Kommentar vom 12.08.17
AktieLanxess
Investorarmericanoo
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Chemtura - größter Zukauf der Firmengeschichte, aber auch künftiger Wachstumsgarant des Kölner Unternehmens?
Allmählich neigt sich die Berichtssaison in Deutschland dem Ende zu, und wie immer war auch im Sommer 2017 viel Licht und Schatten dabei. Alles in allem verlief sie aber sehr zufriedenstellend. Immerhin übertrafen die meisten Unternehmen die Prognosen des Analystenheers - auch wenn die jeweiligen Aktienkurse nach Bekanntgabe der Zahlen nicht stets die Richtung einschlugen, wie dies eigentlich zu erwarten gewesen wäre, was wohl in erster Linie an den sogenannten "Flüster-Schätzungen“ der Marktauguren lag.

Denn gerade kurz vor der Publikmachung des Halbjahresergebnisses schraubt die Fachpresse ihre Erwartungen daran mächtig hoch, so dass damit dann auch in schöner Regelmäßigkeit die Erwartungshaltung der Investoren Flügel verliehen wird. Werden dann lediglich die Analystenschätzungen getroffen, so kann dadurch die ein oder andere Aktie an den Börsen gehörig unter Druck geraten. Ein weiterer Grund für fallende Aktienkurse trotz guter Zahlen könnten dann natürlich auch "Gewinnmmitnahmen" sein, nachdem die Anteilsscheine bereits in Erwartung positiver Zahlen vorab vorzüglich in nördliche Richtung gelaufen sind.

Eben so verhält es sich bei der Lanxess-Aktie: Trotz Bekanntgabe eines soliden Zahlenwerks geriet sie erst einmal massiv unter Druck. Gut scheint eben manchmal nicht gut genug zu sein. Nach einem 42%igen Wertzuwachs in den vergangenen 12 Monaten sind die Investoren eben Besseres gewöhnt, als nur mit einem grundsoliden Ergebnis "abgespeist" zu werden. Im M-Dax zählte die Aktie vergangenen Freitag denn auch zu den größten Tagesverlierern. Doch auch, wenn die Lanxess-Anteilsscheine derzeit nicht gerade zu den "Börsenlieblingen" zählt, so ist dennoch mit Recht und Fug zu erwarten, das wir dort mittelfristig durchaus wieder höhere Aktienkurse erwarten können, gibt das Zahlenwerk doch zu der berechtigten Hoffnung Anlass, dass die Chemtura-Übernahme ein Erfolg wird. Dies wäre auch bitter nötig, da Lanxess sich damit sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat: Immerhin ist das bisher der größte "Deal" in der eigenen Firmengeschichte für satte 2,4 Mrd. €. So eine Summe lässt sich nicht mal so "nebenbei" aus der "Portokasse" bezahlen.

Im September 2016 "schluckte" der Kölner Spezialchemie-Konzern Lanxess (Gründung 2004 in Leverkusen) das US-Unternehmen Chemtura - einen der führenden Anbieter für Schmierstoff- und Flammschutz-Additive. Primäres Ziel der Übernahme war und ist es, die nicht gerade unerhebliche Abhängigkeit vom Kautschukmarkt und der Automobilindustrie zu verringern. Mit der Übernahme entstand ein neuer Kernbereich mit 2 Mrd. € Umsatz. Lanxess ließ sich den Zukauf 2,4 Mrd. € kosten; ein Preis, der von Analysten als sehr fair erachtet wird. Strategische Firmenzukäufe sind eben nicht für einen Apfel und einem Ei zu haben, sind die es doch, die in einem Unternehmen für noch mehr künftiges Wachstum und Kursfantasie an den Börsen sorgen werden.

Nach gut einem Jahr ist die Chemtura-Übernahme nun in den Lanxess-Zahlen mit eingeflossen: Der Umsatz im neuen Segment "Specialty Additives" stieg denn auch im 2. Quartal 2017 um satte 106% auf 440 Mio. €, und auf Konzernebene legte der Umsatz immerhin um beachtliche 30% zu. Auch der operative Gewinn (EBITDA) legte um 25% zu - wenngleich auch die Gewinnmarge vor Sondereinflüssen etwas rückläufig war.

Da Integrationskosten in Höhe von 70 Mio. € anfielen und ein anderer Einmaleffekt den Gewinn belasteten, schrumpfte das Konzernergebnis leicht auf 3 Mio. €. Trotzdem sieht sich Lanxess nach der Präsentation der Zahlen voll auf Kurs und bestätigte damit den im 1. Quartal angehobenen Ausblick auf das Gesamtjahr. Sollte alles nach Plan laufen, so würde der operative Gewinn - die wichtigste Größe für einen steigenden Aktienkurs - um mehr als 20% ansteigen.

Mein FAZIT: Da künftig die "Eingliederungskosten" wesentlich geringer ausfallen werden und somit auch das Geschäftsrisiko der „neuen“ Lanxess verringert wurde, besitzen auch deren Anteilsscheine ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.
Die Charttechnik hingegen besagt, dass zurzeit keine großen Sprünge mit der Lanxess-Aktie zu machen sind, da sie sich in einem mittelfristigen "Abwärtstrend" befindet. Somit ist auch nicht zu erwarten, dass das Jahreshoch der Aktie vom 09.06. bei 70,47 € so schnell wieder erreicht bzw. gar getoppt werden kann.
Überdies gebe ich Ihnen gerne diesbezüglich noch eine "Faustregel" mit auf dem Weg: Bevor sie sich dazu entschließen, eine Aktie in ihr Depot zu legen, schauen Sie sich bitte den 1-Jahres-Chart der von ihnen preferierten Aktie genau an und verkehren sie ihn dann vor ihrem inneren Auge ins Gegenteil. Wenn Sie danach immer noch der Ansicht sind, die betreffende Aktie erwerben zu wollen, dann sollten Sie tun, was Sie nicht lassen können, falls nicht, so lassen Sie besser die Finger davon und warten einen günstigeren Einstiegsmoment ab.
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