Kommentar zur Aktie Apple

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Am 14.05.20
von Peb
zu Apple

Apple - der Zenit ist erreicht und die nächsten Quartale werden bitter

Zu Apple muss als Marke und Unternehmen wohl nicht viel gesagt werden. Unzweifelsfrei bereichert es die Welt mit hochqualitativen und schicken Elektronikprodukten, ich selber nutze ein MacBook Air und ein iPad. Seit dem Tode von Steve Jobs im Oktober 2011 hat Tim Cook das Unternehmen solide geführt, jedoch muss attestiert werden, dass wirklich grosse Innovationen wie nicht unerwartet seither Mangelware waren.

Die Apple Aktie ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie nur wenige börsennotierten Firmen vorweisen können. Vor 20 Jahren notierte sie um die 2 Euro, 2010 um die 20 Euro und aktuell über 280 Euro und damit nur unwesentlich unter dem all-time high von 300 Euro vom Februar diesen Jahres. Während man in Cuppertino im Geschäftsjahr 2009 einen Umsatz von "nur" 36,5 MRD US$ Umsatz und einen operatives Ergebnis von 7,7 Mrd. erzielte, erreichte man in 2019 260,2 Mrd. US$ Umsatz sowie 63,9 Mrd. operatives Ergebnis.

Der Motor des Erfolges heißt eindeutig: iPhone. Diese Sparte machte 2019 55% des Umsatzes und Macs, iPads und Wearables je 8-10%. Verbleiben noch die Services (Apple Pay, Apple Music, iTunes and the App Store sowie Apple Care und andere) mit 46 Mrd Umsatz in 2019 und einem soliden Wachstum von 17% gegenüber dem Vorjahresquartal. Aber auch hier gibt es erste kritische Stimmen (siehe Motley Fool bei der Quellenangabe).

Während bei den Produkten eine Bruttomarge von beachtlichen 32,2% im letzten Jahr erzielt wurde (leicht sinken von 35,7% vor zwei Jahren), erzielt man bei den Services 63,7% (+ 8,7%punkte vs 2017). Getrieben wird der 2019er Umsatz nach wie vor durch das Segment Americas (116,9 Mrd. + 21% vs 17), Europa macht 60 Mrd. und der Rest der Welt 83Mrd. aus. Das Wachstum in China und Japan (mit mehr als 3/4 des restlichen Umsatzes) ist aber ins Stocken geraten und gegenüber 2018 bereits rückläufig.

Kapitalseitig kann Apple Ende Q1 2020 auf ein Eigenkapital von 78 Mrd. verweisen und mit einer 43 Mrd. Cashposition sollte man eigentlich kurzfristigen Auswirkungen der Corona-Krise gelassen entgegensehen. Es ist im Zuge dessen jedoch anzumerken, dass das operative Geschäft (R&D, Selling, Marketing, Admin) 34 Mrd. pro Jahr Kosten produziert (jenseits der Herstellungskosten).

Nun aber zum Wesentlichen: Das Apple KGV liegt aktuell (unter Einbezug der Q1/20 Ergebnisse) bei 23,8 und die Marktkapitalisierung bei schwindelerregenden

1250 Mrd. Euro.

Samsung zum Vergleich schafft es gerade mal auf 187 Mrd. und Sony 75 Mrd. Intel erzielt 239 Mrd. und Qualcomm als weiterer wichtiger Chiplieferant 89 Mrd. Jetzt noch der maßgebliche Vergleich in der Schwergewichtsklasse:

Microsoft: 1289 Mrd. Euro
Amazon: 1075 Mrd. Euro
Alphabet: 870 Mrd. Euro

Netflix ist mit 179 Mrd. wie auch Walt Disney mit 171 Mrd. und Spotify mit 24 Mrd. noch erwähnenswert als ein nützlicher Benchmark.

Wenn man nun die Businessmodelle der vier Giganten vergleicht, wage ich die Interpretation, dass Amazon und Microsoft am robustesten hinsichtlich der momentanen Krise aufgestellt sind. Googles Werbegeschäft wird sicher einen Dämpfer abbekommen, aber Apple die volle Wucht einer sich abzeichnenden globalen Rezession. Dies ist natürlich noch nicht aus den Q1 Ergebnissen ablesbar und vielleicht wird auch Q2 noch nicht vollends davon beeinflußt, aber eines ist für mich sonnenklar: Wenn die Kaufkraft in USA und Europa zurückgeht, dann werden sich viele Verbraucher überlegen, ob man 800 Euro für ein iPhone 11 (oder gar ab 1150 Euro für die Pro-Variante) ausgibt oder nicht. MacBooks mit Preisen ab 1200 Euro auch nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen (die erste Version des Macbook Air war unter 1000 Euro zu haben).

Ich will aus eigener Erfahrung nicht verkennen, dass die Loyalität von Nutzern gegenüber Apple-Produkten sehr hoch ist und man nur ungern aus einem funktionierenden Ökosystem aussteigt und auf Android neu beginnt (was Smartphones angeht habe ich dies aber getan). Aber viele werden es wohl notgedrungen tun müssen oder zumindest nicht mehr in der selben Frequenz Apple kaufen wie vorher. Und das wird nicht spurlos am Umsatz und vor allem Gewinn vorbeigehen. Galaxy Highend Smartphones der 2019er Generation gibt es bereits ab 570 Euro zu kaufen und das Huawei P40 ist bereits auf 813 Euro gefallen, Tendenz sinkend (das vor einem Jahr erschienene P30 kostet gerade mal noch 515 Euro).

Ich persönlich hätte nie geglaubt, dass Apple 10 Jahre nach dem Abgang von Steve Jobs so solide dasteht, aber wie heißt es so schön: Alles hat ein Ende (nur die Wurst hat zwei). Das man das Ergebnis von 63 Mrd. im operativen Geschäft jemals nochmal toppen kann, halte ich für lange Zeit für ausgeschlossen (es sei den, es kommt eine hohe Inflation). Ein Rückgang auf 10 bis 30 Mrd. würde mich hingegen nicht verwunden, denn ich sehe wirtschaftlich nicht positives aus der Corona-Krise erwachsen, die Konjunktur-Risiken aber als gewaltig an.

Für mich ist es deshalb keine Frage von ob, sondern nur von wann. Seit langer Zeit habe ich mir vor knapp 4 Wochen wieder mal einen Put-Optionsschein ins Depot gelegt (mit zugegebenermaßen erstmal sehr verhaltenem Investment), der im September fällig wird und 260 $ als Basispreis hat. Momentan stehe ich 44% im Minus. Aber abgerechnet wird bekanntlich zum Schluss...


========= Quellen ==========

https://investor.apple.com/investor-relations/default.aspx

https://www.fool.com/investing/2020/05/03/what-bugs-me-most-about-apple-q2-services-revenue.aspx



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