Kommentar zur Aktie Evotec

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Am 23.12.17
von armericanoo
zu Evotec

Deutsche Biotech-Schmiede stotzt und sprüht durch einzigartiges Geschäftsprofil vor Leben

Kurzes Firmenprofil:

Die Evotec AG zählt zu den global führenden Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen. Die Biotech-Firma ist auf Neurowissenschaften, Schmerz, Stoffwechsel- und Entzündungskrankheiten sowie Onkologie spezialisiert. Das Kerngeschäft bildet die Wirkstoffforschung, welche in Kooperation mit Partnerunternehmen aus der Pharma- und Biotechnologieindustrie realisiert wird. Den Unternehmen, die ihre Wirkstoffentwicklung auszulagern gedenken, werden hochwertige Lösungen und Dienstleistungen in jenem Bereich angeboten. Evotec übernimmt dabei alle Aktivitäten bis hin zur klinischen Entwicklung. Das Unternehmen unterhält langjährige Forschungsallianzen mit den größten Pharma-Unternehmen wie Bayer, Boehringer Ingelheim, CHDI, Genentech, Janssen Pharmaceuticals, MedImmune/AstraZeneca oder Ono Pharmaceutical sowie mit der Havard University zur Erforschung neuer Wirkstoffe.
Es wird ein Wachstum des Konzernumsatzes von mehr als 15% in 2017 erwartet (2016: 164,5 Mio. EUR). Die Umsatzprognose ab 2017 basiert auf dem Gesamtumsatz des Konzerns und nicht länger auf dem Basisumsatz (vor Umsätzen aus Meilensteinen, Abschlagszahlungen und Lizenzen). Zudem werden Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in 2017 von etwa 20 Mio. EUR und somit auf ähnlichem Niveau wie 2016 erwartet (2016: 18,1 Mio. EUR). Das bereinigte Konzern-EBITDA soll in 2017 gegenüber 2016 signifikant ansteigen (2016: 36,2 Mio. EUR).


In Sachen Kursperformance mögen der Dax-30 oder M-Dax den Anleger erfreuen, doch die tatsächliche "Musik" spielt ohne Zweifel im Tec-Dax. Nahezu 200% konnte jener in den vergangenen fünf Jahren an Wertzuwachs zulegen – und übertraf damit - man höre und staune! - sogar den Nasdaq. Maßgeblichen Anteil daran haben Biotech-Titel wie Morphosys oder Evotec. Beide beschäftigen sich mit der Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe und Therapieformen für diverse Krankheitsbilder. Im Vergleich könnte man die Evotec-Akie mit einer Marktkapitalisierung von 1,81 Mrd. € als die "kleinere" Schwester von der Morphsys-Aktie bezeichnen, in Bezug auf Umsatz und Gewinn ist sie jedoch eher die "größere". 2016 liefen 164,51 Mio. € durch die Bücher des Hamburger Unternehmens, wovon unterm Strich 27,53 Mio. € im Unternehmen bleiben. Verglichen mit 2015 hat der Gewinn sogar doppelt so stark zugelegt wie die Umsätze.

Erfreulich ist dies vor allem mit Blick auf die Vorjahre. 2008 lag der Verlust bei Evotech noch bei 78,3 Mio. €, 2013 waren es nach zuvor leichten Gewinnen noch einmal ein Minus in Höhe von 25,4 Mio. €. Von da an jedoch ging es dann kontinuierlich recht deutlich in die Gewinnzone. Auf Zehnjahressicht brachte die Evotec-Aktie dem Anleger über 400 % Kursplus. In 2016 zog sie sehr steil an, erreichte im Jahr darauf einen Spitzenwert von über 22 €, wovon sie dann allerdings wieder ziemlich rasch gut 30 % ihrer Gewinne abgeben musste In diesem Zusammenhang ist es wohl sehr wahrscheinlich, dass der zuvor horrende Kursanstieg auch sogenannte "Shorties" auf den Plan rief, welche mit ihren "Leerverkäufen" oder "Put-Optionen" den Evotech-Kurs so rasant auf "Tauchstation" schickten. Erst eine erneute "Meilensteinzahlung" des Kooperationspartners Boehringer Ingelheim sorgte danach für etwas Entspannung bei den erhitzten Gemütern am Aktienmarkt. Die Anteilsscheine von Morphosys weisen in diesem Zeitraum einen nahezu identischen Verlauf auf. Dass der Kurs nach einer kräftigen Konsolidierung wieder zu neuen Höhen aufstieg, dies könnte auch für die Evotech-Aktie ein gutes Omen sein: Immerhin hat Morphosys zuletzt sogar mit einem Verlust von 60 Mio. € die Markterwartungen zu enttäuschen gewusst.

Der Geschäftsverlauf von Evotec ist dagegen von dynamischer Natur. Eine Kooperation folgt auf die nächste. Kooperationen bei der Wirkstoffforschung mit anderen Biotech- und Pharmaunternehmen, die eben gerade jene Geschäftssparten auslagern, sind ja deren Kerngeschäft. Evotec übernimmt dabei als Spezialist alle Aktivitäten bis hin zur klinischen Entwicklung – und kauft unterdessen auch noch andere Konkurrenz-Firmen auf. Zu den zahlreichen Kooperationspartnern gehören unter anderem Boehringer Ingelheim, Genentech, Novartis, Pfizer, Roche oder Sanofi. Die Forschung bezieht sich auf klinische Bereiche wie Neurowissenschaften, Diabetes und Diabetesfolgeerkrankungen, Schmerz und Entzündungskrankheiten, Onkologie und Infektionskrankheiten. Mit diesem Profil ist Evotec der Konkurrenz meilenweit voraus. Laut Management-Angeben hat man mittlerweile über 80 solcher Partnerprogramme am Laufen.

Mein FAZIT: Bis zu einem Börsenwert von rund 6 Mrd. € finden sich in der internationalen Peer Group zur Evotec-Aktie neben Morphosys auch BB Biotech und Qiagen. In der Gruppe macht Evotec nach Geschäftszahlen eine ausgesprochen gute Figur. Die Schweizer BB Biotech kommt mit zuletzt historisch niedrigen Umsätzen von 11,58 Mio. CHF auf einen Verlust von ganzen 802 Mio. CHF. Und Qiagen erzielte 2016 mit neun Mal höheren Umsätzen einen nur drei Mal höheren Gewinn. Ein Vergleich zu Globalplayern wie Amgen, Novartis oder Pfizer wäre allerdings schon wegen des Größenunterschiedes wenig aussagekräftig.
Mit Blick auf die Kursentwicklung zeigt sich jedoch, dass die Evotec-Aktie auf fünf Jahre gesehen nicht volatiler läuft als etwa das Papier von Novartis, Qiagen und Amgen indes zeigen deutlich stärkere und häufigere Kursausschläge. Evotec ist offensichtlich auf einem sehr guten Weg in die Zukunft. Unkenrufe, die Aktie sei höchst spekulativ oder gar zu einem "Zockerpapier" verkommen, werden ganz sicher aus Kreisen kolportiert, die mit solch einem hirn- und haltlosen mentalen Gewäsch die Evotech-Aktie zum Abturz bringen wollen, um so wieder günstiger in sie einsteigen zu können. Auch so etwas gehört ja im Börsenhandel fast schon zum Tagesgeschäft. Aber auch die momentane "Durststrecke" der Anteilsscheine wird sich nach und nach wieder geben, und irgendwann, in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft, wird auch der aktuelle stärkere Kursrücksetzer in den Evotech-Annalen bloß noch eine kleinere Randnotiz darstellen - wenn überhaupt. Denn merke: Was nicht kleinzukriegen ist, dass ist zweifelsohne zu Höherem berufen!
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