Kommentar zur Aktie Allianz

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Am 16.10.19
von armericanoo
zu Allianz

(Rück)Versicherer – eine aktuelle Bestandsaufnahme der Branche


Hallo Allerseits,

Der „Brexit“ ist noch immer nicht vom Tisch, der Handelskrieg zwischen den USA und China spitzt sich zu, die deutsche Autoindustrie ist angeschlagen, und Italien stürzt von einer Regierungskrise in die nächste. Von den globalen „Krisenherden“ lässt sich die Versicherungsbranche jedoch offenbar nicht wirklich beeindrucken, denn die meisten Versicherungsunternehmen haben ihre abgegebenen kurz- und mittelfristigen Prognosen nachhaltig bekräftigt. „Ageas“ geht sogar davon aus, das man dort die eigenen Ziele noch deutlich übertreffen könnte.

Die Versicherungsbranche ist gut in das Geschäftsjahr 2019 gestartet. Die Belastung durch Großschäden lag im 1. Halbjahr deutlich unter dem herigen, langjährigen Durchschnitt. Zugleich konnten die Prämieneinnahmen gesteigert sowie beachtliche Kapitalanlageerträge erwirtschaftet werden. Zuversichtlich wissen vor allem auch die jüngsten Vertragserneuerungen zu stimmen, die neben deutlichen Mengenzuwächsen ebenso einen Anstieg der realisierten Preise zeigen. Fundamental betrachtet überzeugt derzeit vor allem die „Hannover Rück“ mit einer Branchen überdurchschnittlichen Kapitalrendite.

Die Naturkatastrophenbilanz der ersten sechs Monate liest sich nach aktuellen Erhebungen der „Münchner Rück“ wie folgt: 370 Schadenereignisse führten zu Gesamtschäden von 42 Mrd. $, was wiederum deutlich unter dem inflationsbereinigten Durchschnitt der letzten 30 Jahre von 69 Mrd. $ lag. Die Versichertenschäden lagen mit 15 Mrd. $ ebenfalls unter dem langjährigen Trend von 18 Mrd. $. Die mit rund 3,3 Mrd. $ größten Schäden verursachten Gewitterstürme und Tornados im Mittleren Westen der USA; der Versicherten-Anteil belief sich dort auf etwa 2,5 Mrd. $.

Auffällig an dieser Schadenstatistik war der hohe Anteil von Schäden, welche die sogenannten Länder der „Dritten Welt“ betrafen. Drei der fünf teuersten Naturkatastrophen spielten sich nämlich gerade dort ab. darunter auch eine Hochwasserkatastrophe im Iran mit einem Gesamtschaden von 2,5 Mrd. $ sowie Sturm- und Hochwasserschäden durch Zyklon „Fani“ in Indien und Bangladesch mit Gesamtschäden von 2,2 Mrd. $. Besonders schwer wurde Mosambik getroffen – eines der absoluten „Armenhäuser“ der Welt. Der Zyklon „Idai“ verursachte Schäden von rund 2 Mrd. $, was in etwa 1/10 der Wirtschaftsleistung des Landes entspricht.

Infolgedessen sind die wichtigsten Kennzahlen zur Kapitalausstattung von Versicherungsunternehmen auch im 1. Halbjahr 2019 europaweit gesunken. Im Durchschnitt ging die „Solvency II Ratio“ um 12% zurück. Um den starken Rückgang einordnen zu können, muss man einen Blick auf deren Kalkulation werfen: Unter „Solvency II“ wird das anrechnungsfähige Eigenkapital der Kapitalanforderung gegenübergestellt.

Wie hoch die Anforderungen sind, bestimmen eine Vielzahl von Faktoren, die von den jeweiligen Zentralbanken festgelegt wurden. Für die Berechnung ausschlaggebend ist aber die risikofreie Zinskurve, die sich im europäischen Raum weiter abgeflacht und damit zu einer höheren Kapitalanforderung geführt hat. Beispielsweise verbesserte die „Allianz“ ihre Kapitalausstattung um 3,1% auf 79,9 Mrd. €. Die Kapitalanforderung legte jedoch noch stärker zu. Als Folge rutschte die „Solvency-II-Ratio“ um 17 Prozentpunkte auf 213% ab.

Aber dennoch gehören für mich gerade eine Allianz Aktie sowie eine Münchner Rück in jedes mittel- bis langfristig orientierte Portfolio.
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