Kommentar vom 01.02.18
Investorarmericanoo
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Stellt die Übernahme durch Creat auch ein lukratives Geschäft für den Anleger dar?
Die Übernahme des Pharma- und Biotherapeutika-Unternehmens Biotest ist endlich unter Dach und Fach. Gestern Abend teilte der Übernahme-Kandidat denn auch mit, dass die letzte noch bestehende Bedingung für das Übernahme-Angebot von Creat erfüllt sei. Creat hält jetzt ca. 90% der stimmberechtigten Biotest-Stammaktien, und Aktionäre, die das Übernahme-Angebot angenommen haben, erhalten umgehend den Kaufpreis auf ihr Konto überwiesen.

Aus dem sicher geglaubten Übernahmepoker wurde letztlich eine ganz schöne Zitterpartie. Rückblick: Im Mai 2017 einigten sich Creat und Biotest auf eine Übernahme im Volumen von 1,3 Mrd. Euro inklusive der bestehenden Schulden. Da der größte Biotest-Einzelaktionär, die Eigentümerfamilie Schleussner, ihren 51%igen Anteil an stimmberechtigten Aktien ebenso einbringen wollte wie der zweitgrößte stimmberechtigte Aktionär, die Kreissparkasse Bieberach (15%), war das Erreichen der Mindestannahme-Schwelle von 75% eigentlich bloß noch reine Formsache. Kurz vor Annahmefrist war diesbezüglich denn auch alles in trockenen Tüchern und die beiden Verhandlungspartner konnten weiter in Ruhe an dem Übernahme-Abschluss herumfeilen.

Zuerst sah alles nach einem reibungslosen Geschäft aus, bis sich die CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States), ein Ausschuss, der sich bei Übernahmen mit Sicherheitsfragen und US-Interessen beschäftigt, einschaltete und das deutsche Pharma-Unternehmen darüber informierte, dass sie Sicherheitsbedenken bei der Übernahme durch Creat hätte. Die CFIUS musste aber letztlich dem Deal zustimmen, da Biotest seit 10 Jahren in Florida ein Tochterunternehmen unterhält und Plasma-Zentren in diversen US-Bundesstaaten betreibt. Aber ohne das Okay der CFIUS konnte der Deal nun mal nicht abgeschlossen werden, sodass sich die beiden geschäftsführenden Delegationen eine entsprechende Lösung einfallen lassen mussten.

Für die Übernahme-Freigabe kam Creat nicht umhin, dass komplette US-Geschäft von Biotest zu verkaufen. Mit rund 20% Umsatzbeitrag ist die Relevanz des US-Geschäfts nicht zu unterschätzen. Die Biotest-Ertragskraft – und somit auch der Wert für den Käufer – verringerte sich dadurch also deutlich, was für Creat offenbar aber kein Hindernis darstellte, um den geplanten Deal mit Biotest dennoch abzuschließen. Nun heißt es wohl: Ende gut, alles gut! Anleger, welche das Übernahme-Angebot in Höhe von 28,50 Euro/Anteilsschein annahmen, bekommen jetzt von Creat ihr Geld überwiesen. Somit enthält die Offerte einen Prämienaufschlag in Höhe von stolzen 43% auf den Preis vor Bekanntwerden der Übernahme-Pläne.

Jene Anleger, welche die im S-DAX gelistete, liquidere Biotest-Vorzugsaktie besaßen, und das Übernahme-Angebot annahmen, erhalten nun 19,- Euro/ Anteilsschein. Der große Preisunterschied ist dem Stimmrecht geschuldet, das zu Beginn des Übernahme-Prozesses wichtiger ist. Vorzugsaktionäre, die das Übernahme-Angebot ausschlugen, liegen jetzt deutlich im Plus und können auch auf weitere Gewinne hoffen. Inzwischen zeigt sich, dass auch jene Aktionäre von dem Deal profitiert haben, welche die Offerte für die Vorzugsaktie ausgeschlagen haben. Die Aktie wechselt heute zu Kursen oberhalb von 25,40 Euro ihren Besitzer. Dass sich die Kurslücke zum Angebotspreis für die Stammaktie schließt, ist dabei nicht weiter verwunderlich. Immerhin spiegelt die Vorzugsaktie den gleichen Firmenanteil wider wie die Stammaktie.

Mein FAZIT: Die Gerichte haben bei zurückliegenden Deals am Ende des Übernahme-Prozesses geurteilt, dass der Wert der Vorzugsaktie nicht zu weit weg vom Wert der Stammaktie liegen darf und diesbezüglich recht häufig eine Nachbesserung zur Auflage gemacht. Oft wurde sogar geurteilt, dass für beide Gattungen der gleiche Preis gezahlt werden musse. Wer also an der Investition festhielt, wurde für sein Durchhaltevermögen belohnt und kann unter Umständen am Ende des Übernahme-Prozesses damit rechnen, dass es noch mehr wird. Denn die Stammaktie notiert heute bei 29,40 Euro und damit immer noch gut 15% über dem Kurs der Vorzugsaktie.
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