Kommentar zur Aktie Amazon

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Am 22.10.17
von armericanoo
zu Amazon

Der Online-Gigant setzt auch künftig verstärkt auf Innovationskraft anstatt Margenabhängigkeit ,

Eine aktuelle Bestandsaufnahme:

Wenn etwas den aufmerksamen Beobachter, Kunden, Anleger sowie den IT-Nachwuchs weltweit fasziniert, dann ist es ganz sicher das Rennen der großen – und immer weiter wachsenden – Technologiekonzerne, welche das Silicon Valley und das Börsenparkett beherrschen. Die Rede ist hier in der Hauptsache von Facebook, Google, Apple und Amazon: Jeder der vier Giganten hat ein eigenes Steckenpferd, ist in seinem Stammsegment marktbeherrschend und streckt seine "Sensoren" aus in immer wieder neue Geschäftsfelder.

Besonders deutlich zu beobachten ist das bei Amazon. Als Online-Buchversandhandel gestartet gibt es inzwischen kaum noch ein Produkt, das man nicht über den weltgrößten Internet-Shop bestellen könnte. Das Sortiment ist riesengroß und wird noch zusätzlich erweitert durch die vielen Drittanbieter, welche Amazon.com als Verkaufsplattform nutzen. Doch gerade in den letzten Jahren hat Amazon seinen "Aktionsradius" stark ausgeweitet. Das Abo-Programm "Amazon Prime" ist längst viel mehr als nur eine Versandkostenersparnis für Vielbesteller. Denn die Prime-Kundschaft hat den Zugriff auf eine Auswahl von Filmen und Serien, die es durchaus mit dem "Platzhirsch" Netflix aufnehmen kann (und auch soll).

Der neueste Coup aus dem Hause Amazon nennt sich "Alexa": Ein intelligentes System, gefangen im Körper eines Lautsprechers, das mit säuselnder Siri-Stimme dem beglückten Kunden die Wünsche buchstäblich von den Lippen abliest. Kein lästiges Login mehr, keine Passworteingabe, keine Klicks mehr nötig – dank "Alexa" ist es jetzt sogar möglich, mit Amazon zu sprechen: Etwaige Bestellungen werden mündlich - ohne den sonst üblichen Aufwand - wie nebenbei aufgegeben. Für Amazon hat das den positiven Begleiteffekt, dass so wesentlich mehr eingekauft wird als früher. Wer einen smarten Mikrophon-Lautsprecher-Mix im Wohnzimmer stehen hat, der bestellt bereits jetzt annähernd dreimal so viel wie die übrigen Amazon-Kunden. Und in Zukunft dürften es noch weit mehr werden: Noch mehr Alexa-Besitzer, und noch mehr Bestellorder pro Alexa-Besitzer.

Künftig werden neben Büchern, Elektronikartikeln und Haushaltsgeräten ebenso Lebensmittel eine immer gewichtigere Rolle spielen beim "Amazon-Shoppingerlebnis": Es ist noch nicht allzu lange her, da hat Amazon eine US-Bioladenkette aufgekauft und sich dadurch immerhin den Zugang zu den gut sittuierten und gesundheitsbewussten Amerikanern verschafft. Ein Geschäftsfeld, das stabile Milliardenumsätze verspricht, wenn es sich erst einmal auf breiter Ebene durchgesetzt hat. Den "Löwenanteil" der Umsätze macht mittlerweile ein Bereich aus, den der überwiegende Teil der "Ottonormalverbraucher" bei Amazon wohl kaum auf dem Schirm hat: IT- und Cloudangebote für Geschäftskunden. In der vergangenen Jahresbilanz hatte diese Sparte den Onlineshop nicht nur überholt, sondern regelrecht in seine Schranken verwiesen. Dies ist ein weiteres Indiz für die Vielseitigkeit des Online-Giganten.

Der fulminante Erfolg basiert zum Großteil auf die Courage des Firmengründers Jeff Bezos, immer wieder Neues auszuprobieren, anstatt wie viele andere erst einmal der "Vogel-Strauß-Taktik" zu frönen. Denn wenn etwas tatsächlich Innovationen in sich birgt, dann ist es der Mut zum kalkulierten Risiko, der ein Unternehmen auf Dauer voranbringt. Ganz im Gegensatz zu Apple, das seinen Erfolg vor allem in Gewinnmargen misst und dadurch überproportional stark vom iPhone abhängig macht, spielt bei Amazon doch der unterm Strich ausgewiesene Gewinn seit jeher eine untergeordnete Rolle. Der Wachstum verläuft hier über Innovation und Reichweite – und die Anleger wissen dies zu schätzen und lieben es. Für einige Marktbeobachter ist es bereits beschlossene Sache, dass Amazon Apple schon bald in Sachen Marktkapitalisierung den Rang ablaufen könnte - also noch vor der "iPhone"-Schmiede als erster Konzern überhaupt die magische Marke von 1-Billion-US-Dollar "knacken" wird.

Mein FAZIT: Bislang liegt der Börsenwert von Amazon bei etwa 460 Milliarden US-Dollar, während Apple mit 795 Milliarden US-Dollar der nächsten Schwelle schon deutlich näher ist. Doch die Innovationskraft von Apple scheint begrenzt und vor allem auf "iPhone-Finessen" fokussiert. Amazon dagegen denkt da in viel größeren Dimensionen.
Seit seinem Jahreshoch von Ende Juli, als das Amazon-Papier fast 1.083 US-$ kostete, hat es sich in jüngster Zeit ein gutes Stück weit entfernt und scheitert seitdem immer wieder an der 1.000-Dollar-Marke. Mit einem Wertzuwachs auf Jahressicht von annähernd 22 % weist die Aktie aber immer noch ein äußerst passabeles Plus aus. Schenkt man dem überwiegenden Teil des Analystenheers Glauben, so steht der Aktie noch diesjährig der signifikante Ausbruch darüber bevor: Nahezu einstimmig raten sie zum Kauf und trauen den Amazon-Anteilsscheinen mehrheitlich noch Kurse zwischen 1.100 und 1.200 Dollar zu, es befinden sich aber auch vereinzelte Stimmen darunter, die jene Ende des Jahres zwischen sage und schreibe 1.300 bis zu 1.400 US-Dollar notieren sehen. Ich hingegen schätze einmal, dass diejenigen mit der erstgenannten Kurs-Vorhersage goldrichtig liegen könnten.
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