Kommentar zur Aktie Tesla

Als interessant bewertet
10 Bewertungen ∙ 210 mal gelesen
Am 19.08.17
von armericanoo
zu Tesla

Trotz aller Schwierigkeiten im Vorfeld wird der "Elektroauto-Pionier" am Ende die Nase vorn haben

An Tesla scheiden sich die Geister: Top oder Flop? Längst zu heiß gelaufen oder noch Luft nach oben? Gerade bei der optimalen Bewertung der Tesla-Aktie tun sich Aktionäre derzeit besonders schwer. Einerseits gab es in den vergangenen Wochen gleich mehrere Gründe zum Jubilieren: Nach langer Vorankündigung wurden diesen Juli endlich die ersten Fahrzeuge des lang ersehnten neuen Typs "Model 3" an die Kunden ausgeliefert!

Inzwischen hatten sich bei der kalifornischen "Elektroautoschmiede" die Vorbestellungen für " Tesla Modell 3"" immerhin auf circa 400.000 Einheiten angehäuft - und das, obschon von dieser Fahrzeugreihe bis vor kurzem noch lediglich einige "Prototypen" existierten, mit dem das 2003 im US-amerikanischen San Carlos gegründete Unternehmen auch den breiten Automarkt zu erschließen gedenkt. Mit einem Einstiegspreis von immerhin 35.000 US-Dollar gilt das "nachhaltige" Vehicle als für "Jedermann" erschwingliches Elektroauto, das den Oberklasselimousinen etablierter Hersteller wie Daimler, Audi oder BMW nicht nur Konkurrenz machen, sondern zukünftig sogar den Rang ablaufen soll. Mittlerweile "sitzt" das visionäre Unternehmen auf mehr als 450.000 Vorbestellungen des "Modell 3", welche erst einmal "abgearbeitet" und ausgeliefert werden wollen - und täglich kommen etliche Neuorderungen hinzu...

Überdies können sich auch die aktuellen Quartalszahlen von Tesla sehen lassen: Immerhin wurde in diesem Zeitraum der Konsernumsatz mit 2,8 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt, wohingegen sich die Verluste allerdings wie erwartet von 293 auf 335 Millionen Dollar ausgeweitet haben, sie fielen damit jedoch deutlich moderater aus, als von vielen Marktauguren zunächst befürchtet.

Drum mag es auch keinen wirklich verwundert haben, dass die Tesla-Anteilsscheine nach Bekanntgabe der Zahlen einen gehörigen Sprung in nördliche Gefilde machte, und nach einer zwischenzeitlichen Kurskorrektur sich zuletzt wieder bei rund 355 Dollar einpendelten. Damit sind sie vom "All-Time-High" von Mitte Juni 2017 bei über 385 US-$ zwar noch ein gutes Stück weit entfernt, doch auch jenes scheint dadurch nun wieder in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Leider sind die Kalifornier auch hinlänglich dafür bekannt, dass sie ihre sehr ambitioniert gesteckten Ziele in schöner Regelmäßigkeit verfehlen. Und somit sind auch die neuesten Prognosen aus dem Hause Tesla wieder einmal mit einem gesunden Maß an Skepsis zu begegnen, wonach 2018 eine halbe Million "Model 3"-Einheiten von den Produktionsbändern laufen sollen. Im Jahr 2016 waren es gerade einmal 84.000 Stück, im ersten Halbjahr 2017 gab es dagegen eine moderate Steigerung auf 47.000.
Und wenn Tesla-CEO Elon Musk im Zuge der Markteinführung des "massentauglichen" Model 3 gegenüber seiner Belegschaft von einer „Produktionshölle“ spricht, dann riecht das obendrein nach enormer Hektik in den jeweiligen Produktionsstätten, in den einzelnen betrieblichen Abläufen, wodurch potenzielle Produktionsfehler geradezu vorprogrammiert zu sein scheinen.

Die deutschen Autobauer hingegen täten allerdings gut daran, den kleinen, lange Zeit bloß müde belächelten US-Konkurrenten allmählich ernst zu nehmen: Immerhin wird es noch einige Jahre dauern, bis BMW, Audi und Daimler, ähnliche markttaugliche, serielle Modelle auf den Markt bringen können; es ist also noch genug Zeit für die Politik, die hiesige Infrastruktur inpunkto Ladestationen endlich mit Nachdruck auf an den Weg zu bringen - wenn man es denn wirklich ernst meint mit dem langfristigen Umstieg auf den umweltfreundlichen Elektroantrieb. Zurzeit drängen sich mir diesbezüglich allerdings ernsthafte Zweifel auf, wird hierzulande doch noch immer über die Zukunft des Dieselmotors herumdiskutiert, anstatt sich in konsequenter Weise mit der Umsetzung der Zukunftstechnologie auf dem Automobilsektor zu beschäftigen.

Mein FAZIT: Im Zuge eines bereits auf Jahressicht um mehr als 50%igen Wertzuwachses zeigt sich die Analystengilde insgesamt eher vorsichtig optimistisch bei der Bewertung der Tesla-Aktie. Man sieht dafür zwar durchaus noch weiteres Potenzial, allerdings stufen die meisten Marktbeobachter die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau als bedeutend zu hoch ein, um sie sich derzeit überhaupt oder aber vermehrt ins Depot zu legen.
Zieht man die Charttechnik dazu zu Rate, dann scheint sie deren "Befürchtungen" momentan recht zu geben: Im Bereich 312 Euro ist bei der Aktie zurzeit wohl "der Deckel drauf", da sich dort binnen kürzester Zeit ein "Doppeltopp" ausgebildet hat - eine "Widerstandsmarke", die wohl bloß mit Nachhaltigkeit "geknackt" werden kann, wenn dies durch "gute" Unternehmensnachrichten bzw. eine "haussierende" Allgemeinstimmung an den Börsen untermauert würde. Unterstützungstechnisch hat sich die Tesla-Aktie vergangenen Freitag mit 298,75 Euro ins Wochenende verabschiedet - eben genau
dort auf dem Niveau, wo sie nicht signifikant von oben nach unten "durchbrechen" sollte, da es sonst mit ihr ziemlich schnell in den Kursbereich um 275 Euro heruntergehen könnte - tiefer allerdings nicht, da dort eine massive "Unterstützungslinie" verläuft.
Aber auch allen Unkenrufen zum Trotz: Visionäre werden anfangs stets als unverbesserliche Träumer oder gar Utopisten müde belächelt, aber ist deren Zeit erst reif, so werden all jene plötzlich als lobenswertes, aus der Masse herausragendes Beispiel auf einen Sockel gehoben, und ihre einstige Weitsicht, für die sie früher einmal verlacht wurden, wird dann als Meilenstein der technischen Entwicklung bezeichnet.
Anmerkungen
Es sind noch keine Anmerkungen vorhanden.
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.