Kommentar vom 09.12.13
InvestorSaigo
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Gliederung:
1. Einleitung
2. Das Geschäftsmodell
3. Der Konzern
4. Segment Mais
5. Segment Zuckerrüben
6. Segment Getreide
7. Ausblick
8. Kennzahlen
9. Fazit


1. Einleitung
Die im SDAX vertretene KWS Saat AG züchtet landwirtschaftliche Nutzpflanzen, deren Saatgut an Bauern und Landwirtschaftsunternehmen verkauft wird. Mit 60% des Gesamtumsatzes ist das Segment Mais das bedeutendste Geschäftsfeld, in dem auch sog. Ölsaaten wie Raps, Sonnenblumen und Sojabohnen organisiert sind. Daneben wird Saatgut für Zuckerrüben und neuerdings Pflanzkartoffeln (Segment Zuckerrüben) sowie Hybridroggen, Weizen und Gerste (Segment Getreide) hergestellt. Das Unternehmen beschäftigt 4443 Mitarbeiter in 70 Ländern.
Dabei konnte die KWS Saat AG im letzten Jahr trotz teilweise schlechtem Klima Gewinn und Umsatz steigern. Vor allem ein heißer Sommer in den USA und eine große Trockenheit in Russland und der Ukraine machten den dort zur Saatgutgewinnung und -Züchtung angebauten Pflanzen zu schaffen.



2. Das Geschäftsmodell
Ziel des Unternehmens ist die Züchtung neuer Arten, die eine höhere Resistenz gegen Schädlinge, Wetter und Pflanzenschutzmitteln sowie höhere Erträge bringen.
Eine höhere Resistenz der Pflanzen ist besonders für die ökologische Landwirtschaft notwendig, da hier auf Chemie verzichtet wird und daher weniger Pestizide (gegen tierische Schädlinge, z. B. Blattläuse), Herbizide (gegen pflanzliche Schädliche wie z. B. Schimmel) und Dünger verwenden können. Die Züchtungen der KWS Saat AG unterstützen also die ökologische Landwirtschaft: Damit werden Land und Wasser geschont, Klimaschutz und Erhalt der Artenvielfalt unterstützt und die Rodung weiterer Wald- und Grasflächen vermieden.
Dank dem sog. Züchtungsvorbehalt dürfen die rechtlich geschützen neuen Sorten von anderen Züchtern für ihre eigenen Neuzüchtungen nutzen; damit wird ein freier Zugang zu genetischen Ressourcen gewahrt und ein "Saatgut-Monopol", für den bspw. der amerikanische Saatgutkonzern Monsanto in den Medien häufig kritisiert wird, vermieden.



3. Der Konzern
Die KWS Saat AG erzielte im letzten Geschäftsjahr erstmals einen Umsatz von über 1 Milliarde Euro: Gegenüber dem Vorjahr stieg der Umsatz um +16,3% von 986,3 auf 1.147,2 Mrd. €. Das Betriebsergebnis (=EBIT = Earnings before Interest and Taxes = Einnahmen vor Zinsausgaben und Steuern) stieg um +7% von 140,9 auf 150,7 Mio. €.
Dass das EBIT weniger gestiegen ist als der Umsatz liegt an noch stärker gestiegenen Kosten (da Gewinn = Umsatz minus Kosten): Die Herstellungskosten sind um +16,5% gestiegen, was vor allem auf Trockenheit in bestimmten Anbaugebieten und den damit gestiegenen Wasserbedarf zurückzuführen ist. Gleichzeitig stiegen die Vertriebskosten um +18,2% und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um +11,2%. Beides senkt zwar kurzfristig den Gewinn, ist langfristig aber positiv zu bewerten: Die Vertriebskosten stiegen durch den Ausbau bisheriger und den Aufbau neuer Vertriebsstrukturen, wodurch in Zukunft neue Kunden gewonnen werden können. Die erhöhten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) machen sich in Zukunft durch die Entwicklung besserer Saatgüter bewährt: Schneller wachsende oder resistentere Saaten erzielen bessere Preise und einen höheren Profit.
Die langfristige Betrachtung ergibt ebenfalls ein positives Bild: In den letzten 5 Jahren stieg der Umsatz durchschnittlich um +12,5% jährlich, das EBIT um +17,9%. Die Eigenkapitalrendite von 15,6% und die Eigenkapitalquote von 55% können sich ebenfalls sehen lassen.



4. Segment Mais
Da Mais sehr schnell wächst, und im richtigen Klima sogar mehrmals jährlich geerntet werden kann, ist er sowohl als Futterpflanze als auch für die Biogaserzeugung sehr beliebt.
Dieses Segment hat sich überdurchschnittlich gut entwickelt, was dank des überdurchschnittlichen Anteils von 60% am Gesamtumsatz überdurchschnittlich erfreulich ist.
Der Umsatz stieg um +22,8% von 571,5 auf 701,7 Mio. €. Das EBIT stieg um +18,3% von 77,8 auf 92,0 Mio. €. Die EBIT-Marge (Gewinnmarge, Anteil des Gewinns am Umsatz, ein gutes Maß für die Effizienz eines Unternehmens) beträgt 13,1%, was ein guter Wert ist.



5. Segment Zuckerrüben
Zuckerrüben und Pflanzkartoffeln haben im letzten Jahr eine schwere Zeit durchgemacht. (Pflanzkartoffeln sind für Bauern zum Anbau gedacht, anders als behandelte, nur zum Verzehr gedachte Kartofflen aus dem Supermarkt.) Neben den eingangs erwähnten klimatischen Belastungen sank die weltweite Anbaufläche für Zuckerrüben um 11% auf 4,2 Mio. ha.
Der Segmentumsatz stieg um +4,9% von 313,4 auf 328,6 Mio. €, aber das EBIT sank um 8% von 79,9 auf 73,5 Mio. €. Dank der guten Präsenz in den wichtigen, weil finanzstarken, Industrieregionen Nordamerika und Mitteleuropa kann jedoch wieder auf gute Zeiten gehofft werden; bpsw. konnte die KWS Saat AG ihren Marktanteil in Nordamerika von 60% auf fast 70% steigern.
Erstens Problemfeld ist die Region Osteuropa, wo der Umsatz um 20% gesunken ist. Das zweite Problemfeld ist das Geschäft mit Pflanzkartoffeln, welches gerade erst anläuft und eine noch ungewisse Zukunft hat.



6. Segment Getreide
Das Segment Getreide umfasst das Geschäft mit Hybridroggen, Weizen und Gerste. (Hybridroggen entstehen durch Hybridzüchtung, bei der zwei Pflanzen mit den selben Eltern, die also quasi "Geschwister" sind, miteinander gekreuzt werden; durch diesen Inzucht lassen sich bestimmte Eigenschaften stärker als bei normaler Züchtung weitervererben. Dies geht meistens zu Lasten der Fruchtbarkeit, was für KWS Saat allerdings vorteilhaft ist, da die Bauern so erneut Hybridroggen kaufen müssen.)
Der Umsatz stieg um +19,7% von 93,3 auf 111,7 Mio. €, das EBIT um +41,8% von 18,9 auf 26,8 Mio. € und die EBIT-Marge von 20,3% auf stolze 24%. Diese Steigerungen konnten erreicht werden, obwohl die weltweite Getreideernte laut amerikanischem Landwirtschaftsministerium im Jahr 2012 um 10% gesunken ist.



7. Ausblick
Die Agrarrohstoffpreise sind in diesem Jahr dank guter Ernteprognosen deutlich gesunken. Allerdings werden die Preise in Zukunft eher steigen als fallen. Die Nachfrage wird in Zukunft nämlich immer weiter steigen:
1. Die Weltbevölkerung wächst stetig und wird wohl voraussichtlich nicht aufhören zu wachsen.
2. Dank steigendem Wohlstand auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern werden zunehmend höherwertige Nahrungsmittel wie Fleisch- und Milchprodukte nachgefragt. Diese benötigen riesige Mengen an Futtermitteln.
3. Pflanzen werden als nachwachsender Rohstoff für Bioenergie benötigt.
Demgegenüber kann das Angebot nur begrenzt steigen, nämlich entweder durch die Gewinnung weiterer Anbauflächen oder durch Anbau leistungsfähigeren Saatguts.

Für das nächste Geschäftsjahr erwartet der Vorstand einen Umsatzanstieg um +5%, jedoch einen Rückgang des EBIT 10 Mio. €, d. h. um 6,6%. Ursachen für den erwarteten Gewinnrückgang sind die erhöhten Vertriebs- und F&E-Ausgaben (s. o. Punkt 3) und die damit gestiegene Mitarbeiterzahl.



8. Kennzahlen
Die Aktie der KWS Saat AG weist ein Beta von 0,4 auf. D. h. dass die Aktie 40% (= 0,4) schwächer schwankt als der DAX, also nur um 0,4 % steigt oder fällt, wenn der DAX um 1 % steigt/fällt. Die Aktie ist also für all jene geeignet, die von einem fallenden DAX ausgehen, da sie weniger stark fallen wird; dafür wird sie bei steigendem DAX auch weniger stark mitsteigen.
Die Korrelation zum DAX beträgt 0,31. Die Aktie folgt also kaum dem DAX, sondern bewegt sich ziemlich unabhängig von der Entwicklung des DAX.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,7 ist die Aktie allerdings schon relativ hoch bewertet, sodass sich weitere Kurssteigerungen in Grenzen halten werden; allerdings kann aufgrund des hohen Gewinnwachstums (siehe 3.) eine höheres KGV akzeptiert werden. Wer die Aktie dennoch kauft, kann - ohne Kurssteigerungen - bei konstanten Gewinn eine jährliche Rendite von 5,3% erzielen.



9. Fazit
Der Konzern konnte in den letzten Jahren Umsatz und Gewinn regelmäßig deutlich steigern und hat damit seine Wettbewerbsfähigkeit bewiesen. Allerdings ist die Aktie bereits akzeptabel bewertet, sodass große Kurssteigerungen unwahrscheinlich sind, und aufgrund der Dividendenrendite von 1,2% ist sie auch nicht als Dividendentitel geeignet. Wer allerdings auf der Suche nach einem defensiven Wert ist, von einem fallenden DAX ausgeht oder das Rendite-Risiko-Profil seines Portfolios verbessern möchte, kann ohne große Gefahr - evtl. beim nächsten Kursrückgang - einsteigen.



10. Quellen
Kennzahlen:
Alles andere: Geschäftsbericht der KWS Saat AG für das Geschäftsjahr 2012/2013
Anmerkungen
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Mehr Infos
KWS Saat Aktie
Kurs: 333,22€     -2,1% vs. Vortag
Kursentwicklung 3 Monate (Graue Fläche = DAX)  
Investor
Saigo
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Aktien-Portfolios von Saigo haben sich im
Ø 1% p.a. besser entwickelt als der DAX.