Kommentar vom 26.06.18
Investorarmericanoo
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Auch erneute Übernahmegerüchte können die Talfahrt der Aktie nicht stoppen
Kurz und bündig:

Der Chiphersteller setzt nach Übernahmegerüchten seinen "Sinkflug" an der Börse weiter fort, da die Anleger dem "Synaptics-Deal" sehr skeptisch gegenüber stehen. Zudem ist kein "Strategischer Fit" beim Unternehmen erkennbar.


Für die Anleger des britischen Chip-Spezialisten Dialog Semiconductor gab es schon weitaus bessere Zeiten, denn vor gut 15 Monaten notierten dessen Papiere noch bei annähernd 50 Euro. Heute kann man sich die Aktie bereits für etwa 14 Euro ins Portfolio legen. Damit summieren sich die Verluste seitdem auf über 70%. Der Grund des katastrophalen Abschwungs liegt vor allem in der ungewissen Zukunft des größten Apple-Kunden, der für gut zwei Drittel des Geschäfts verantwortlich ist.

Im laufenden Monat musste Dialog Semiconductor seine Umsatzprognose um 5% senken, da der Hauptkunde Apple angekündigt hat, weniger Chips für seine Telefone zu bestellen. Das ließ den Aktienkurs kräftig einbrechen. Und jetzt macht der Konzern auch noch mit einer geplanten Übernahme auf sich aufmerksam: Ziel ist es, damit die Abhängigkeit von Apple zu reduzieren, doch die Anleger stehen diesen Plänen alles andere als euphorisch gegenüber und strafen die Aktie dafür weiter ab.


Kurzes Unternehmensportrait:

Der Fabless-Hersteller Dialog Semiconductor ist ein Anbieter von hochintegrierten, innovativen Halbleiterlösungen für die Bereiche Power-Management, Audio und drahtlose Kommunikation im Nahbereich. Diese elektrischen Systeme bzw. Chips kommen in erster Linie im Multimedia- und Hörfunkbereich bei tragbaren, drahtlosen Beleuchtungs-, Display- und Automotive-Anwendungen zum Einsatz. Mit der Ausrichtung auf System Power Management sowie auf Wireless-Technologie bietet die Gesellschaft zudem jahrelange Expertise im Bereich Entwicklung integrierter Schaltungen für mobile Applikationen wie Smartphones, Tablet-PCs, digitale schnurlose Telefone oder Gaming-Anwendungen. Die Chips des Unternehmens tragen darüber hinaus wesentlich zur Leistungssteigerung von Smartphones im Sinne einer verbesserten Akkulaufzeit bei.


1.) DIALOG SEMICONDUCTOR - Erste Übernahmegerüchte kursieren bereits seit März

Die Gerüchte über einen möglichen Deal existieren schon seit Längerem: Presseinformationen zufolge gab es bereits im März dieses Jahres eine Offerte in Höhe von 59 US-Dollar/Synaptics-Aktie, welche aber erst einmal kategorisch abgelehnt wurde. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, das Dialog Semiconductor erneut die Bücher des US-Herstellers von Touchscreens Synaptics prüft. Die Synaptics-Papiere schossen nach den neuerlichen Übernahmespekulationen von 42 auf über 54 US-Dollar in die Höhe. Experten zufolge könnte im Falle eines Zustandekommen des Deals die Aktie für 63 US-Dollar den Besitzer wechseln. Das entspräche einem Börsenwert von immerhin 2,2 Milliarden Dollar.


2.) DIALOG SEMICONDUCTOR - "Deal" erscheint ausgesprochen teuer

Sollten sich die Preisindikationen tatsächlich bewahrheiten, so wäre die Übernahme-Transaktion für Dialog Semiconductor als extrem teuer einzustufen. In diesem Zusammenhang muss man wissen, das "Synaptics" im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einem Jahresumsatz von 1,71 Milliarden US-Dollar gerade mal einen Gewinn in Höhe von 49 Millionen US-Dollar erwirtschaften konnte. Dies entspricht einer ziemlich mickrigen Marge von 2,84%. Zum Vergleich: Dialog Semiconductor kam in 2017 bei Erlösen von 1,14 Milliarden Euro immerhin auf eine Gewinnspanne von 12,86% (Gewinn: 147 Millionen Euro).


Mein FAZIT:

Bei der Anlegergilde hat der mögliche Deal keine Begeisterungsstürme auszulösen vermocht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Zwar würde mit "Synaptics" das Produkt-Portfolio für Hersteller von Smartphones erweitert. Aber im großen Wachstumsmarkt für Chips für die Automobilindustrie, in dem Dialog vornehmlich gedachte zu wachsen, kommt das Unternehmen (operativer Sitz im britischen Reading und der Verwaltungszentrale im baden-württembergischen Kirchheim) mit dieser Firmenübernahme nicht wirklich voran, denn für die Aktionäre geniesst die Reduzierung der Abhängigkeit von Apple als Großkunden oberste Priorität. Versuche in diese Richtung gab es in den vergangenen Jahren genug: Sei es die geplante Übernahme des österreichischen Rivalen "AMS", der vereitelte Deal mit dem US-Wettbewerber "Atmel" oder die bereits vollzogene Übernahme von "Silego". Durch letzteren Zukauf wurde die Kompetenz im Chipbereich gestärkt - ebenso die Position in den Bereichen Internet und der Automobilbranche. Ein möglicher Deal mit ähnlicher Stoßrichtung hätte dem Anleger ganz bestimmt mehr zugesagt als der momentan angestrebte.
Kein Wunder also, dass die Dialog-Aktie derzeit von einem Jahrestief zum anderen "taumelt", denn nichts "hasst" der Börsianer mehr als unsichere Verhältnisse, das Herumstochern im Nebel, sowie das scheinbar ziel- oder zügellose Verschleudern von Firmenvermögen z. B. in Form von Fehl-Aquisitionen, deren Sinn und Zweck sich ihm nicht wirklich erschließt. Aufgrund dessen rate ich zurzeit auch strikt von einem Engagement in diese Papiere ab, denn unter den gegebenen Umständen kann es damit eigentlich nur in eine Richtung weitergehen - gen Süden!
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