Kommentar vom 08.04.19
AktieTesla
Investorarmericanoo
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Das Tesla-Problem schlechthin: Schwache Absatzzahlen und kein Ende?

Es ist bei Tesla wirklich schon zum "Mäusemelken": Hohe Erwartungen - bittere Enttäuschung! Die Anleger fragen sich mit Recht, wann diese anscheinend Dauer-Misere beim kalifornischen Elektroauto-Pionier endlich einmal ein Ende hat! Mit den jüngst präsentierten Absatzzahlen haben Musk & Co. abermals ihre ehrgeizigen und so vollmundig verkündeten Prognosen verfehlt. Daran gibt's aber auch garnichts schön zu reden. Wen wundert es da noch, dass die erste Reaktion der Investoren auf die erstaunliche Differenz zwischen Wunschdenken und Realität so deutlich ausfiel.

Unmittelbar nach Vorlage des Zahlenwerks büsste der Tesla-Aktienkurs über 10% seines Wertes ein - am Ende des Tagesgeschäfts waren es dann immerhin noch mehr als 8%. Damit gingen mal so eben gut 4 Milliarden US-Dollar an Marktwert in Rauch auf.

Die Enttäuschung der Märkte war darüber verständlicherweise groß: Immerhin gingen die Absatzzahlen der Tesla-Wagen deutlich zurück. Insgesamt wurden mit 63.000 Fahrzeugen im 1. Quartal fast ein Drittel (-31%) weniger Elektroflitzer verkauft als im Vorjahr. Auch der Blick ins Detail sorgt dabei nicht gerade für "Begeisterungsstürme". Vom Hoffnungsträger "Model 3", mit dem Tesla doch die breite Käuferschicht zu erreichen gedenkt, wechselten gerade einmal 50.900 Stück den Besitzer. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 20% mehr gewesen.

Auch bei den Luxusmodellen, der bedeutend kostspieligeren Elektroauto-Varianten "S-Limousine" und des Sport Utility Vehicles "Modell X" lief es diesbezüglich bedeutend schlechter als zuvor angenommen. Ganz so unerwartet dürfte das für die Anleger allerdings nicht gekommen sein, denn bereits vergangenen Januar hatte der Konzern seine Produktionsziele zurecht zu stutzen gewusst. Sogenannte "Vorzieh-Effekte" dürfte es im Schlussquartal wohl gegeben haben, weil die Kunden sich beeilten, noch rechtzeitig für den vollen Anreiz von 7.500 US-Dollar einzukaufen.

Den Analysten wurde schnell klar: Der erneute Absatzeinbruch ist die logische Konsequenz aus den auslaufenden Förderprämien in den USA, die in der Vergangenheit beim Kauf oder Umstieg auf einen Elektrowagen die Nachfrage noch ordentlich zu "beflügeln" gewusst hatten. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass seit dem 01. Januar 2019 diese Kaufanreize auf dem US-Markt halbiert worden sind.

Infolge dessen kehrt sich nun dieser positive Effekt um und lässt die Absatzzahlen stärker einbrechen als befürchtet. Darüber hinaus verdeutlichen die vorgelegten Ergebnisse aber auch, dass die Expansion nach Europa und China kein "Selbstläufer" ist und somit auch die Nachfrage-Stagnation auf dem wichtigen Heimatmarkt aktuell nicht auszugleichen vermag.

Das Tesla-Management hingegen hat für dieses schwache Abschneiden jedoch eine völlig andere Erklärung parat, indem es auf die logistischen Herausforderungen verwies. Der US-Konzern gilt zwar als Pionier in der Elektroautobranche, er kämpft aber ebenso mit den Problemen der Massenfertigung seiner Modellreihen. Offenbar stellten die Orderungen aus Europa und Asien das Technologieunternehmen vor noch zusätzliche logistische Probleme.

Dabei sorgt immer wieder die ziemlich verwirrende Züge annehmende Kommunikationspolitik des Firmenchefs Elon Musk für Kopfschütteln unter den Fachleuten. Im Januar verkündete der Tesla-CEO noch, dass das Unternehmen etwa 7% der Mitarbeiter "freisetzen" würde - also mehr als 3.000 Arbeitsplätze. Ende Februar hingegen verband Tesla seine Ankündigung des Basismodells 3 und Preissenkungen in seiner gesamten Produktpalette mit einem Plan, alle bis auf eine kleine Anzahl von Geschäften zu schließen, alle Bestellungen online zu verlagern und eine ungezählte Anzahl von Vertriebs- und Marketing-Mitarbeitern zu entlassen. Kurz darauf ruderte Musk diesbezüglich wieder zurück. Es würden wohl doch mehr Läden offen bleiben als ursprünglich geplant, und die Kaufpreise würden nunmehr um 3% erhöht, weil jetzt doch mehr Mitarbeiter bei Tesla in Beschäftigung blieben. Dabei wurden die Preise doch erst im Februar um 6% gesenkt.



Mein FAZIT:

Man scheint bei Tesla aus den Fehlern der (jüngsten) Vergangenheit einfach nicht die entsprechenden Lehren zu ziehen, denn trotz aller widrigen Umstände hält man dort weiter an den zuvor gesteckten Jahreszielen fest. Ungeachtet des mieserabelen Jahresauftakts sollen in diesem Jahr trotzdem noch zwischen 360.000 und 400.000 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden. Dennoch dürfte der US-Konzern dabei wieder in die Verlustzone rutschen. Vor diesem Hintergrund scheint ein Marktwert von 46 Milliarden US-Dollar alles andere als ein "Pappenstiel" zu sein. Was das für die Tesla-Aktie bedeuten könnte, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht näher auszuführen. Damit bleibt die Aktie auch weiterhin für mich eine Wette, an der sich auch in den folgenden Quartalen wohl die Geister scheiden werden. Neben der Marktentwicklung, der Absatzsituation und den emporstrebenden Rivalen dürften die Anleger auch gespannt sein, ob sich Elon Musk in Zukunft mit seinen verwirrenden Tweets zurückhalten wird. Denn nichts hassen die Märkte mehr als Verunsicherung - erst recht, wenn sie "hausgemacht" sind.
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