Kommentar zur Aktie Tesla

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Am 07.01.18
von armericanoo
zu Tesla

Droht dem Diesel-LKW durch den Elektro-"Semi" das vorzeitige, endgültige Aus?

Mitte November präsentierte Tesla der Öffentlickeit mit dem Tesla "Semi" erstmals einen Elektro-Laster. Damit steigt Tesla in einen neuen Markt ein, der sich nach Angaben von Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi auf 1 Millionen Einheiten im Jahr summieren könnte – also ein potenzieller Milliardenmarkt. Doch viele Anleger und auch Analysten fragen sich, ob die kalifornische Technologieschmiede mit seinem neuen Elektro-LKW wirklich konkurrenzfähig zu den zahlreichen Diesel-LKWs ist, die noch immer die Straßen bevölkern. Dazu lohnt ein genauerer Blick auf den Tesla "Semi": Jener ist mit drei Elektromotoren ausgerüstet und schafft mit einer Akku-Ladung und maximaler Zuladung bis zu 500 Meilen (ca. 805 Kilometer). Durch die von Tesla noch zu bauenden neuen Ladestationen (Megacharger) soll deren Elektro-LKW in 30 Minuten wieder bis zu 400 Meilen (ca. 643 Kilometer) Strom „tanken“ können.

Aber auch die Beschleunigungswerte können sich sehen lassen: Ohne Anhänger schafft der Tesla Semi die Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen (96 km/h) in 5 Sekunden, mit einer maximalen Zuladung (ca. 36,2 Tonnen) benötigt der Elektro-LKW für diesen "Spurt" ganze 20 Sekunden. Der Tesla "Semi" kommt außerdem mit einem beachtlichen Sicherheitspaket daher. Die Windschutzscheibe ist aus Sicherheitsglas, zudem sollen spezielle Sensoren verhindern, dass das Fahrzeuggespann instabil wird. Ferner besitzt das Elektro-Kraftpaket einen erweiterten Autopiloten, und neben dem automatischen Notbrems-Assistenten ist auch ein Spurhalte-Assistent mit an Bord. Später soll sich das neue Tesla-Vehicel dann auch noch vollautonom fortbewegen können. Tesla bietet den Elektro-LKW in der Basisversion (482 Kilometer Reichweite) für 150.000 US-$ an, die Long Range Version (805 Kilometer) ist ab 180.000 US-$ zu haben, während die Founders Series gut 200.000 US-$ kostet.

Preislich bewegt sich der Tesla "Semi" damit etwas über den Anschaffungskosten moderner Diesel-LKWs, die zwischen 100.000 und 150.000 US-$ kosten. Überdies müssen Vorbesteller dafür eine Reservierungsgebühr von 20.000 US-$ hinterlegen. Trotzdem ist das Interesse an dem neuen Elektro-LKW aus dem Hause Tesla groß. Neben der Deutsche Post Tochter DHL, haben auch der Biergigant Anheuser-Busch sowie der Lebensmittelieferant Sysco mehrere Tesla-Semi Elektro-LKWs vorbestellt. Auch der Getränkehersteller PepsiCo hat 100 Tesla Semi Trucks geordert, wodurch sich die Zahl der Vorbestellungen mittlerweile auf 268 summiert. Produziert werden soll der Elektro-LKW aber erst in 2019. Die Analysten bei Morgan Stanley gehen davon aus, dass der Tesla "Semi" aber frühestens 2020 auf den Markt kommen wird.

Nach Tesla-Angaben soll der "Semi" bei Volllast weniger als zwei Kilowattstunden Strom/Meile verbrauchen. Die durchschnittlichen Betriebskosten beziffert Tesla-Chef Elon Musk auf 1,26 US-$/ Meile, während jene bei einem Diesel-LKW bei ca. 1,51 US-$/ Meile angesiedelt sind. Mit einer Reichweite von etwa 800 Kilometern deckt Tesla etwa 80 % des Marktes ab, denn die typischen Transportwege bei Frachtgütern bewegen sich auf gerade einmal 250 Meilen. Bei leicht höheren Anschaffungskosten weist der "Semi" jedoch deutlich bessere Fahrleistungen und günstigere Betriebskosten im Vergleich zum Diesel-LKW auf.

Mein FAZIT: Rein theoretisch könnte der Elektro-Truck von Tesla die Diesel-LKW's also getrost in Rente schicken, wenn es da nicht dieses eine große Fragezeichen gäbe: Kann Tesla auch zum geplanten Termin liefern? Zuletzt verhinderten erneute Probleme in der Produktion, dass Tesla die Lieferziele für das "Model 3" deutlich unterschritt. Zudem verbrennt Tesla weiterhin sehr viel Geld – immerhin ca. 1 Mrd. US-$ pro Quartal! Anleger werden sich daher vermutlich auf einen weiteren Kapitalbedarf bei Tesla einstellen müssen, sollten die Kalifornier ihre ambitionierten Ziele tatsächlich in die Tat umsetzen wollen.
Der springende Punkt bei der jüngsten Präsentation des Tesla "Semi" ist aber ein anderer: Die angegebenen Reichweiten und Aufladezeiten sind mit der aktuellen Akku-Technik physikalisch nicht zu erreichen. Industrieexperten mutmaßen daher, dass Tesla diesbezüglich eine Art Durchbruch bei der Akku-Technik gelungen sein muss. Kurzum: Kann Tesla liefern, so wird es eng für die inzwischen breitgefächerte Konkurrenz. Die Zukunft wird den Elektro-LKWs gehören - nicht nur mit Blick auf die ohnehin schon arg gebeutelte Umwelt, sondern vor allem wegen der Betriebskosten, die dort niedriger ausfallen als bei den Diesel-LKWs. Und sollte der Ölpreis weiter so rasant ansteigen, wie dies in den letzten Monaten der Fall war, so dürfte sich die Logistikbranche schon um einiges früher vom "Dinosaurier" Diesel-LKW verabschieden. Tesla würde der Nutznießer einer solchen Entwicklung sein – wenn Elon Musk und sein Team sich in punkto Lieferung nicht wieder selbst ein Bein stellt.
Bezüglich der Tesla-Aktie kann ich es heute ungewohnt kurz machen: Finger weg! Denn auch die Charttechnik verheisst für sie derzeit nichts Gutes: Das Papier notiert momentan bei 262 Euro. Dort verläuft eine massive Unterstützungszone - sollten die Anteilsscheine diese nach unten durchbrechen (und das ist meines Erachtens derzeit wahrscheinlicher als ein Kursanstieg!), so könnte die Tesla-Aktie durchaus bis auf die 240 Euro-Marke "abrutschen"...
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