Kommentar vom 25.03.18
AktieAmazon
Investorarmericanoo
Bewertung:
Mehr als 10 Bewertungen
hervorragend34%
sehr interessant51%
interessant8%
uninteressant7%
Bisher 81 mal gelesen
Bäume wachsen in lichte Höhen, der Amazon-Aktienkurs dagegen ständig über sich hinaus
"Tausendsassa" Amazon.com macht der Konkurrenz weiter tüchtig Druck: Der einstige Online-Buchhändler hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in immer neue Geschäftsfelder vorgewagt. Zuletzt wurde mit der Tochter Amazon Web Services (AWS) der Markt für Cloud-Services erobert, wodurch Anwendungen nicht mehr direkt auf dem Rechner installiert, sondern über das Netz ausgeliefert werden.

Nun scheint Amazon.com die Logistikbranche im Visier zu haben: Wie jüngst das Wall Street Journal berichtete, will der Online-Versandhändler aus dem US-amerikanischen Seattle (Bundesstaat Washington) mit seinem eigenen Paketdienst „Shipping with Amazon“ (SWA) der renomierten Konkurrenz wie UPS, FedEx & Co das Fürchten lehren. Mit „Shipping with Amazon“ (SWA) gedenkt der "Online-Kraken" offenbar seine eigenen Händler tatkräftig zu unterstützen, die ihre Produkte über die Amazon-Plattform veräußern. Auch wenn noch keine Details zum neuen Serviceangebot bekannt sind, so überrascht dieser Vorstoß des Online-Händlers nicht wirklich.

1.) Amazon ist bereits Logistik-Dienstleister

Der Anleger sollte wissen, dass Amazon schon mit Services wie „Versand durch Amazon“ nicht nur in den USA, sondern indes auch schon länger in Europa mit Präsens glänzt. Über „Versand mit Amazon“ können Hersteller und Dritthändler ihre Handelswaren durch Amazon zustellen lassen, indem sie ihre Produkte einfach an die Amazon Logistikzentren senden – Amazon übernimmt dann den Rest (Lagerung, Versand, Bestellabwicklung etc.). Wissenswert ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass Amazon von der "Air Transport Services Group" inzwischen 20 Boeing 767-Frachtflugzeuge angemietet hat, um Pakete rund um den Globus schneller ausliefern zu können.

2.) Warum Amazon Pakete selbst zustellen will

Doch weshalb gedenkt Amazon eigentlich so viel Geld in die eigene Logistik bzw. Paketzustellung zu investieren? Zum einen natürlich, um mehr Kontrolle über den letzten Weg zum Kunden zu gewinnen, da UPS, FedEx & Co besonders im turbulenten Weihnachtsgeschäft oftmals große Probleme haben, die hohen Paketzahlen zu bewältigen. Darüber hinaus ist es kein Geheimnis, dass Paketdienste vom E-Commerce-Boom in den vergangenen Jahren sehr stark profitiert haben. Doch viele Paketdienste sind einfach durch diesen "Boom" völlig überfordert, weil sie zu Beginn des Internet-Zeitalters den Ausbau der eigenen Infrastruktur regelrecht verschlafen haben. Zum anderen will sich Amazon.com mehr Unabhängigkeit von den anderen Paketdiensten verschaffen, dabei aber zugleich die eigenen Transportkosten so gering wie möglich halten. Je niedriger die Versandkosten, desto mehr bestellt die Kundschaft im Internet bei Amazon.

3.) Bestellabwicklung inklusive Versand - ein Milliardenmarkt

Das Geschäft mit der Bestellabwicklung und dem Eigenversand von Produkten ist längst zu einem ein Milliardenmarkt avanciert. Bei Morgan Stanley taxiert man das Marktvolumen auf 46 Mrd. US-$ in 2017, im laufenden Jahr wird ein weiterer Anstieg auf gigantische 64 Mrd. US-$ erwartet. Im Jahr 2027 dürfte die Branche dann 291 Mrd. US-$/Jahr umsetzen.


Mein FAZIT: Amazon.com nimmt also den neuen Milliardenmarkt fest ins Visier - ein äußerst lukratives Marktumfeld. Deshalb ist es auch nur allzu verständlich, warum der Online-Riese diesen Zukunftsmarkt nicht einfach UPS, FedEx , DHL und anderen Anbietern überlassen will - zumal Amazon.com mit jenem Vorstoß gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Zum einen verschafft sich Amazon dadurch mehr Unabhängigkeit von Drittanbietern, und gleichzeitig kann das Unternehmen auf diese Weise seine eigenen Transportkosten weiter optimieren sowie sich ganz nebenbei auch noch einen neuen Milliardenmarkt erschließen.
Zu der Amazon-Aktie fasse ich mich heute ungewohnt kurz: In Schwächephasen (nach)kaufen, abwarten und bis Ende des Jahres viel (Beruhigungs)Tee trinken! Denn wenn eine Aktie eine sichere Bank genannt werden kann, dann eben eine Amazon, in der meines Erachtens noch jede Menge Kurspotential schlummert, weil dem überaus cleveren Management anscheinend nie die innovativen Zukunftsideen auszugehen scheinen.
Anmerkungen
Es sind noch keine Anmerkungen vorhanden.
Der obige Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider. Informunity übernimmt dafür keine Haftung.