Kommentar vom 07.02.17
InvestorChris93
Bewertung:
Mehr als 30 Bewertungen
hervorragend29%
sehr interessant57%
interessant9%
mittelmäßig1%
uninteressant4%
Bisher 167 mal gelesen
Rheinmetall: Verteidigung liegt im Trend
Rheinmetall: Verteidigung liegt im Trend

Geschätze Lesezeit: 10 Minuten

Gliederung:

I. Profil
II. Chartanalyse
III. Fundamentalanalyse
IV. Aussicht
V. Eigene Einschätzung
________________________
I. Profil

Das deutsche Traditionsunternehmen Rheinmetall hat zwei Kerntätigkeiten mit jeweils hälftigen Umsatzanteilen. Rheinmetall Automotive liefert Fahrzeugkomponenten und Ersatzteile wie Pumpen, Motorblöcken und Gleitlager an vornehmlich deutsche Automobilhersteller. Dabei ist die kooperative Zusammenarbeit ausschlaggebend und bedeutend für die Forschung und Entwicklung. Rheinmetall Automotive hat eine divisonale Organisation die in drei nahezu autonom handelnde Bereiche gegliedert ist: Hardparts, Mechatronics und Aftermarket.
Rheinmetall Defense, die Rüstungssparte, sorgt für die restlichen 50 % Unternehmensumsatz. Hier gibt es ebenso eine 3 dimensionale Aufteilung; Combat Systems, Electronic Solutions und Wheeled Vehicules. Rheinmetall ist hierbei besonders bei Fahrzeug- (Leopard II und Puma Panzer), Schutz- und Waffensystemen international sehr stark aufgestellt. Auch der Infanterieausstattung und der Flugabwehr wird sich in der Rüstungssparte gewidmet.

II. Chartanalyse

Seit der Finanzkrise, wo Tiefstkurse von ca. 20 € verzeichnet wurden, hat sich die Rheinmetall Aktie aktuell auf ein Kursniveau von um die 70 € gehoben. In den vergangenen Jahren gab es regelmäßig hohe Volatilitäten. So sah man beispielsweise 2010/2011 Kurse von 55-65 €. 2012 hingegen stürzte die Aktie steil auf Kurse nahe der 30 € Marke ab und schwankte bis 2015 in einem Korridor zwischen 30 € und 50 €. Seit August 2014 kann ein stetiger Aufwärtstrend der Aktie betrachtet werden, der einzig einen Einbruch von 70€ auf 50 € im März vergangen Jahres erlitt. Hinter der guten Kursentwicklungen steht auch ein ansehnliches Zahlenwerk. Das KGV von 2015 lag (am 31.12 2015) bei 15 und verharrt auch heute auf ähnlichem Niveau (trotz massiver Kursteigerung). Eine maßgebliche Gewinnsteigerung kann hier als Rechtfertigung davon herangezogen werden. Die Marktkapitalisierung von Rheinmetall betrug 2016 2,8 Mrd. €. Rheinmetall ist somit die größte deutsche und die 30. größte Waffenschmiede weltweit. Die derzeitige charttechnische Situation der Rheinmetall Aktie kann als positiv bewertet werden, da im letzten Jahr von 72 Analysten; 34 zum Kauf und 37 zum Halten der Aktie rieten bei Kurszielen von 60 bis 75 €. Bei Betrachtung der 200 Tage Linie ist zu erkennen, dass sich Rheinmetall in einem stetigen Aufwärtstrend befindet.

III. Fundamentalanalyse

Namen mit 1 bedeuten, dass die zugehörigen Zahlen in Millionen € angegeben sind.

________________________________2014__________2015___________2016
Auftragseingang________________5278€_________5314€__________5600 €e
Auftragsbestand (31.12)1_______.6932€________.6867€__________7000 €+x e
Umsatz1_______________________.4688€________.5183€__________5600 €
Auslandsanteil__________________.75 %_________..74 % ___________.75 %
Operatives Ergebnis1____________160€_________.287€____________336 €
EBIT1__________________________.102€_________.287€____________.?
Earnings per Share______________.0,47€_________3,88€____________.?
Dividende_______________________0,3€__________1,1€______________?
Jahresendkurse_________________61,48€________36,27€___________64,50 €
Marktkapitalisierung1___________1436€_________2678€___________2783 €

Nachdem im Jahr 2016 besonders die Rüstungssparte von Rheinmetall mit einem Umsatzwachstum von Q1- Q3 von 18 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum glänzte, sah sich der Vorstand in der erfreulichen Lage die Jahresziele für 2016 zu bestätigen und anzuheben. Das Operative Ergebnis wurde mit einer Marge von 6 % des Umsatzes bestätigt und der erwartete Umsatz wurde von 5,5 Mrd. € auf 5,6 Mrd. € angehoben. Hinzu kommt, dass 2016 ein Rekordauftragsbestand mit mehr als 7 Mrd. € Volumen in den Büchern steht. Rheinmetall hat demnach einige Kontrakte die über mehrere Jahre laufen und folglich auch mittelfristig für Umsätze sorgen. Bei einem Auslandsanteil von 75 % (2000: 60 %) kann man sagen, das Rheinmetall vielfältige internationale Beziehungen und ein stark exportorientiertes Geschäft hat. Die gute Auslands- und Inlandsvernetzung zeigt sich bei Leopard II Panzer Lieferungen nach Katar, Lieferungen von elektrischen Wasserpumpen und Schubumluftventile für PKW nach Asien und Lateinamerika, LKW „Land 121“ Lieferungen nach Australien oder angestrebte Sturmgewehraufträge (RS556) an die Bundeswehr. Eine breite Risikostreuung kann demnach bei den Auslandsaktivitäten verzeichnet werden. In den kommenden Jahren kann auch von weiterhin guten Geschäftszahlen ausgegangen werden. Die Bundeswehr, als der größte Einzelabnehmer von Rheinmetall, hat massiven Modernisierungsbedarf. Diverse Politiker haben bereits bestätigt, dass der Verteidigungsetat angehoben wird. Die Wettbewerbsfähigkeit von Rheinmetall wird dabei auch durch wachsende Investitionsausgaben (291 Millionen €, 2015, 20 % Steigerung im Vergleich zum Vorjahr) und hohe Dividenden Ausschüttungen (2015: 1,1 € pro Aktie) ausgedrückt.

IV. Aussicht

Nachdem im letzten Monat von Donald Trump eine verstärkte Beteiligung der Nato Mitgliedsstaaten an den gemeinsamen Engagements gefordert wurde sind bereits diverse Regierungen (Deutschland) darauf eingegangen und kündigten an die eigenen Truppenverbände zu verstärken um einen größeren Beitrag zu leisten. Konkrete Zahlen finden sich in einem 2002 verabschiedeten Abkommen der Nato Mitgliedsstaaten. 2 % des BIPs sollen aufgewendet werden um die Nato zu unterstützen. Diese Regelung wurde bisher nur theoretisch verabschiedet praktisch jedoch, mit Ausnahme von der USA, Großbritannien, Estland, Polen und Griechenland, nicht umgesetzt. In Deutschland wird bereits der Wehretat kräftig aufgestockt, sodass für 2017 ein Wehretat in Höhe von 36,6 Mrd. € veranschlagt wird welcher bis 2020 auf 45,1 Mrd. € anwachsen soll. Trotz der steigenden Ausgaben ist Deutschland derzeit weit von der 2 % Marke (derzeit 1,2 %) entfernt. Auch in anderen Staaten sollen die Etats langsam anwachsen. Nach diesen Ankündigungen jubelt die Rüstungsindustrie. Auf diese wird in den nächsten Jahren vermutlich eine Auftragsflut zurollen.
Nach Angaben des Friedensforschungsinstitut SIPIRI, waren in 2015 die Umsätze der 100 größten Waffenschmieden weltweit zwar rückläufig, allerdings war das Minus in 2015 sehr klein (-0,6 %). Dies kann als Zeichen für eine Trendumkehr gedeutet werden. Somit kann künftig mit einem beschleunigten Wachstum dieser Branche gerechnet werden. Besonders Rheinmetall, welches mit einer international ausgerichteten Wachstumsstrategie und mit vielen internationalen Lokalpräsenz gut aufgestellt ist wird von diesen Entwicklungen profitieren. Bereits schon jetzt kann ein starkes Umsatz-, Margen-, und Gewinnwachstum verzeichnet werden welches von Abnehmern weltweit getragen wird. Allianzen, wie beispielsweise mit dem österreichischen Rüstungskonzern Steyer Meyr sollen neue Aufträge an Landziehen. Steyer Meyr will sich mit Rheinmetall um die Ausschreibung eines neuen Sturmgewehrs der Bundeswehr bemühen. Somit könnte ab 2020 das RS556 das derzeitige G36 von Heckler&Koch ersetzen. Auf Steyer Meyr und Rheinmetall würde damit ein weiterer Auftrag in 3 stelliger Millionenhöhe zukommen. In diesem Segment kann folglich von einem immensen Wachstum ausgegangen werden, da auch weltweit gesehen die Anzahl an Krisenherden eher zunimmt und die Nachfrage nach Rüstgütern steigt.
Im Automotive Bereich können auch positive Unternehmenszahlen erwartet werden, da Rheinmetall mit seinen Tochterunternehmungen, wie Pierburg oder Kolbenschmitt, technologisch ausgereifte Produkte anbietet und gut positioniert, sowie vernetzt ist. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Produkte mit Einsparmöglichkeiten des CO2 Ausstoßes. Diese sind beispielsweise bei variablen und elektrischen Ölpumpen, Abgaskappen und Schubumluftventilen von Rheinmetall zu verzeichnen. Global gesehen ist die Fahrzeugproduktion seit 2011 relativ robust mit 3,5 % jährlich gewachsen und Produktionseinbrüche, wie aktuell in Brasilien und Russland (jeweils mehr als 20 %), konnten durch das Wachstum in anderen Ländern mehr als ausgeglichen werden. Die global angelegte Diversifikationsstrategie von Rheinmetall hilft Risiken zu streuen und lässt in allen Segmenten positive Umsatzzahlen in Q1-Q3 2016 vermelden. Der künftige Fokus von Rheinmetall liegt dabei besonders auf dem indischen und dem chinesischen Markt. Diese wuchsen in den letzten Jahren massive und letzterer wird mit einer rapide steigenden Anzahl von Joint Ventures schleunigst von Rheinmetall Tochter KS Huayu erschlossen.

V. Eigene Einschätzung

Da der Vorstand bereits nach dem Q3 Bericht die veranschlagten Jahresziele von Rheinmetall bestätigte und teilweise sogar erhöhte, kann von guten Jahreszahlen des Geschäftsjahres 2016 ausgegangen werden. Bis zur Hauptversammlung am 16. März 2017 darf auf diese geduldig gewartet werden.
Hinzukommt, dass sowohl im Bereich der Rüstungs- als auch in der Automobilindustrie positive Wachstumsraten erwartet werden und Rheinmetall von diesen überproportional profitieren dürfte. Die stabile ausstehende Auftragslage von mehr als 7 Mrd. € zeigt dies bereits jetzt. Rheinmetall könnte aufgrund dieses erhöhten Nachfrageaufkommens seine Geschäftszahlen deutlich steigern. Zusätzlich kann Rheinmetall durch diverse Kosteneinsparungsprogramme und sinkende Rohstoffpreise in 2017 doppelt von globalen Entwicklungen profitieren. Erhöhte Gewinnziele und Gewinnmargen könnten demnach in den nächsten Jahren in Aussicht gestellt werde. Diese Gewinne dürften zum einen in die R&D reinvestiert werden, sodass die Produkte noch wettbewerbsfähiger würden. Zum anderen können diese Gewinne als jährlich steigende Dividende an Investoren (welcher vornehmlich institutioneller Art sind (66 %; 2015))ausgeschüttet werden. Die steigende Dividende von 1,1 € pro Aktie (Vorjahr: 0,3 €) sollte demnach ein weiterer Anreiz sein, die Aktien von Rheinmetall zu halten.
Der derzeitige Aktienkurs ist mit einem KGV von 15 relativ niedrig und fair bewertet. Rheinmetall durchläuft auf Monatssicht eine Kurskorrektur, welche als Einstiegspunkt genutzt werden könnte. Künftige Kurse, die über den derzeitigen 67,56 € (Stand: 6.2.2017) liegen, könnten auf die 100 € Marke zugehen. Rheinmetall scheint ein interessantes Investment zu sein welches derzeit vor allem von politischen Entwicklungen profitieren könnte.

***************************

Disclaimer:

Dieser Beitrag dient ausschließlich zur Information und stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar.
Es kann keine Garantie oder Gewähr übernommen werden, dass die Inhalte richtig oder vollständig sind.
Durch aktuelle Ereignisse kann dieser Beitrag veraltet sein. Keine Haftung für Verluste, die durch Nutzung dieses Beitrags verursacht werden. Eine Anlageentscheidung sollte immer auf Basis eigener Recherchen und nicht nur auf Basis dieses Beitrages erfolgen.

Anmerkungen
Es sind noch keine Anmerkungen vorhanden.
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.