Kommentar zur Aktie Qualcomm

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Am 13.03.18
von armericanoo
zu Qualcomm

Qualcomm-Übernahme-Poker: Wer "schluckt" hier letztlich wen, wann zuerst - und warum?

Ohne Zweifel gehört das Übernahme-Geschäft zu den spannendsten Börsen-Themen. Nicht bloß weil hier aufsehenerregende Prämien gezahlt werden, sondern auch weil hin und wieder einmal völlig überraschende Wendungen im sogenannten Übernahme-Poker stattfinden.

Ein extrem gutes Beispiel dafür ist die Übernahme von NXP Semiconductor. Eigentlich hätte sie als ein stinknormaler Deal über die Bühne gehen sollen. Doch Chip-Riese Qualcomm entschied sich im Herbst 2016, seinen seinerzeit kleinen Widersacher für 37,3 Mrd. Dollar zu "schlucken". Den Aktionären wurde die Annahme des Angebots wärmstens empfohlen, und zunächst war auch von einem reibungslosen Deal auszugehen - doch letztlich kam es ganz anders. Während Qualcomm fieberhaft am Abschluss der Transaktion arbeitete, stiegen Finanzinvestoren im Gegenzug wie wild in die Aktie des Übernahme-Kandidaten ein und forderten daraufhin einen höheren Verkaufspreis. Mit der Chance auf eine Angebotsnachbesserung stieg denn auch der NXP-Aktienkurs an der Börse über den von Qualcomm zuvor gebotenen Preis. Dies wurde für Qualcomm zum Problem, denn damit war es für die NXP-Aktionäre nicht mehr lohnenswert, ihre Aktien an den hartnäckigen Kaufinteressenten abzugeben. Und mit immer mehr Aktien in den Händen derer, die mehr zahlten als Qualcomm bot, sank die Chance auf einen Deal zu den bereits vereinbarten Konditionen gegen Null.

Spätestens im Herbst 2017 war klar, dass Qualcomm noch eine Schippe drauflegen muss, wenn der Chip-Gigant den Deal doch noch wie geplant abschließen will. Da NXP mittelfristig einen hohen strategischen Wert für die krisengeschüttelte Qualcomm hatte, war sich die Fachwelt auch einig darüber, dass Qualcomm seine Übernahme-Offerte "nachbessern" würde. Das war seinerzeit jedoch nicht Qualcomms einziges Problem. Neben den ebenfalls noch ausstehenden Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden wurde Qualcomm nämlich plötzlich selbst das Ziel eines Übernahme-Angebots. Der Konkurrent Broadcom gedachte die Schwäche von Qualcomm zu nutzen, indem man seinerseits dem Chip-Riesen ein unaufgefordertes Übernahme-Angebot inklusive Prämie auf den Aktienkurs unter die Nase rieb.

Qualcomm jedoch wollte von der "feindlichen" Übernahme-Offerte Broadcoms nichts wissen - selbst nicht nach einer Angebotsaufstockung, die eine Prämie von 50% auf den ursprünglichen Qualcomm-Aktienkurs enthielt. Doch viele Aktionäre bewerteten den Broadcom-Vorstoß als sehr positiv und setzten deren Management mit der Forderung unter Druck, sich mit Broadcom an den Verhandlungstisch zu setzen, worauf die Unternehmensspitze jedoch mit Ablehnung reagierte. Stattdessen entschied man sich dort, in die Verhandlungsoffensive zu gehen, indem man die NXP-Offerte finanziell weiter aufstockte, in der Hoffnung, durch diesen Schachzug den ungeliebten Bieter Broadcom von seinem Vorhaben abzubringen. Doch anstatt die Verfolgung ihres ambitionierten Plans aufzugeben, wurde der Qualcomm-Angebotspreis von Broadcom lediglich leicht reduziert.

Das Broadcom-Angebot blieb aber auch nach der Preissenkung noch immer für viele Qualcomm-Aktionäre verlockend. Broadcom hatte nämlich bereits im Vorfeld bei den wichtigsten Qualcomm-Anteilseignern vorgefühlt, welcher Übernahme-Preis denen vorschweben würde, und als sich Qualcomm weiterhin gegen den feindlichen Übernahme-Versuch wehrte, ging Broadcom seinerseits dazu über, das "widerspenstige" Qualcomm-Management mit übernahmewilligen Managern zu ersetzen. Auf der Hauptversammlung am vergangenen Dienstag sollte es dann zum geplanten "Umsturz" kommen. Daraus wurde jedoch nichts, da sich für alle Beteiligten völlig unerwartet die Sicherheitsbehörde CFIUS einschaltete, indem sie den Megadeal erst einmal für die nächsten 30 Tage auf Eis legte. Man kann sagen, dass die CFIUS damit die "Management-Umstrukturierung" zunächst einmal vereitelt hat, denn Bloomberg-Informationen zufolge hätten die von Broadcom vorgeschlagenen Manager voraussichtlich eine Mehrheit gefunden.

Mein FAZIT: Während nach wie vor unklar ist, ob der "Broadcomm-Management-Umsturz" dann im kommenden Monat gelingen wird, könnte die "Qualcomm-Verfolgung" dennoch ein jähes Ende finden, wird doch bereits in Fachkreisen gemunkelt, dass der Chip-Riese Intel seinerseits ein Übernahme-Angebot für Broadcom in petto habe. Nach "groß" (Qualcomm) will "mittel" (NXP) und "größer" (Broadcom) will "groß" (Qualcomm), könnte sich dann "riesig" (Intel) "größer" (Broadcom) einverleiben wollen. Spekuliert wird, dass Intel dann sein Vorhaben in die Tat umsetzen könnte, wenn ernsthaft die „Gefahr“ bestünde, dass Broadcom bei Qualcomm doch noch zum Zug kommen sollte. Um nicht einen noch mächtigeren Konkurrenten (Broadcom/Qualcomm) gegenüber zu stehen, könnte Intel sich als sogenannte "Defensiv-Maßnahme" zuvor noch Broadcom einverleiben. Analysten halten das durchaus für möglich, und der Aktienmarkt sieht das offenbar ähnlich, denn seit gut einer Woche geht es mit dem Broadcom-Aktienkurs bloß noch aufwärts, während es mit der Qualcomm-Aktie genau in die entgegengesetzte Richtung geht. Es bleibt also in diesem Sektor weiterhin sehr spannend!
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Qualcomm Aktie
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