Kommentar vom 08.10.18
InvestorCed999
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Kann man auch in Zukunft mit den Amerikanern mithalten?
Die Luftfahrtbranche befindet sich momentan im Umbruch, wovon besonders ein Unternehmen wie Airbus betroffen ist. Neue Geschäftsfelder entstehen, bestehende verändern sich oder fallen gar ganz weg. Ist Airbus als europäisches Unternehmen gut auf die Veränderungen vorbereitet und wird man auch in Zukunft erfolgreich sein?
Um diese Frage zu beantworten werde ich hier einzelne Teilaspekte, welche für die Zukunft des Unternehmens wichtig sind, genauer analysieren und abschließend ein Fazit ziehen.


-Verkehrsflugzeugsparte-

--A320neo--

Viele werden sie kennen: Die Bilder der dutzenden fertigen A320neo ohne Triebwerke, sogenannte „Glider“. Sie stehen hauptsächlich in Hamburg und Toulouse und können erst nach Eintreffen der fehlenden Triebwerke ausgeliefert werden. Das Problem ist auf den amerikanischen Triebwerkshersteller Pratt & Whitney zurückzuführen, welcher nach immensen sicherheitsrelevanten Störungen grundlegende Teile des Triebwerks austauschen und verbessern musste, was zu einem Lieferstopp führte. Zwar kann Pratt & Whitney mittlerweile die Triebwerke wieder liefern, es wird allerdings noch Monate dauern bis alle A320neo zur Auslieferung bereit sind. Der finanzielle aber auch der Imageschaden für Airbus ist immens, man plant aber die verbleibenden Flugzeuge schnellstmöglich in die Luft zu bekommen und dann die monatliche Produktion des vielversprechenden Modells auf bis zu 70 Flugzeuge zu steigern.


--A350--

Positiv sieht es hingegen für den Airbus A350 aus. Er stellt das europäische Konkurrenzmodell zur Boeing 787 sowie teilweise auch zur 777 dar und wird mit 20% weniger Treibstoffverbrauch im Vergleich zum weniger erfolgreichen Airbus A340 beworben. Für ihn liegen mittlerweile insgesamt 890 Bestellungen vor und es wurden bereits 191 Flugzeuge ausgeliefert (Quelle: Wikipedia A350, Oktober 2018). Ob sich der A350 behaupten kann muss er allerdings erst zeigen, gerade im Vergleich zu 777X von Boeing, welche voraussichtlich 2020 ihren Erstflug absolvieren wird.


--A330neo-

Für Fluggesellschaften hingegen weniger attraktiv ist der Airbus A330neo, was sich in den nur 224 Bestellungen zeigt. Der A330neo stellt den konventionellen A330 mit neuen Triebwerken dar, weshalb er einen schmaleren Rumpf und insgesamt weniger Effizienz pro Passagier als der A350 bietet und damit besonders für Premium Fluggesellschaften wie Lufthansa, Qatar oder Singapore Airlines nicht sehr sinnvoll ist. Für günstigere Fluggesellschaften wie TAP Portugal oder Air Senegal könnte das Flugzeug aufgrund des geringeren Preises hingegen interessant sein. Die Zukunft wird zeigen ob sich das Investment für Airbus gelohnt hat.


--A380/A380plus--

Der A380 ist seit seiner Ankündigung bis heute das Vorzeigeprojekt von Airbus, da er allein durch seine immense Größe extrem beeindruckt.
Aus wirtschaftlicher Sicht hatte sich Airbus von dem Projekt allerdings mehr erhofft. Bis heute gab es für das Flugzeug nur 331 Bestellungen, die Produktion wurde bereits mehrmals drastisch reduziert. Größter Betreiber des A380 ist mit 162 Bestellungen und 102 Auslieferungen mit Abstand Emirates (Quelle: Wikipedia A380, Oktober 2018). Laut einiger Experten wäre das Projekt ohne die jüngsten 20 Bestellungen sowie der 16 Optionen der Fluggesellschaft voraussichtlich eingestellt worden. Airbus versucht nun mit dem A380plus die Trendwende zu schaffen und das Flugzeug wieder attraktiver für Fluggesellschaften zu machen. Erstens sollen zweiteilige Winglets verbaut werden, welche den Kerosinverbrauch senken, zweitens soll der Flieger in Zukunft Platz für mehr Passagiere bieten. Ob diese eher kleineren Änderungen zum gewünschten Erfolg führen darf allerdings bezweifelt werden.


--A321neoLR--

Seitdem Boeing die Produktion der 757 sowie der 767 eingestellt hat wird das sogenannte „Middle of the Market“ Segment von keinem großen Flugzeughersteller mehr bedient.
Darauf reagiert Boeing mit der Entwicklung eines komplett neuen Flugzeugs, der 797, welche aber noch mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen wird.
Airbus verfolgte hier eine andere Strategie. Man entwickelte den A321neoLR, basierend auf dem A321neo, ausgestattet mit größeren Tanks. Er schafft zum Beispiel eine Atlantiküberquerung problemlos. Da der A321neoLR wenig Entwicklungskosten in Anspruch nahm und schon bald ausgeliefert werden wird könnte er zu einem riesigen Erfolg werden, auch weil Boeing keine Konkurrenz anbietet.


--A220--

Um das Angebot weiter nach unten zu erweitern übernahm Airbus außerdem die Bombardier C-Series, welche nun unter dem Namen Airbus A220 geführt wird.
Der A220 könnte ein sehr erfolgreiches Projekt für Airbus werden, Interesse seitens der Fluggesellschaften besteht auf jeden Fall. Die amerikanische Fluggesellschaft JetBlue hat zum Beispiel bereits 60 Exemplare bestellt.



-Militärische Aktivitäten-

--A400M--

Der Airbus A400M sollte ein großes europäisches Militärprojekt sein und Unabhängigkeit von den USA und Russland demonstrieren. Das Projekt startete schon mit vielen Kinderkrankheiten. Es wurde 1,5 Milliarden Euro teurer als geplant und das erste Flugzeug lieferte man 11 Jahre zu spät aus. Außerdem erfüllte das Flugzeug vertraglich festgelegte Konditionen nicht und war oft aufgrund von technischen Problemen nicht einsatzfähig, was alles zum sehr schlechten Ruf der Maschine beitrug. Mittlerweile scheint Airbus die Probleme in den Griff zu bekommen, besonders bei der Royal Air Force sowie der französischen Luftwaffe nehmen A400M immer häufiger an Einsätzen Teil.


--Militärische Drohnen--

Auch auf dem neuen Segment der militärischen Drohnen ist Airbus aktiv, erst kürzlich wurde ein Kampf-Drohnen-Schwarm erfolgreich getestet, welcher Kampfflugzeuge im Einsatz unterstützen kann. Dies könnte in Zukunft einen wichtigen Teil des militärischen Geschäfts von Airbus darstellen.



-Vorstand-

Im Vorstand von Airbus gibt es aktuell Bewegung, der CEO Tom Enders wird in Zukunft vom aktuellen Chef der Verkehrsflugzeugsparte Guillaume Faury abgelöst.
Er bringt Erfahrung mit sich und soll den Konzern auch in Zukunft wettbewerbsfähig und profitabel machen.



FAZIT:

Insgesamt kann man sagen, dass Airbus trotz einiger Probleme langfristig gesehen sehr gut aufgestellt ist. Gerade Projekte wie der A350 oder der A321neoLR könnten in Zukunft sehr profitabel sein.
Ich empfehle daher jedem einen Kauf, der eine langfristige und sichere Anlage sucht.
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