Kommentar vom 21.10.16
InvestorChris93
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Deutsche Bank: Im Strudel der Negativität oder ein aussichtsreicher Turnaround Kandidat?
21. Oktober 2016, Einschätzung zur Lage der Deutsche Bank

I. Überblick

Die Deutsche Bank AG, mit Sitz in Frankfurt, wurde 1870 gegründet und zählt zu den größten Finanzdienstleistern weltweit. Die Deutsche Bank Aktie ist seit 1988 im DAX gelistet und ist mit 5 verschiedenen Unternehmensbereichen breit aufgestellt, nämlich: Privat- & Geschäftskunden, Asset & Wealth Management, Corporate Banking & Securities, Global Transaction Banking und Non-Core Operations-Einheit.
Der Geschäftsbereich Privat- & Geschäftskunden betreut Privatkunden, Selbstständige sowie kleine und mittlere Unternehmen und offeriert viele Finanzdienstleistungen. Neben den klassischen Bankdienstleistungen bietet die Deutsche Bank mit ihrem Geschäftsfeld Asset & Wealth Management Unterstützung bei traditionellen und alternativen Investmentprodukten und –lösungen an. Der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities unterteilt sich in die Geschäftsbereiche Markets und Corporate Finance. Während Markets die Vertriebs-, Handels- und Strukturierungsaktivitäten von Finanzprodukten erfasst, befasst sich der Corporate Finance Bereich mit Übernahmen und Fusionen sowie Beratung großer und mittlere Unternehmen. Global Transaction Banking bietet Produkte und Leistungen für Finanzinstitute und Unternehmen auf internationaler Ebene. Die Non-Core Operations Einheit unterstützt die Deutsche Bank unter anderem beim Abbau kapitalintensiver Vermögenswerte, um langfristig die Kapitalbindung zu reduzieren.
Mit einem Marktanteil von ca. 20 % ist die Deutsche Bank der größte Devisenhändler der Welt. Heute unterhält die Deutsche Bank 1.981 Niederlassungen in 72 Ländern.

II. Kursverlauf

Der Kursverlauf der Deutschen Bank war seit Jahresbeginn stark negativ belastet und sank zeitweise um 57 % im Vergleich zum Jahresauftakt. Damit ist die Deutsche Bank der schlechteste Performer des Jahres im DAX gewesen, welcher aktuell auf einem Niveau wie zu Jahresbeginn tendiert. Im letzten Monat vollzog die Deutsche Bank Aktie einen starken Aufwärtstrend (+31% seit dem 29 September 2016), bei welchem es noch nicht abzusehen ist ob es sich nur um eine Gegenbewegung im langfristigen Abwärtstrend handelt oder ob es der Turnaround Punkt ist und in nächster Zeit noch weitere Widerstände genommen werden. Diese würden vor der 14 € Marke in ausgeprägtem Maße auftreten.

„Es zählt nur, was die Kunden und Anleger glauben und umsetzen“,
Dirk Müller, 19. Oktober 2016

III. Pro/Contra Argumente für ein Investment

Eine Investmententscheidung bei der Deutschen Bank ist derzeit sicherlich mit Risiken verbunden, da es viele Faktoren der Unsicherheit gibt. Der Kurs wurde von diesen in den letzten Wochen maßgeblich beeinflusst und im Folgenden gehe ich auf diese ein.
Die Deutsche Bank soll demnächst eine Strafe von 12,5 Mrd. € an den amerikanischen Staat bezahlen, da es zu Unregelmäßigkeiten bei Hypothekengeschäften zu Zeiten vor der Finanzkrise kam. Diese hat allerdings nur Rückstellungen für Vergleiche und Klagen in Höhe von 5,5 Mrd. € in den Büchern verbucht. Beruhigend für die Anleger ist, dass die Deutsche Bank in den Verhandlungen mit den amerikanischen Behörden steht und die Unterstützung Deutschlands hat, sodass von einer maßgeblichen Reduktion der Strafe ausgegangen werden kann.
Allerdings könnte der angestrebte Vergleich zur Bedingung haben sich aus dem derzeit renditeträchtigen Investmentbanking Geschäft in den USA zurückzuziehen. Des Weiteren hat die Deutsche Bank mit hohen Kapitalkosten und geringen Renditemargen zu kämpfen. Von Wirtschaftsminister Gabriel wurde jüngst sogar gefordert, dass manche Banken, die Deutsche Bank eingeschlossen, ihr Geschäftsmodell ändern und folglich einen Transformationsprozess begehen sollen.
Als schwieriges Thema wurde auch die Liquiditätslage der Bank bewertet, wobei für erhebliche Zweifel ein Kapitalabzug von diversen Hedgefonds gesorgt hatte. Dementgegen stehen allerdings die Stimmen von Morgan Stanley, Goldman Sachs und dem Deutsche Bank Chef Cryan, welche für eine stabile Lage der Bank und gesicherte Liquidität (Reserve nach Herr Cryan:215 Mrd. €) der Bank sprachen. Auch Herr Schäuble machte klar, dass es sich bei der derzeitigen Baisse um zu viel negative Aufmerksamkeit handelte und das diese Aufmerksamkeit zu Kursübertreibungen (bzw. hier: Kursuntertreibungen) führt. Der Risikovorstand der Deutschen Bank, Herr Lewis, bekräftigte vor wenigen Wochen auch, dass die Risiken aus dem Derivatebuch überschätzt werden und es sich um theoretische Risiken in Höhe von 46 Mrd. € handelt, welche unter den theoretischen Risiken der Konkurrenz liegen. Herr Lewis schätzt darüber hinaus die Prozessrisiken der Deutschen Bank höher ein, als die Derivaterisiken.
Da die Kapitalpolster des größten deutschen Finanzinstituts künftig ein wenig dünn werden könnten und zudem hohe Personalkosten die Ergebnisse belasten, wird dementsprechend auch über einen Stellenabbau im Privatkundenbereich geredet. Dieser umfasst 9000 Stellen und wurde neulich verschärft, da ein genereller Einstellungsstopp verhängt wurde.
Darüber hinaus wird über einen Verkauf der Postbank, einer 100 % Tochterunternehmung der Deutschen Bank oder einem Börsengang der Vermögensverwaltungsparte Deutschen Asset Management spekuliert um eine weitere kritisch betrachtete Kapitalerhöhung zu umgehen. Bei dem Börsengang der Deutschen Asset Management soll allerdings ein Großteil der Stimmrechte in Händen der Deutschen Bank bleiben, sodass maximal bis zu 25 % der Stimmrechte dieser Tochter an die Börse kommen.
Frisches Kapital wurde der Deutschen Bank auch seit 2014 von zwei Investmentfonds, die der Herrscherfamilie Al-Thani des Emirats von Katar gehören, zugeführt. Diese ist Großaktionär mit mehr als 6% Stimmrechtsanteil bei der Deutschen Bank und zeigte sich in den vergangenen Wochen besorgt über den derzeitigen Kurs des Geldhauses, bekräftigte allerdings weiterhin, dass das Investment langfristig angelegt sei. Unter Umständen würden die Fonds sogar das Investment ausweiten, wenn die Schlüsse auf einen günstigen Einstiegspunkts naheliegen.

„Es wird viel zu viel geredet.“ Ein Großteil der Aufregung werde durch das Gerede erzeugt“,
Wolfgang Schäuble, 8 Oktober 2016

IV. Ausblick und eigene Einschätzung

In den letzten Wochen wurde das Allzeittief der Deutschen Bank Aktie erreicht, welches bei 9,90€ notierte. Es war ein Schock für die Deutsche Bank, der sich aufgrund einer überaus schlechten Nachrichtenlage und steigendem Misstrauen gegenüber der Bank über die Zeit entwickelte. Zahlreiche Prozesskosten werden auf die Deutsche Bank zukommen und da scheinbar lange Zeiten mit niedrigen oder gar Nullzinsen bevorstehen, wenn man den letzten Handlungen und Aussagen der EZB Glauben schenkt, wird das derzeitige Geschäftsmodell der Bank auch auf den Prüfstand gestellt. Die Bank muss nun für ihre Sünden in der Vergangenheit büßen, der Markt antizipiert derzeit eine recht hohe Summe des Vergleichs in den dubiosen Hypothekengeschäften in den USA.
Fakt ist ebenso, dass der deutsche Staat seinen Branchenprimus nicht einfach fallen lässt und unterstützen wird wenn es "hart auf hart" kommt. Aus diesem Grund und auch da in der Vergangenheit im Laufe von Vergleichs Verhandlungen, die zu Anfangs ausgesprochenen Strafzahlung äußerst stark gemindert wurde, rechne ich mit einer starken Reduktion der derzeit noch im raumstehenden 12,5 Mrd. €. Das könnte der Aktie auf den Finanzmärkten Auftrieb verleihen.
Kommen dazu noch einige positive Nachrichten, wie zum Beispiel ein gut verlaufender Personalabbau oder ein attraktiver Käufer für die Postbank, samt gutem Angebot oder ein letztlich unverhoffter, aber sehr erwünschter positiver Jahresabschluss steckt sehr viel Potenzial in der Aktie, welche in den letzten Wochen einen zu stark ausgeprägten Abwärtstrend verzeichnete und von Übertreibungen des Marktes gesprochen werden kann. Bezüglich des Geschäftsmodells traue ich dem deutschen Branchenprimus zu, dass brauchbare Leute in den eigenen Reihen stehen, die gute Ideen zum Anklang bringen und umsetzen können. Es scheint mir eine Frage der Not zu sein, ob und wie schnell eine Geschäftsmodell Umstrukturierung vollzogen wird.#
Hinzu kommt noch, dass der DAX derzeit sich scheinbar dazu entschließt eine Jahresendrally in Angriff zu nehmen und dieser allgemeine Auftrieb erfasst in der Regel alle Werte.
Um noch einmal manche Risiken zum Ausdruck zu bringen, so scheint mir erwähnenswert zu sein, dass die Deutsche Bank Aktie sich in einem sehr langfristigen Abwärtstrend befindet und die zukünftige Perspektive sehr ungewiss erscheint. Zahlreiche Faktoren verschlechtern zudem das Umfeld und den Ausblick der Deutschen Bank. Es sind Kernprobleme mit denen sich die Bank auseinandersetzen muss und da in den letzten Wochen so viel passierte, kann es sein dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Fakt ist, es bleibt spannend und volatil.

Vielen Dank an alle, die diesen Artikel gelesen haben. Über eine Bewertung würde ich mich freuen, über einen anregenden Gedankenaustausch oder Kritik von Investor zu Investor noch mehr.


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