Kommentar vom 14.08.18
AktieTesla
Investorarmericanoo
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Steht Tesla vor der "Privatisierung"? Und was würde dies für den Anleger bedeuten?
Headline:

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Tesla Privatisierung und welche Wahlmöglichkeiten hat der Anleger?


Wieder mal sorgt Tesla-Chef Elon Musk via Twitter für Aufruhr: In einem lapidaren "Tweet" kündigte der Tesla-Mitbegründer die Idee an, die Tesla-Aktie in einer Art Privatisierung von der Börse nehmen zu wollen – für 420 US-Dollar/Aktie oder insgesamt 72 Mrd. US-Dollar! Die Anlegerschaft soll dabei ein Wahlrecht bekommen - mehr dazu jedoch etwas später!

Während sich die Tesla-Aktionäre über den jüngsten "Kursschub" freuen, beginnen bereits die ersten "Leerverkäufer" zu lamentieren, indem sie Musk vorwerfen, den Kurs der firmeneigenen Aktie künstlich manipuliert zu haben. Inzwischen soll dies auch die US-Wertpapieraufsicht auf den Plan gerufen haben, diesen "Vorfall" genaustens überprüfen zu wollen, so US-Medien. Dabei geht es um eine mögliche Verletzung der US-Wertpapierhandelsgesetze.

Doch ganz unabhängig davon, wie die SEC den Fall letztlich auch beurteilen wird, beschäftigt die Anleger wohl primär die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Elektroauto-Kult-Konzern tatsächlich privatisiert werden könnte. Grundsätzlich ist eine Privatisierung von Tesla und ein damit verbundenes "Delisting" der Tesla-Aktie an der Börse möglich. Dies hat bereits der amerikanische PC-Hersteller "Dell" gezeigt, nachdem der Firmengründer Michael Dell im Jahr 2013 gemeinsam mit der Risikokapitalfirma Silver Lake das Unternehmen für rund 25 Mrd. US-Dollar zurückgekauft und danach von der Börse genommen hat.

Im Falle Tesla dürfte sich eine Privatisierung jedoch etwas schwieriger gestalten, da die Aktionäre dem Plan zunächst einmal ihre Zustimmung geben müssen. In diesem Zusammenhang sollte der Anleger wissen, dass 75 % der Tesla-Aktien in Streubesitz sind, wovon allein Tesla-Chef Elon Musk etwa 20 % hält.

Daneben stellt sich noch die Frage, wie das Vorhaben finanziert werden soll. Im Fall von Tesla geht es um ein höheres Transaktionsvolumen (ca. 52 bis 72 Mrd. US-Dollar), und zum anderen "sitzt" Tesla noch auf einen Schuldenberg von rund 11 Mrd. US-Dollar. Kann Tesla die Finanzierung dennoch stemmen und der ambitionierte Deal käme zustande, so ergeben sich für die Anleger zwei Möglichkeiten:

Option A: Anleger können ihre Tesla-Aktien gegen 420 US-Dollar in bar tauschen. Damit sind Anleger nicht mehr Aktionäre von Tesla.

Option B: Anleger können ihre Tesla-Aktien behalten, wobei diese dann automatisiert in eine Art geschlossenen Fond transferiert werden. Anleger bleiben damit de facto an der privaten Tesla-Gesellschaft beteiligt.

Tesla wäre ohne Börsenlisting wesentlich flexibler und könnte sich zudem mehr auf sein operatives Geschäft konzentrieren, da einfach bestimmte Offenlegungspflichten (Quartalszahlen etc.) wegfallen würden. Überdies dürften dadurch auch die Verwaltungskosten von Tesla sinken. Für Anleger bedeutet eine Privatisierung in erster Linie, dass sie wohl auf einen Teil ihrer Mitbestimmungsrechte verzichten müssten. Außerdem bedeutet eine Privatisierung auch weniger Transparenz für Investoren, da natürlich kein Quartalsbericht mehr kolportiert werden muss. Für Anleger wird es damit um einiges schwieriger nachzuvollziehen, wie sich das operative Tesla-Geschäft wirklich entwickelt.

Ähnlich wie bei SpaceX – der Weltraumfirma, die Elon Musk ebenfalls leitet – soll Anlegern die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre privaten Tesla-Aktien alle 6 Monate zu Geld machen zu können. Der Preis für die Anteilsscheine orientiert sich hierbei wie gewöhnlich an den jüngsten Fundamentaldaten, wird aber üblicherweise vom Management bzw. Verwaltungsrat festgelegt. Für Anleger und Investoren bedeutet dies ein gänzlich neues Risiko-Niveau.


Mein FAZIT:

Die Chancen für eine Privatisierung von Tesla sind besser, als viele Anleger annehmen könnten. Der Grund sind nicht nur die vielen Vorteile, die eine Privatisierung für Tesla mit sich bringen würde: So könnte sich Tesla auf die Umsetzung seiner langfristigen Ziele besser konzentrieren und so schneller wachsen. Außerdem würde es die neu angestrebte Firmenstruktur erlauben, dass institutionelle Anleger wie z. B. der saudi-arabische Staatsfonds "PIF" oder "Tencent " auch weiterhin Tesla-Aktionäre bleiben könnten.
Darüber hinaus verfügt Tesla-Chef Elon Musk aber auch noch über weitere finanzstarke Verbündete: Google-Gründer Larry Page gilt als glühender "Verehrer" von Musk. Im Rahmen der TED-Konferenz im Jahr 2014 äußerte Page sich dahingehend, dass Musk im Falle seines Ablebens all seine Milliarden erhalten solle. Schon im Februar 2017 räumte Musk ein, bereits Gespräche mit Apple geführt zu haben, welche bislang allerdings alle erfolglos verlaufen wären. Der Mac-Hersteller sitzt jedoch auf Barreserven von über 240 Mrd. US-$ – eine Beteiligung an Tesla wäre für Apple also durchaus zu schultern.
Eine Privatisierung würde für Tesla also viele Vorteile bringen, gleichzeitig wäre aber damit auch eine spätere Rückkehr an die Börse nicht gänzlich ausgeschlossen. Allen voran würden jedoch die Tesla-Anleger von der Privatisierung profitieren, können sie ihr Investment doch entweder direkt zu Geld machen oder aber weiter an Tesla beteiligt bleiben, und so von einem möglichen 2. Börsengang von Tesla profitieren.
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