Kommentar vom 20.08.18
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Investorarmericanoo
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Welche Auswahlkriterien sind Musk wirklich wichtig bei der Standortsuche für Tesla-Werk in Deutschland?
KURZ & BÜNDIG:

Wer könnte den Zuschlag für ein Tesla-Werk in Deutschland bekommen? Die einstige Standortsuche von BMW lässt vermuten, nach welchen Kriterien diesbezüglich wohl auch Tesla vorgehen wird.


Zur Sache:

Es war ein einziger Satz, der in einigen Landesregierungen in Deutschland und ihren Wirtschaftsförderungsgesellschaften hektische Betriebsamkeit auslöste: "...Deutschland wäre eine sehr gute Wahl für Europa. Vielleicht wäre ein Standort an der deutsch-französischen Grenze am Sinnvollsten - nahe der Benelux-Staaten", twitterte Tesla-Chef Elon Musk bereits am 19. Juni über die Suche nach dem besten Standort für ein europäisches Tesla-Werk.

Seither buhlen vor allem die Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern um die Gunst des Tesla-Bosses. Doch weshalb gerade an der deutsch-französischen Grenze? Warum die Nähe zu den Benelux-Staaten? Womöglich weil Tesla bereits ein Montagewerk (in dem halbfertige Autos endmontiert werden) in den Niederlanden hat? Geht es Musk etwa um Kundennähe, um Infrastruktur, um die Verfügbarkeit von Zulieferern, um günstige Arbeitskräfte oder auch um hohe Subventionen der lokalen und überregionalen Stellen?

Bekannt ist bisher über die genaue Strategie von Tesla so gut wie nichts, die Kalifornier hüllen sich diesbezüglich nach wie vor in Schweigen. Bekannt ist allerdings, wie bei dem letzten großen Autowerk, das in Deutschland errichtet wurde, die Entscheidung fiel: Vor 13 Jahren eröffnete BMW sein Werk in Leipzig – nach einem professionellen Auswahlverfahren, das sich dann über etliche Monate hinzog.
Wie das Auswahlverfahren ablief, hat eine Forschungsarbeit an der Universität Dortmund minutiös nachgezeichnet. Manager von BMW und Wirtschaftsförderer kommen in der Arbeit jedoch in seltener Offenheit zu Wort. Anders als sonst üblich verließ sich BMW bei der Standortsuche nicht auf externe Berater, sondern schrieb das neue Werk per Pressemitteilung aus. "Die vorhandenen Kapazitäten innerhalb des BMW Werkverbundes reichen für das Produktionsvolumen einer neuen Modellreihe nicht aus", hieß es im Juli 2000, "BMW beabsichtigt daher, ein komplett neues Werk zu errichten." Innerhalb weniger Wochen meldeten sich damals 250 Standorte aus ganz Europa bei der Münchner Firmenzentrale. Aus denen wurden zunächst 13 geeignete Standorte herausgefiltert, für die konkrete Machbarkeitsstudien erstellt wurden. Letzten Endes fiel die Wahl dann auf Leipzig. Auf dem Weg dorthin mussten die Standorte zunächst sogenannte Basisanforderungen erfüllen, die sich wie eine Blaupause für den Fall Tesla lesen.

Elf Punkte umfasst der Katalog - darunter: "Grundstücksgröße: 200 bis 250 Hektar, vorzugsweise in Form eines gedrungenen Rechtecks." Zudem sollte das Grundstück eben und waagerecht sein, über einen Gleisanschluss und eine Autobahn in maximal fünf Kilometern Entfernung verfügen, der nächste Flughafen müsse in einer Stunde erreichbar sein. Zudem solle es ausreichend viele "qualifizierte oder qualifizierbare" Arbeitskräfte in der Region geben. Besonders kompliziert: Das Grundstück selbst müsse von einem einzigen Verkäufer stammen. Was hier steht, so bestätigen es Wirtschaftsförderer, ist ein typischer Katalog für Großansiedlungen.

Besonders interessant sind darüber hinaus konkrete Wünsche, die bereits BMW im darauffolgenden Schritt gegenüber den Standorten der engeren Auswahl äußerte. So berichtete das Wirtschaftsfördeinstitut seinerzeit, BMW habe von Beginn an darauf bestanden, das Werk "auf der grünen Wiese" errichten zu wollen. Industriestandorte schieden damit also schon einmal aus. Diese Bedingung ist jedoch sehr typisch für die Autoindustrie. Eher speziell klingt hingegen ein weiterer Wunsch, den BMW äußerte: Es dürfe sich kein Produktionsstandort eines weiteren Autoherstellers im Umkreis von 50 Kilometern befinden. Das Unternehmen wollte damit vor allem sicherstellen, beim Zugriff auf den lokalen Arbeitsmarkt möglichst wenig Konkurrenz zu bekommen.

Entscheidend waren aber im Fall BMW wohl die zu erwartenden Fördermittel für den Fabrikbau - und dies dürfte am Ende auch für die Tesla-Entscheidung gelten. Nachdem sich das Unternehmen aufgrund von Problemen beim Produktionsstart im US-Werk Spartanburg ein paar Jahre zuvor bereits dazu entschieden hatte, ein Werk in Deutschland zu bauen, von da an hatte sich der Bewerberkreis endgültig ausgedünnt. Nur am Standort Leipzig aber ergab sich die Möglichkeit, in den Genuss von EU-Beihilfen zu kommen. Und das sollte sich lohnen. Zunächst kalkulierte BMW mit 280 Millionen Euro, am Ende genehmigte die EU sogar 363 Millionen Euro – bei Baukosten von 1,2 Milliarden Euro. Weitere 16 Millionen steuerte die Stadt Leipzig selbst bei für die Aufbereitung des Grundstücks.


Mein FAZIT:

Die Investitionsentscheidung im Fall BMW lässt sich noch in einer weiteren Hinsicht auf den Fall Tesla anwenden: Denn zwei der nun zur Diposition stehenden Standorte wurden denn auch damals untersucht. Das Flughafengelände im bayerischen Hof wurde wohl aufgrund der Altlasten im Boden relativ früh ausgeschlossen, die Fläche im rheinischen Euskirchen hingegen schaffte es immerhin unter die letzten 13. Aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland war hingegen kein Standort in der Auswahl.
Elon Musks Tweet stützt vielmehr die Vermutung, dass Subventionen eine große Rolle für seine entgültige Entscheidung spielen könnten. Seine Twitter-Botschaft dürfte vor allem den Zweck gehabt haben, die interessierten Bundesländer diesbezüglich aufzuschrecken und das Wettrüsten bei den angebotenen Subventionen weiter anzuheizen. Diese Rechnung scheint schon jetzt aufgegangen zu sein. Sei es drum: Deutschland wird's in jedem Fall freuen, egal wo die Tesla-Fertigungsstätte nun gebaut werden wird: Arbeitsplätze werden dadurch in jedem Fall entstehen...
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