Kommentar vom 26.11.17
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Investorarmericanoo
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Tesla-Aktie: Bringt der neue "E-Truck" die erhoffte Trendwende?
Der 2003 in San Carlos, Kalifornien, gegründete Elektroauto-Pionier Tesla hat vor einigen Tagen erstmals seinen E-Lastwagen „Tesla Semi“ einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert – und hofft nun verzweifelt auf einen Erfolg seines neuesten Modells. Den braucht es auch dringend, denn spätestens seit es in der Produktionskette des "Model 3" im Sommer zu weiteren Produktionsengpässen kam, steht auch die Tesla-Aktie stark unter Abgabedruck an der Börse, hat das Unternehmen doch gerade einmal 220 Fahrzeuge dieser Baureihe im abgelaufenen 3. Quartal ausliefern können. Damit wurde auch die hausinterne Zielvorgabe von 1.500 Produktionseinheiten bei weitem unterschritten.


1.) Tesla Aktie: Enttäuschung über "Model 3"- Flaute

Kein Wunder also, dass die Tesla-Anteilsscheine ihren Abwärtstrend seither beschleunigten, waren mit dem "Model 3" doch große Hoffnungen verknüpft gewesen, das damit womöglich der Schritt vom Nischenangebot im Luxussegment in Richtung massentaugliches, weil erschwingliches E-Auto der Mittelklasse, hätte gelingen können. Immer weiter hochgepeitscht wurde der Aktienkurs durch hunderttausende Vorbestellungen (mit Anzahlung), welche Tesla von der interessierten Kundschaft aus aller Welt entgegennehmen konnte. Doch indes ist die gute Laune unter den Interessenten merklich abgekühlt - aber vor allem bei den Investoren. Immer mehr von ihnen wetten mittlerweile auf einen regelrechten Absturz der Tesla-Aktie. Und wenn die Produktion nicht bald in verlässliche Bahnen gelenkt wird, an Fahrt gewinnt, dann muss Tesla mächtig aufpassen, seinen hart erkämpften Marktvorsprung vor der Konkurrenz nicht schon bald auch noch vollends zu verspielen. Immerhin planen die konvensionellen Autobauer von BMW bis VW innerhalb der nächsten Jahre ebenso, ihre Fahrzeugflotten wesentlich stärker als bisher durch E-Alternativen "aufzurüsten".


2.) Bringt der "E-Truck" die erhoffte Trendwende?

Daher setzt man bei Tesla nun verstärkt auf den E-Truck und betritt damit gänzlich "Neuland". Denn das Geschäft läuft hier anders: Für Sportwagen und Luxuslimousinen finden sich immer wohlhabende Abnehmer, die bereit sind, für ein solches Statussymbol tief in die Tasche zu greifen. Doch Spediteure ticken da etwas anders. "Coolness" sowie "Image" sind denen so ziemlich eagl, für sie zählen vielmehr die anfallenden Kosten: Anschaffung, Unterhalt, Reparaturen, Verbrauch, solcherlei Dinge. Die Branche kalkuliert hart und dreht bekanntlich jeden Cent zweimal um. Daran wird man sich auch im Hause Tesla erst einmal gewöhnen müssen.
Denn in erster Linie trumpft der "Tesla Semi" nämlich mit seiner innovativen Optik auf: Front- und Seitenscheiben gehen ineinander über, und der Fahrzeugführer sitzt nicht mehr seitlich, sondern in der Mitte, umgeben von Bildschirmen, welche längst die klassischen Armaturen ersetzt haben. Bei Tesla muss es eben immer extravagant zugehen, es muss den Interessenten auf Anhieb auffallen, dass es sich beim Elektro-Lastkraftwagen aus ihrem Hause um ein ganz besonderes, außergewöhnliches Konstrukt handelt.


3.) "Tesla Semi" muss sich erst noch am Markt bewähren

Aber auch die knallharten Fakten hat Tesla-Chef Elon Musk für das noch sehr skeptische Spediteur-Klientel aufbereitet: So soll jene Frontscheibe unempfindlich sein gegen etwaige Kratzer, bei herkömmlichen LKW's muss sie des öfteren ausgetauscht werden und stellt damit über die Jahre einen immensen Kostenfaktor für die Speditionsbranche dar. Die Reichweite einer Batterieladung soll für etwa 800 Kilometer reichen, und die Aufladung derselben wäre angeblich in einer „längeren Pinkelpause“ möglich, so CEO Elon Musk. Auf den ersten Blick klingt das alles ein bisschen zu euphorisch, ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Ob sich diese Werte im Alltagsgebrauch dann auch bestätigen lassen, das wird erst noch in der Praxis zu beweisen sein. Doch damit es erst dazu kommen kann, dafür braucht der Elektro-LKW "Semi" erst einmal genügend Abnehmer.


Mein FAZIT: Ich hingegen weiss noch nicht so recht, was ich von Musks neuester Zukunftsvision halten soll! Die Anleger anscheinend auch nicht, da die Papiere auch einige Tage nach der Präsentation des neuesten Elektrovehikels aus dem Hause Tesla bloß sehr verhalten darauf reagiert haben - sie bewegen sich in einer sehr engen "Range" seitwärts. Vergangenen Freitag ging die Aktie denn auch mit 263,30 Euro aus dem Börsenhandel. Die Charttechnik verheißt für die Anteilsscheine momentan auch nicht viel Kurspotential: demzufolge hätte sie noch "Luft" bis in die Gefilde um die 280 Euro. Dort jedoch dürfte dann erst einmal der "Deckel" drauf sein, da dort ein massiver Widerstand auf sie wartet, den sie wohl so schnell nicht "knacken" dürfte - es sei denn, das Tesla-Management würde zur Abwechslung einmal in der Lage sein, seine eigenen Prognosen in die Tat umzusetzen, anstatt sie am Ende immer bloß wieder nach unten revidieren zu müssen. Sie notiert mit knapp 264 Euro oder 312 Dollar zwar immer noch gut 40 Prozent höher als noch vor einem Jahr, sie hat sich jedoch von ihrem Jahreshoch bei gut 346 Euro bzw. 390 US-Dollar aber bereits ziemlich weit entfernt. Für mich stellt die Tesla-Aktie derzeit KEIN lohnendes Investment dar.
Anmerkungen
Die Erschließung eines neuen Marktes(LKW) scheint in diesem Fall, ein für den Aktienkurs relevanter Schritt zu sein. Deine Bewertung ist objektiv, ausgeglichen und nachvollziehbar. Ein sehr interessanter Kommentar.
Paul-McCarty
29.11.17 16:08 Uhr
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.