor in den letzten 5 Jahren Verwerfungen gab (und vielleicht vereinzelt noch gibt), bestreitet ja ernsthaft niemand. Aber eine generelle Stigmatisierung Banker = Böse ist für die nächsten 10 Jahre für uns alle sicher nicht dienlich. Funktionierende Volkswirtschaften brauchen funktionierende Kapitalmärkte – und es wäre angebracht, die feinen Nuancen zwischen „inakzeptabel“ und „auf dem richtigen Weg“ besser herauszuheben.

Für das Einleiten nachhaltiger Verbesserungen muss (leider) oft ein negativer Präzedenzfall her (siehe die aktuelle Tragödie in Duisburg), aber es sind m.E. weniger gesetzliche Regelungen und überzogene Kontrolle, die ein zweites Desaster verhindern, sondern das Wissen um die vorhandenen Gefahren bei den direkt Beteiligten und Verantwortlichen. In diesem Sinne hoffe ich auf weniger emotionale Berichterstattung über den Finanzsektor für die nächsten Jahre, wie beispielsweise von Bernd Neubacher in der Börsen-Zeitung vom 28. Juli:

"Eine normalere Bank ... Zyniker werden einwenden, dass sich diese Balance auch erreichen lässt, wenn man das Investment Banking tüchtig eindampft. Und in der Tat laufen die Geschäfte dort nicht mehr so blendend wie, dank historischer Krisenmaßnahmen, noch vor Jahresfrist. Die Fortschritte in den anderen Einheiten aber sind unverkennbar ... Sei's drum: Zu den vom Markt erwarteten Ergebnissen liefert die Deutsche Bank nun auch die - schon lange geforderte - Ergebnisqualität ... "
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