Kommentar zur Aktie Tesla

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Am 18.01.20
von Peb
zu Tesla

Tesla - Selbstfahrend zum Allzeithoch. Ist noch Luft nach oben?

Der kalifornische Elektro-Autobauer Tesla hat unter der Leitung von Elon Musk diese Woche ein neues Allzeithoch von 490 Euro erreicht, nachdem die Aktie über 5 Jahre grob im Bereich 150 bis 300 Euro geschwankt ist. Mit den Oktober-Quartalszahlen kam dann der Ausbruch nach oben, maßgeblich getrieben von einem überraschendem Gewinn nach Steuern von 143 mio US$ in Q3.

Damit ist Tesla aktuell mit knapp 80 Mrd. Euro bewertet. Das ist vor dem Hintergrund eines Umsatzes von 22 Mrd. und sich noch nicht klar abzeichnender Profitabilität bereits stattlich, wenn nicht sogar bedenklich hoch.

Bewertung & Umsatz (Mrd Euro):

Toyota.............206........245
VW.....................91........238
Daimler.............50.........169
GM....................45.........121
Uber..................53...........11
Tesla.................79..........22

Es stellt sich demnach unweigerlich die Frage, worin die Phantasie für eine entsprechende Entwicklung begründet ist.

Da wäre zum einen das Enfant Terrible Elon Musk zu nennen. Dieser hat als Mitgründer von Paypal bereits erwiesen, dass er Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen zum Erfolg führen kann. Von Paypal hat er aber bereits vor über 15 Jahren seinen Abschied gegeben. Nicht jeder weiss allerdings, dass Musk neben Tesla auch noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX als CEO und CFO leitet und dort mit 52% Mehrheitsgesellschafter und 78% der Stimmrechte hält. Das Unternehmen ist noch nicht börsennotiert und wird von Branchenkennern mit 30 Mrd. Euro bewertet, also knapp der Hälfte von Tesla. Elon fällt zwar in regelmäßigen Abständen durch bizarre öffentliche Verlautbarungen auf, aber sein Track-Record ist zweifelsohne beachtlich.

Ein weitere anzuführender Punkt ist der ganze Trubel um Elektromobilität. Es ist zwar meiner persönlichen Meinung nach alles andere als ausgemachte Sache, dass in Zukunft jeglicher Individualverkehr batteriebetrieben stattfindet, aber Tesla ist trotz alledem ganz klar der Pionier auf diesem Feld. Nachdem der Grundstein mit den hochpreisigen Limousinen/SUV Modellen S/X gelegt wurde (und einem Verkaufsniveau von ca. 10-15 tsd. Einheiten pro Model/Quartal), erreichte der Mittelklasse Model 3 ein Produktionsniveau von knapp 80 tsd in Q3/19. Das ist zwar noch ein guten Stück von den knapp über 200 tsd produzierten Einheiten des VW Golf entfernt, aber Welten liegen dazwischen nicht mehr. Jetzt mag man die Pros/Cons von Elektroautos durchaus sehr differenziert sehen, aber es wäre naiv zu glauben, dass dieses Segment nur eine Marktlücke ausfüllt. Die Tesla-Sparte Energy Generation & Storage kann mit weniger als 10% Umsatzanteil aber wohl eher als nicht ausschlaggebend für die weitere mittelfristige Entwicklung angesehen werden.

Der meines Erachtens spannendste Aspekt von Tesla ist die Entwicklung selbstfahrender Autos. Hier zählt nicht, wer das beste Getriebe oder den stärksten Motor bauen kann, sondern wer im Punkto maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz die Nase vorne hat - und am meisten Daten sammeln und diese gut verwerten kann. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass hier die eigentlichen Konkurrenten Uber und Google heißen. Auch Apple, Yandex, die tradierten Autobauer und die Chinesen sind am entwickeln - ich persönlich denke aber, dass für diese der Zug hier bereits abgefahren ist.

Noch ist nicht abzusehen, wann die erste Firma eine Lizenz bekommt, Autos ohne Fahrer in Großstädten selbstständig fahren lassen zu dürfen. Genau an diesem Zeitpunkt wird sich Fortbewegung aber revolutionieren, denn es ist ab dann für viele überhaupt nicht mehr notwendig, ein eigenes Auto zu besitzen. Taxifahren wird viel viel kostengünstiger, da keine Personalkosten mehr anfallen und die Taxifahrer auch nicht mehr stundenlange am Flughafen in der Schlange warten müssen. Pendler können an dem Zeitpunkt von und zur Arbeit fahren, an dem sie wollen und unterwegs andere Mitfahrer einsammeln, was die Kosten der Fahrt weiter reduziert. Die Auslastung eines Autos steigt rapide - ähnlich wie bei einem Flugzeug wird es dann heißen: Unbewegt bringt es kein Geld.

Genau dieses Szenario ist es, dass die Bewertungsphantasien der beteiligten Unternehmen befeuert. Googles Projekt Waymo wurde bereits mit 250 Mrd US$ bewertet, aktuell hat Morgan Stanley diese aber auf 105 Mrd zurückgestuft (was aber immer noch höher ist als die aktuelle Tesla Bewertung). Es sei nebenbei erwähnt, dass Google bzw. die Konzernmutter Alphabet keinen einzigen Euro Umsatz erzielt hat und nur Testfahrten in ausgewählten Städten in USA durchführt, bei denen im öffentlichen Verkehr immer noch ein Mensch mitfahren muss.

Am 29. Januar stellt Tesla die Q4 Ergebnisse vor. Es wird zwar interessant zu sehen, wie sich die Zahlen weiter kurzfristig entwickeln. Hauptausschlaggebend ist für mich aber der Verlauf hinsichtlich der selbstfahrenden Autos und die Lizenzierung der Technologie. Das in einem Business Plan zu modellieren ist meines Erachtens gehobene Kaffeesatz-Leserei. Es ist ausschließlich maßgeblich, wer die besten IT Spezialisten hat (Google hat hier sicherlich die besten Chancen), am meisten relevante Daten sammelt (hier ist Tesla weit vorne, Uber sieht jedoch am besten die aktuellen Bewegungsprofile) und wer Technologie und Auto am besten verbinden kann (Tesla um längen vor allen anderen).

Ich bleibe deshalb auch beim aktuellen Kursniveau investiert (sowohl bei Informunity als auch real) und sehe mindestens noch Potential zur Kursverdoppelung auf 1000 Euro - und damit einem Firmenwert, der immer noch Welten von Google, Apple, Amazon und Facebook entfernt ist.

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Quellen:

https://www.cnbc.com/2019/05/31/spacex-valuation-33point3-billion-after-starlink-satellites-fundraising.html

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/selbstfahrendes-auto-google-tochter-waymo-mit-250-mrd-dollar-bewertet-a-1244882.html

https://www.cnbc.com/2019/09/27/waymo-valuation-cut-40percent-by-morgan-stanley-to-105-billion.html
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