Kommentar vom 25.09.17
Investorarmericanoo
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Google hat offenbar aus den Fehlern der jüngsten Vergangenheit seine Lehren gezogen
Alle Welt kennt Google (und somit auch die börsennotierte US-amerikanische Holding namens Alphabet Incorporated), die mit Abstand bedeutendste Online-Suchmaschine weltweit. Der Konzern ist maßgeblich für den überwiegenden Teil des Gesamtumsatzes verantwortlich - aber vor allem für die Gewinne der "Muttergesellschaft" Alphabet. Jahrelang drehte sich bei dem Firmenimperium fast alles ausschließlich um das eigene Werbegeschäft. Doch seit der Umstrukturierung unter dem Alphabet-Dach sucht der Technologie-Gigant verstärkt nach neuen Einnahmequellen. Neben "selbstfahrenden Autos", "Künstlicher Intelligenz" und der "Heimvernetzung" gedenken die Kalifornier mit Hauptsitz in Mountain View auch verstärkt im Hardwaregeschäft Fuß zu fassen.

Das Ziel ist so einfach wie einleuchtend: Die große Abhängigkeit von den Werbeeinnahmen soll in den kommenden Jahren schrittweise reduziert werden. Vor diesem Hintergrund ist es also kein Wunder, dass der Internetriese wieder einmal auf Einkaufstour geht, sitzt er mittlerweile doch durch die hohen Gewinnmargen aus dem Werbegeschäft auf eine "Cashposition" von annähernd 94 Milliarden US-Dollar.

Zudem ist es nun amtlich: Google übernimmt wichtige Teile des Smartphone-Geschäfts von HTC. Für insgesamt 1,1 Milliarden US-Dollar wechseln rund 2.000 Entwickler und zahlreiche Patente den Besitzer. Damit bestätigten sich aber die zuvor kursierenden Gerüchte nur zum Teil, war doch die Analystenwelt zuvor vielmehr davon ausgegangen, dass Google HTC komplett "schlucken" würde und sich damit auch die Fertigungskapazitäten des taiwanesischen Handyproduzenten sichert. Google jedoch bekundet sein Interesse lediglich an ein Fünftel der Belegschaft sowie deren vielversprechende Patentesammlung - die sogenannten "Kronjuwelen" eines jeden Hightech-Unternehmens.

So bedeutend der Deal auch sein mag: Für Alphabet ist der finanzielle Kraftakt mehr als bescheiden. Immerhin musste der Google-Mutterkonzern dafür gerade einmal knapp 1% seiner vorhandenen Liquiditätsreserven berappen. Die Gesamtbelegschaft erhöht sich durch den Deal um lediglich 3%.
Unterm Strich kann davon ausgegangen werden, dass die Integration (oftmals ein Problempunkt bei Übernahmen) ziemlich reibungslos ablaufen wird. Die Kooperation mit HTC geht nämlich bereits ins neunte Jahr, produziert der taiwanesische Hersteller doch schon seit 2008 mit dem "HTC Dream" das erste Smartphone mit dem Android-Betriebssystem von Google. Auch in den Folgejahren stellte die HTC Corporation Geräte für Google her - darunter auch das Nexus One, das Nexus 9 und das erste Pixel-Smartphone im vergangenen Jahr. Eines der beiden Pixel-Smartphones, die Berichten zufolge am 4. Oktober präsentiert werden sollen, soll ebenfalls von HTC gefertigt worden sein.

Das angestrebte Ziel der Übernahme scheint klar: Mit der "Teilaquisition" sollen weitere Innovationen und Produkte entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Dabei hat der Konzern offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Noch 2011 "schluckte" Google "Motorola Mobility" komplett, obwohl es eigentlich nur an deren "Patentpool" interessiert war. Kurz darauf "entledigten" sich die Kalifornier dieses Unternehmens rasch wieder.

Mit dem jüngsten Teilerwerb bekommt Google das, woran es tatsächlich interessiert ist – nämlich tatkräftige Unterstützung sowie das "Know-how" für die (Weiter)Entwicklung der eigenen Smartphones. Mit einer hauseigenen Smartphone-Produktion besitzt Google nun die Möglichkeit, seine Software noch weitaus besser in die dafür vorgesehene Hardware zu integrieren - ein Vorteil, den bislang vor allem Apple zu schätzen gelernt hat.

Mein FAZIT: Der Zukauf könnte aber auch für Verstimmung bei anderen Smartphone-Herstellern sorgen, die bislang Googles Betriebssystem Android auf ihren Handys installiert haben, weil sich die Unternehmen durch den Deal einer stärkeren Konkurrenz untereinander ausgesetzt sehen werden.
Aus Sicht von Alphabet erscheint der Schritt allerdings als völlig logisch: Wenn der Konzern künftig im Smartphone-Geschäft erfolgreich agieren will, dann muss er seine Entwicklungskapazitäten steigern. Überdies dürfte die Verzahnung von Soft- und Hardware das Unternehmen spürbar voranbringen - was in Bezug auf die Alphabet-Aktie auch dringend vonnöten wäre, da aus jenen Papieren schon seit über drei Monaten die Luft raus ist. Mittlerweile haben sie sich von ihrem Jahreshoch vom 9. Juni bei 876,25 Euro doch ein gutes Stück entfernt und notieren derzeit nur noch um die 770 Euro-Marke, und wenn ich mir die Charttechnik so anschaue, so vermag mich dieser Blick auch nicht gerade hoffnungsfroh für die Alphabeth-Aktie zu stimmen - Widerstände en gros - soweit das Auge reicht! Nach unten droht allerdings zurzeit auch kein großes Ungemach - vorausgesetzt, die massive Unterstützunglinie bei 750 Euro hält. Deshalb rate ich den Anlegern momentan auch von einem Engagement in diese Aktie ab, und diejenigen, die darin bereits investiert sind, besitzen wohl eh einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont und werden die augenblickliche "Seitwärtskorrektur" der Aktie ganz sicher einfach aussitzen.
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