Kommentar zur Aktie Nemetschek

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Am 21.10.17
von armericanoo
zu Nemetschek

Ein hervorragend geleitetes Familien-Unternehmen tritt aus dem Schatten der Zukunft

Nur wenige Aktien auf dem deutschen Kurszettel dürften den Anlegern in den letzten Jahren eine so überschwengliche Freude bereitet haben wie die vom 1963 in München gegründeten Architekten- und Bausoftware-Entwickler Nemetschek: In den vergangenen fünf Jahren kletterte deren Aktie nämlich von ursprünglich 8 Euro auf mittlerweile annähernd 79 Euro, was ja auch wenig verwundern dürfte, da bei den Münchenern doch die Geschäfte seitdem hervorragend laufen. Dabei setzte das Technologieunternehmen keineswegs bloß auf organisches Wachstum. Auch strategische Übernahmen sind dort seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenspolitik. Jetzt hat Nemetschek diesbezüglich erneut zugeschlagen und sich eine hochspezialisierte Firma aus den USA mit ins Boot geholt.

Doch bevor ich auf den jüngsten Deal näher eingehen werde, gedenke ich Ihnen das Familienunternehmen (denn 54% des Aktiekapitals befindet sich nach wie vor in den Händen des
Nemetschek-Clans) erst einmal etwas näher vorzustellen. Nemetschek ist Europas größter Anbieter von Software für Architektur- und Ingenieurwesen sowie für die Bauindustrie mit global mehr als 2,3 Mio. Nutzern. Die grafischen, analytischen und kaufmännischen Lösungen decken einen Großteil der gesamten Wertschöpfungskette am Bau ab – von der Planung und Visualisierung eines Gebäudes über den eigentlichen Bauprozess bis hin zu deren Nutzung.

Mittlerweile liegt der Marktanteil von Nemetschek in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz bei 80% – denn dort hat sich die Nemetschek-Software inzwischen längst zum "Standard-Instrumentarium" der Branche gemausert. Zudem tragen Netzwerkeffekte erheblich zum zusätzlichen Ausbau der Marktanteile bei. Hohe Wechselkosten in Form neuer Lizenzen und der Aufwand, ein neues Programm zu erlernen, führen überdies zu einer hohen Kundenbindung. Diese kommt in einer niedrigen Wechselrate von unter 5% zum Ausdruck. Zugleich investiert Nemetschek jährlich zwischen 20 und 25% der Umsätze wieder in die Entwicklung neuer hauseigener Produkte, wodurch das Münchener Unternehmen auf beeindruckende Weise seine Marktstellung unter Beweis zu stellen vermag.

Ein prüfender Blick in die Geschäftsbücher des Softwareentwicklers gibt darüber Aufschluss, dass sich dessen Unternehmensstrategie bisher mehr als ausgezahlt hat: Seit 2004 kletterten die Umsatzerlöse von 96,6 auf zuletzt erstaunliche 337,3 Millionen Euro. Aber auch der Gewinn verbesserte sich überproportional von 6,4 auf stolze 46,9 Millionen Euro. Das entsprach zuletzt immerhin einer Gewinnmarge von 13,91%. Nun setzt Nemetschek mit dem Erwerb der "RISA Technologies" verstärkt auf einen der renomiertesten Anbieter von Software für die Tragwerksplanung und Baustatik in den USA: Mit dem Zukauf soll das US-Geschäft im Bauingenieurwesen weiter gestärkt werden. Am europäischen Markt ist Nemetschek bereits mit einer eigenen Baustatik-Software unter der Marke "SCIA" erfolgreich vertreten. Mit dem Deal gedenken die Münchener ihr US-Geschäft anzukurbeln sowie neue Synergiepotenziale zu schaffen.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet man bei "RISA" einen Umsatz von 7,5 Millionen Euro mit gerade einmal 24 Mitarbeitern. Die Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA-Marge) soll in etwa auf dem Nemetschek-Niveau liegen. Zum Vergleich: 2016 erzielte der Münchener Familienkonzern eine EBITDA-Marge von über 26%. Zweifelsohne ist Nemetschek ein hervorragend geführtes Familienunternehmen mit einer beeindruckenden Marktstellung. Allerdings dürfte nach der sensationellen Kursentwicklung der vergangenen Jahre wohl auch hier die Luft etwas dünner werden. Das sehen zumindest einige Analysten so, die sich eingehend mit der Aktie befasst haben. Bei einem erwarteten Gewinn von 1,76 Euro/Aktie liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei immerhin 44. Das durchschnittliche Kursziel der Experten auf Jahressicht liegt denn auch mit 70 Euro mittlerweile gut 10% unter dem aktuellen Kursniveau.

Mein FAZIT: Die Vertriebsstrategie der Firma ist ausgesprochen durchdacht und mündet in einer meist lang anhaltenden, stabilen Kundenbindung. Architekten und Ingenieure erlernen die Software bereits frühzeitig an Hochschulen, auch kostenlose Studentenversionen tragen frühzeitig zur Kundenbindung bei, und mit den in schöner Regelmäßigkeit stattfindenden strategischen Zukäufen im Rücken, ist der Münchener Spezialsoftware-Entwickler für die Zukunft am Markt bestens positioniert. Es gibt also derzeit bei Nemetschek keinen Grund zur Sorge oder gar zu klagen. Wer seine "Hausaufgaben" stets anständig erledigt, der braucht nachher auch keine anstehende "Klassenarbeit" zu fürchten.
Zu Wochenschluß gingen die Nemetschek-Papiere mit einem neuen Jahres- bzw. Allzeithoch bei 78,80 Euro aus dem Markt. Der Himmel am Börsenparkett steht ihnen jetzt zwar auch weiterhin nach oben offen, doch würde es mich nun nicht wirklich wundern, wenn es dort jetzt erst einmal zu Gewinnmitnahmen kommen würde. Laut der Charttechnik könnten die maximal bis in den Bereich um die 70 Euro gehen, dann jedoch dürfte damit Schluß sein, weil dort eine massive Unterstützungslinie verläuft. Wer also mit einem Aktienengagement bei Nemetschek liebäugelt, der sollte abwarten, bis die Aktie, die meines Erachtens zurzeit zu heiß gelaufen ist, wieder etwas an Federn gelassen hat. Für mich jedenfalls wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn das Papier entgegen aller "negativen" Analystenschätzungen gegen Ende es Jahres über 85 Euro notieren würde.
Anmerkungen
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Nemetschek Aktie
Kurs: 54,75€     +5,3% vs. Vortag
Kursentwicklung 3 Monate (Graue Fläche = DAX)  
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armericanoo
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