Kommentar zur Aktie Bayer

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Am 17.10.17
von armericanoo
zu Bayer

Vermag der "Milliardendeal" mit BASF das "Okay" für die Monsanto-Fusion womöglich zu beschleunigen?

Firmenprofil:

Die Bayer AG ist ein weltweit agierendes Unternehmen in den Bereichen Pharmazie, Agrarwirtschaft und High-End-Werkstoffe. Die breite Produktpalette und die Forschungsschwerpunkte des Unternehmens sind auf die Gesundheitsversorgung, den Pflanzenschutz und die Schädlingsbekämpfung und die Verbesserung von industriellen Werkstoffen ausgerichtet. Das Produktsortiment reicht von Schmerzmitteln wie Aspirin und Alka-Seltzer über Dermatologika, Vitaminen, Blutzuckermessgeräten und Injektionssystemen, aber auch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel bis hin zu Polymer-Kunststoffen sowie Beschichtungen und Klebstoffen. Darüber hinaus bietet der Chemie- und Pharma-Riese mit seinen drei Dienstleistungsgesellschaften Servicefunktionen in den Bereichen Informationstechnik, Prozesstechnologie und Chemietechnik an, und betreibt in allen Geschäftsbereichen zusätzlich noch aktive Forschung. 2014 wurde angekündigt, dass der Leverkusener Konzern das Geschäft mit den nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln vom US-Konzern Merck & Co. übernimmt. Ende 2016 gliederte Bayer dann sein "MaterialScience"-Segment aus und brachte es als autonomes Unternehmen unter der Bezeichnung "Covestro" an die Börse. Im September vergangenen Jahres haben Bayer und Monsanto dann eine Fusionsvereinbarung getroffen und zum Abschluss gebracht.

Die Nachricht schlägt in Fachkreisen hohe Wellen: Der deutsche Pharma- und Chemie-Gigant Bayer hat sich mit der Ludwigshafener Chemie-Konkurrenz BASF doch tatsächlich auf eine spektakuläre Milliarden-Übernahme verständigen können: Für spezielle Teile aus der Unternehmenssparte „Crop-Science“ überweist BASF den Leverkusenern sage und schreibe 5,9 Mrd. Euro. Mit der Veräußerung gedenkt Bayer seine Chancen zu steigern, dass die Wettbewerbshüter die 56 Mrd. Euro schwere Mammutübernahme des umstrittenen US-amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto um einiges schneller "durchwinkt", wurde doch bereits in der Branche mit der Übernahme von "Syngenta" durch den chinesischen Chemie-Riesen "ChemChina" eine Branchen-Konsolidierung losgetreten. Die Anzahl der Globalplayer hat sich ohnehin durch die Fusionen von ChemChina mit Syngenta, DuPont mit Dow Chemical sowie Bayer und Monsanto auf gerade man noch vier verringert.

Die sogenannte "Nummer 4" der Branche, BASF, machte erst gar nicht mit bei diesem Milliarden-Übernahme-Poker, sondern sah sich vielmehr auch ohne solch einen "Mega-Deal" in der Lage, im hartumkämpften "Unkrautvernichter"-Geschäft zu punkten. Bereits im Zuge des Monsanto/Bayer-Deals wurde BASF als aussichtsreichster Kandidat für die zum Verkauf stehenden Unternehmensteile gehandelt. Die bevorstehende Übernahme ist also keine allzu große Überraschung. Wie es heißt, soll auch "Syngenta" an den Bayer-Geschäftsteilen interessiert gewesen sein. Der heimische Konkurrent hat sich wohl nicht zuletzt aus diesem Grund das bereits von vielen Analysten erwartete "Schnäppchen" doch noch aus dem Kopf schlagen müssen. Mit einem Übernahme-Multiplikator von 15 (EBITDA) ist der Preis sogar fast auf dem Niveau der Megadeals.

Die BASF-Aktionäre hingegen reagierten auf die Übernahme-Ankündigung etwas enttäuscht. In einem stagnierenden Markt notierte die Aktie denn auch am frühen Nachmittag etwas schwächer. Dies liegt jedoch keineswegs bloß am unerwartet hohen – aber nicht zu hohen – Übernahme-Preis, kündigte BASF doch darüber hinaus auch noch einen Strategiewechsel an und ließ zudem wissen, dass es künftig wohl auch noch weitere "strategische" Zukäufe geben werde. Bislang hieß es dazu vom Management, dass BASF sich ganz aus dem Saatgut-Geschäft raushalten wolle, da man es nicht benötige, um auch weiterhin am Markt auf der Erfolgsspur zu bleiben. Nun jedoch scheint die Ludwigshafener die Sorge um zu treiben, dass die „Alles aus einer Hand“-Lösung der Konkurrenz eine viel größere Bedrohung in Bezug auf das "Herbizid"-Geschäft darstellen könnte als gedacht.

Der überwiegende Teil der Bayer-Aktionäre ist jedenfalls mit der anstehenden Übernahme und deren ausgehandelten Konditionen einverstanden. Die Anteilsscheine der Leverkusener setzten sich vorübergehend mit einem Plus von über 1% an die Spitze der Dax-Gewinnerliste. Schliesslich kann es niemand ernsthaft überrascht haben, dass Bayer größere Geschäftsteile verkaufen muss, um doch noch die Genehmigung der Behörden zu bekommen. Daher war auch schon im Vorfeld des Megadeals befürchtet worden, dass der Chemiekonzern als sogenannter "Preisnehmer" quasi jede nur halbwegs akzeptablen Deal-Modalitäten des Verkäufers zustimmen würde. Doch Dank "Syngenta" wurde es dann letztlich doch noch ein "ordentlicher" Preis. Dadurch ist Bayer seinem übergeordneten Ziel, die „Monsanto-Übernahme“, ein gutes Stück näher gekommen. Trotz vieler Unwägbarkeiten und Kritiken befürwortet die überwiegende Mehrheit der Bayer-Investoren auch weiterhin diese Mega-Fusion.

Bis der Deal tatsächlich in trockenen Tüchern ist, wird jedoch noch einige Zeit verstreichen, sah der ursprüngliche Zeitplan doch eigentlich vor, dass die Übernahme bis Ende 2017 Geschichte sei. Dieser Termin ist allerdings nicht mehr einzuhalten, denn die EU-Kommission hat eine eingehende Prüfung eingeleitet, und auch das wettbewerbsrechtliche Okay der Amerikaner steht noch aus. So bleibt Bayer wohl nur die Hoffnung, das sich die "Verschleppung" der endgültigen Genehmigung nicht noch länger als ins 1. Quartal 2018 hinzieht. Genehmigen die Behörden den Zusammenschluss, steht demselben wohl nichts Nenneswertes mehr im Wege. Doch auch nach dem jüngsten Verkauf der bislang größten „Deal-Hemmer“, scheint die Übernahme wohl trotzdem noch zu keinem "Selbstläufer" geworden zu sein..

Mein FAZIT: Ich persönlich hege die Befürchtung, dass Bayer auch noch weiteres "Tafelsilber" veräußern würde - wenn nötwenig! - um die Übernahme von Monsanto endlich unter Dach und Fach bringen zu können. Worum es sich hierbei handeln könnte, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Zukunft der Leverkusener mit der Genehmigung dieser Fusion stehen und fallen wird - vor allem aber der Aktienkurs von Bayer, ist jene doch in ihm bereits heute schon so gut wie "eingepreist". Falls nicht, so könnte das für die Anleger eines "hoffentlich nicht mehr allzu fernen Tages" ein böses Erwachen geben. Dennoch gedenke ich Ihnen an dieser Stelle keine "Angst" zu machen: Der Bayer/Monsanto-Deal wird von den Wettbewerbshütern genehmigt werden - es ist eben nur alles eine Frage der Zeit!
Laut der Charttechnik befindet sich die Bayer-Aktie momentan an einem Scheidepunkt: Sollte die "Widerstandszone" um die 120 Euro signifikant von unten nach oben durchstoßen werden, so hätte sie erst einmal Luft bis in die 130 Euro-Sphäre - dort jedoch dürfte dieselbe äußerst dünn für sie werden, da dort ein massiver Widerstand auf sie wartet, der wohl erst in mehreren Anläufen "geknackt" werden kann.
Anmerkungen
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Bayer Aktie
Kurs: 57,67€     +1,3% vs. Vortag
Kursentwicklung 3 Monate (Graue Fläche = DAX)  
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armericanoo
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