Kommentar zur Aktie Microsoft

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Am 07.06.18
von armericanoo
zu Microsoft

Könnte sich der Software-Gigant womöglich am "Appetithäppchen" Github "verschlucken?


Kurz und bündig:

Nach Bekanntgabe der milliardenschweren Übernahme setzt die Microsoft-Aktie zu einem erneuten Höhenflug an. Deren weitere positive Entwicklung wird aber wohl maßgeblich davon abhängen, wie rasch die Github-Integration ins Microsoft-Netzwerk gelingt.


Vor einigen Tagen verkündete der Software-Riese Microsoft die milliardenschwere Übernahme der Software-Plattform "Github": diese Meldung schlug in Fachkreisen ein wie eine Bombe! Das Kalkül hinter dem Deal liegt auf der Hand: Microsoft gedenkt sein Image als "angestaubter" Windows-Fabrikant aufzupolieren bzw. endlich abzulegen, um wieder als innovativer Softwarekonzern glänzen zu können. Die gravierende "Abhängigkeit" von den konventionellen Windows-Produkten soll in den kommenden Jahren spürbar reduziert werden.


1.) MICROSOFT - Warum muss es unbedingt "Github" sein?

Die "Github"-Übernahme lässt sich Microsoft immerhin 7,5 Milliarden US-Dollar kosten. Mit dieser äußerst strammen Offerte haben die Redmonter mit Hauptsitz im US-Bundesstaat Washington laut Insidern "Schwergewichte" wie Amazon oder Google ausgestochen. Dafür erhält der Konzern einen webbasierten Onlinedienst, mit dem Entwickler die Programmcodes und Anleitungen austauschen und gemeinsam verbessern können. In neudeutsch wird dies bereits vorzugsweise "Open Source-Entwicklung" genannt. Der Kaufpreis wirkt auf den ersten Blick nicht gerade als ein Schnäppchen, denn das "Startup" erblickte immerhin schon vor zehn Jahren das Licht der Welt. Bereits in der letzten Finanzierungsrunde über 350 Millionen Euro von vor drei Jahren war "Github" noch mit 2 Milliarden US-Dollar bewertet worden.

Aber dennoch ist "Github" beileibe keine kleine, unbedeutende Nummer am Markt. Insgesamt arbeiten auf der Online-Plattform mehr als 28 Millionen Entwickler an fast 80 Millionen Projekten. Mehr als 1,8 Millionen Unternehmen und Organisationen rund um die Welt nutzen bereits diese Plattform. Auch die Entwickler von Microsoft gehören zu den fleißigen Nutzern von "Github".


2.) GITHUB - auf der Suche nach einem finanziell tragfähigen Geschäftsmodell

Trotz seiner Beliebtheit in der Programmierszene verharrt "Github" noch immer in der Verlustzone. 2016 verlor es über drei Quartale etwa 66 Millionen US-Dollar und wies einen Umsatz von 98 Millionen US-Dollar aus. Einzige Einnahmequelle des Unternehmen aus dem US-kalifornischen San Francisco war eine entsprechende Gebühr, die den Nutzern mit erweiterten Zugriffsrechten "abverlangt" wurde: jene bewegte sich zwischen 7 und 21 US-Dollar/Nutzer. Bereits im August 2017 hatte Github-Gründer Chris Wanstrath vollmundig verkündet, dass sein Unternehmen rund 200 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr erwirtschaften könne.


3.) Entwickler-Community soll stärker an Microsoft gebunden werden

Mit der Übernahme gedenkt der Softwarekonzern in erster Linie die Github-Entwickler-Community verstärkt an sich binden. Microsoft-CEO Satya Nadella will die Microsoft-Werkzeuge wie beispielsweise die Cloud-Plattform "Azure" stärker in neue Zielgruppen verbreiten. Dessen ungeachtet soll die Plattform aber trotzdem weiterhin offen zugänglich bleiben. Die Nutzer sollen auch zukünftig jegliche Software auf "Github" entwickeln - eben auch für die Microsoft-Konkurrenz.


4.) MICROSOFT - Zukauf versetzt die Anleger in Feierlaune

Während die Branchenexperten noch über die Hintergründe des Deals und die Zukunft von "Github" herumpalavern, lassen die Aktionäre bereits die Sektkorken knallen. Nach der Übernahme kletterte der Aktienkurs von Microsoft in der Spitze auf über 102 US-Dollar und markierte damit das höchste Niveau seiner Firmengeschichte. Damit haben die MS-Anteilsscheine allein in den vergangenen fünf Jahren um über 190% an Wert zulegen können.


Mein FAZIT:

Aller Augen sind nun gerichtet auf die unmittelbar bevorstehende Integration der Github-Dienste in das Microsoft-Netzwerk - vor allem aber wohl darauf, wie schnell dieses ambitionierte Unterfangen gelingen wird. Ebenso wie "Linkedin" (Übernahme in 2016) soll Github eigenständig bleiben. Bei der milliardenschweren Übernahme von "Skype" in 2011 für 8,5 Milliarden US-Dollar oder dem Zukauf der Aufgaben-App "Wunderlist" für 220 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 hat Microsoft jetzt kein so glückliches Händchen bewiesen, denn im Nachhinein entpuppten sich beide im Vorfeld so viel gepriesenen Deals als Flops. Nun kann der Software-Gigant das Gegenteil beweisen. Zwar wirkt sich der direkte Effekt auf den Umsatz nur sehr mäßig aus (200 Millionen Dollar vs. Microsoft 26,82 Milliarden Dollar), doch könnte der Zugriff auf die Github-Kundschaft den entscheidenden Hebel zur Ertragssteigerung endlich umlegen.
Angesichts der aktuellen Ereignisse im Hause Microsoft hat die MS-Aktie in diesem Jahr noch jede Menge Luft nach oben. Es gibt eben "Blue Chips", "Globalplayer", mit deren Aktienkäufe kann man einfach auf mittel- bis langfristiger Sicht nichts verkehrt machen - und dazu zählt neben einer Amazon zweifelsohne auch eine Microsoft.
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