Kommentar zur Aktie Alphabet (Google)

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Am 23.11.17
von armericanoo
zu Alphabet (Google)

Weshalb "Google" Milliarden in den Uber-Konkurrenten Lyft investiert

KURZES FIRMENPROFIL:

Alphabet Inc. (vormals Google Inc.) ist eine global agierende Holding, die unter ihrem Dach verschiedene Tochterunternehmen verwaltet. Die größte davon ist Google – die Online-Suchmaschine wird weltweit am häufigsten verwendet und in mehr als 130 verschiedenen Sprachen angeboten. Die zahlreichen Produkte rund um Google haben das Ziel, Menschen miteinander zu verbinden, indem man ihnen das riesige Informationsangebot des Internets zugänglich macht. Zu den angebotenen Applikationen gehören z. B. der Emaildienst "Google Mail", die Social-Network-Plattform "Google+" sowie der Webbrowser "Google Chrome". Das geografische Produktangebot umfasst den Kartendienst "Google Maps", den Locationdienst "Google Local Search" und die Satellitenkarten von "Google Earth", für die der Konzern gezielt Reiseratgeber aufkauft. Über die Anwendung "Indoor-Maps" können zudem Innenraumkarten für Flughäfen, Museen, Einkaufszentren und Veranstaltungshallen eingesehen werden. Außerdem ist das Unternehmen im Hard- und Softwaremarkt für Smartphones und Tabletcomputer aktiv, welche es mit dem Betriebssystem "Android" und eigenen Smartphones wie dem "Nexus" bedient. Die Innovationen des Unternehmens in der Suchmaschinen-, Smartphone- und Internetwerbungsindustrie haben Google zu einer der weltweit bekanntesten Trademark gemacht. Außerdem zählen zur Alphabet-Holding auch das Bio-Unternehmen "Calico" oder das Technologieunternehmen "NestLabs". Im Oktober 2015 wurde der Konzern "Alphabet" gegründet und löste damit den bis dahin bestehenden Namen "Google" ab – dadurch sollen die einzelnen Unternehmensteile wie das Web-Geschäft (laufen alle weiterhin unter der Bezeichnung "Google") oder die Entwicklung selbstfahrender Autos unabhängiger als einzelne Tochtergesellschaften arbeiten können. Bei dieser Gelegenheit wurden denn auch gleich einmal die Google-Aktien allesamt in Alphabet-Aktien umgewandelt.


Google war einer der ersten Investoren in "Uber", dem bis dato teuersten Start-Up der Welt. Umso überraschter waren denn auch die Anleger Mitte Oktober über die Ankündigung des Finanzierungsarms des Google-Mutterkonzerns Alphabet (Capital G), in den Uber-Konkurrenten "Lyft" massiv investieren zu wollen. Tatsächlich haben Capital G sowie einige andere Investoren mittlerweile rund 1 Mrd. US-$ in den Mitfahrdienst "Lyft" gesteckt, wodurch der Uber-Konkurrent zuletzt mit annähernd 11 Mrd. US-$ bewertet wurde. Unterdessen beginnen sich viele zu fragen, weshalb Google ausgerechnet in "Lyft" einsteigt, hatte der Internetkonzern doch bislang den Marktführer "Uber" diesbezüglich seine finanzielle Gunst erwiesen.

Die Google-Sparte "Waymo" - welche sich auf die Entwicklung von selbstfahrenden Autos und einem entsprechenden "Taxi-Service" konzentriert - liegt seit geraumer Zeit mächtig in Clinch mit Uber. Zu Jahresbeginn hat die Google-Tochter "Waymo" noch eine Klage gegen Uber angestrengt und darin eine Milliarde US-$ Schadensersatz vom "Taxi-Schreck" gefordert wegen des Diebstahls von Technologien und Firmengeheimnissen. Uber hat zwar den betreffenden Mitarbeiter bzw. Projekt-Leiter Anthony Levandowski, der zuvor für Google tätig war, flugs entlassen, doch wehrt sich der "App-Entwickler" nun gegen die horrende Milliardenklage der Google-Tochter. Durch die Klage gedenkt "Waymo" aber nicht bloß eine finanzielle Entschädigung einzufordern, sondern damit vor allem auch sicherzustellen, dass Uber "Waymo-Technologie" nicht etwa in seinen hauseigenen Produkten verwendet.

Dagegen machte Uber-Konkurrent Lyft zuletzt große Fortschritte. Allein im Vorjahr verdreifachten sich bei Lyft die vermittelten Mitfahrten von 53 Millionen in 2015 auf rund 160 Millionen bis Ende 2016. Auch im laufenden Geschäftsjahr blieb Lyft weiter auf Expansionskurs und baute seine Operationen in den USA um mehr als 50 % in den ersten neun Monaten aus. Damit steht der Lyft-Mitfahrservice in den USA für 95 % der US-Einwohner zur Verfügung. Lyft-Fahrer erzielten im zweiten Quartal 2017 einen geschätzten Umsatz von mehr als 1,0 Mrd. US-$, einen Zuwachs von immerhin 25 % gegenüber dem vergangenem Quartal. Laut Marktbeobachtern wuchs Lyft damit schneller als sein härtester Widersacher am Markt Uber.

Lyft und ebenso Uber kassieren 20 bis 30 % von den Bruttobuchungen der Fahrer als Provision, was im Fall von Lyft einen Umsatz zwischen 200 und 300 Mio. US-$ im zweiten Quartal 2017 bedeuten würde. Während der Umsatz sowohl bei Uber als auch bei Lyft weiter mächtig anzieht, schreiben beide Mitfahrdienst-Betreiber noch immer rote Zahlen im dreistelligen Millionenbereich. Dies bedeutet, dass beide Firmen dringend einen finanzstarken Partner benötigen - und hier eben kommt nun Google bzw. Alphabet mit ins Spiel.

Daher macht das Investment von Google in Lyft auch für beide Firmen Sinn, betreibt die Google-Tochter "Waymo" zwar erste selbstfahrende Roboter-Autos, hat aber bisher noch keine populäre "Mitfahr-App" wie Uber und Lyft im Angebot. Lyft hinkt bislang noch etwas hinterher, was Technologien rund um das "Autonome Fahren" betrifft. Nicht zuletzt aus diesem Grund schloss Lyft im Mai dieses Jahres eine Kooperation mit der Google-Tochter, um mit Waymo im Bereich Autonomes Fahren eine engere Kooperation eingehen zu können.

Mein FAZIT: Der Anleger kann daher wohl auch in Zukunft mit der Fortsetzung der engen Geschäftsbeziehungen der beiden Unternehmen rechnen. was jedoch nicht zwingend heißen muss, dass der Suchmaschinen-Gigant sich den Uber-Konkurrenten eines schönen Tages auch einverleiben wird. Vielmehr zieht das Lyft-Management selbst einen baldigen Börsengang in Erwägung, der voraussichtlich im nächsten Jahr über die Bühne gehen soll – das wäre immerhin ein Jahr früher als das geplante "Initial Public Offering" (ICO) von Uber.
Kurzum: Das Google-Investment hilft Lyft bei der Expansion seines Service-Angebots, gleichzeitig kann die Google-Tochter Waymo die Herausforderungen mit der Kommerzialisierung seines Angebots mit der Lyft-Partnerschaft möglicherweise lösen. Insgesamt steht viel Geld auf dem Spiel, denn der Markt für Mitfahrdienste dürfte bis zum Jahr 2030 auf ein Volumen von 285 Mrd. US-$ klettern, so die Prognosen von Goldman Sachs. Durch die Partnerschaft mit Lyft bringt sich Google in die "Pole Position", um von diesem gigantischen Zukunftsmarkt entsprechend partizipieren zu können.
Was die Alphabeth-Aktie anbelangt, so liegt sie heute mit knapp 875 Euro nur unwesentlich unter ihrem Allzeithoch vom 8.11. bei 894,25 Euro. Es sollte wohl echt mit dem Teufel zugehen, wenn wir da im Zuge der alljährlichen "Weihnachtsrally" am Ende des Jahres nicht die 900 Euro-Marke "knacken" würden - es sei denn der erst heute bekannt gewordene "Kundendatenklau" bei Uber, der bereits letztes Jahr stattgefunden hat, macht den Anlegern diesbezüglich keinen Strich durch die Rechnung.
Anmerkungen
armericanoo am 25.11.17 15:08 Uhr
...vielen Dank dafür, dass du nicht denen gehörst, die nur darauf zu warten scheinen, bis ich wieder einen neuen Kommentar abgefasst habe, um ihm dann aus Neid sofort mit einem "mittelmäßig" oder gar "uninteressant" zu brandmarken.
armericanoo am 25.11.17 15:02 Uhr
Hallo! "Error!", ...erwischt! Kann in "der Hitze des Schreibprozesses" schon mal passieren! Quellenangabe: Fehlanzeige! Aus gutem Grund - worauf ich an dieser Stelle aber nicht näher einzugehen gedenke. Gelobe bezüglich meiner Recherchen Besserung!
Paul-McCarty am 24.11.17 16:15 Uhr
In wieweit kann man also mit einem Einfluss auf den Aktienwert rechnen? Ps: Bei solchen genauen Zahlen bitte immer Quellen verlinken/nennen
Paul-McCarty am 24.11.17 16:13 Uhr
Ein interessanter Kommentar. Schön geschrieben und gut strukturiert. Fraglich in meinen Augen: Themensetzung Mit einem Umsatz von 28 Milliarden Dollar allein in 3Q/17(Informunity), erscheint die Investition von 1 Millarden Dollar fast lächerlich.
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.