Kommentar vom 06.08.17
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Kleiner Ölpreis und schlechte Geschäfte für Ölfirmen
Folgende Punkte sollen analysiert werden:

1. Flaute am Ölmarkt
2. Exxon Mobil fundamental betrachtet
3. Fazit

Quellenbelege jeweils in Klammern angezeigt (1), (2) usw. Quellenbeleg am Ende des Textes.

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1. Flaute am Ölmarkt

Exxon Mobil hat derzeit wie alle anderen Ölkonzerne auch mit einer Preisflaute am Ölmarkt zu kämpfen. Konnten die Ölkonzerne bis 2014 noch mit einem Rohölpreis von über 100 $ pro barrel kalkulieren so verfiel der Preis für das Öl ab September 2014 bis heute auf einen Preiskanal von 40 $ - 55 $ (1) der in den letzten 3 Jahren nur selten verlassen wurde. Dementsprechend haben sich die Umsätze von Exxon Mobil von 2013 bis 2016 halbiert, die Gewinne gar geviertelt. Man könnte nun vermuten, dass diese Bilanz einem Missmanagement von Exxon Mobile zuzuschreiben sei, allerdings zeigt der Vergleich mit anderen großen Ölfirmen, dass diese ebenso unter dem Preisverfall des schwarzen Goldes zu leiden hatten.

Umsatzentwicklung von Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell, BP und Total von 2013-2016, Veränderung in %:

Umsatzentwicklung Exxon Mobil 2013-2016: - 48 % (2)
Umsatzentwicklung Chevron 2013-2016: - 50 % (3)
Umsatzentwicklung Royal Dutch Shell 2013-2016: -47 % (4)
Umsatzentwicklung BP 2013-2016: - 51 % (5)
Umsatzentwicklung Total 2013-2016: - 21 % (6)

Gewinnentwicklung von Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell, BP und Total von 2013-2016, Veränderung in %:

Gewinnentwicklung Exxon Mobil 2013-2016: - 76 % (2)
Gewinnentwicklung Chevron 2013-2016: nicht berechenbar da aktuell Verluste (3)
Gewinnentwicklung Royal Dutch Shell 2013-2016: -72 % (4)
Gewinnentwicklung BP 2013-2016: - 99 % (5)
Gewinnentwicklung Total 2013-2016: - 42 % (6)

Man sieht an diesen Zahlen, dass nicht nur Exxon Mobil unter dem fallenden Ölpreis leidet sondern alle Ölfirmen. Die Umsätze der meisten hier untersuchten Ölfirmen haben sich halbiert, die Gewinne sind oftmals auf ein Viertel der Zahlen von 2013 abgefallen.

Warum fällt der Ölpreis?
Offenbar haben die zeitweiligen Rekordpreise am Ölmarkt das Angebot an sogenannten nichtkonventionellen Kohlenwasserstoffen (zum Beispiel Ölsand und Shalegas) massiv gefördert. Zwischen 2007 und 2014 war der Ölpreis der Sorte WTI lange Zeit auf einem Preisniveau von über 100 $ (7), was den Ausbau nichtkonventioneller Öle und Kohlenwasserstoffe massiv angeschoben hat.
In den USA zum Beispiel hat ein wahrer Frackingboom eingesetzt und die USA haben durch Fracking tatsächlich die Rekordförderung ihres Landes aus den 70er Jahren wiederum erreicht und sind zum Ölexporteur geworden. Mittlerweile werden 9,3 Mio barrel Öl täglich alleine in den USA gefördert (8). Auch der erneute Versuch einer Preiserhöhung durch Förderdrosselung durch die OPEC kann die Preisentwicklung aktuell nicht dämpfen, da die Lager voll sind.

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2. Exxon Mobil fundamental betrachtet

KGV (= Kursgewinnverhältnis)
Das KGV von Exxon Mobil beträgt aktuell 33,7 (1). Dies entspricht einer für Aktien niedrigen Verzinsung von 2,97 %. Exxon Mobile ist im Moment also teuer.

Gewinnentwicklung (1)

2013: 32.580 Mio. €
2014: 32.520 Mio. €
2015: 16.150 Mio. €
2016: 7.840 Mio. €

Die Gewinne von Exxon Mobil schrumpfen dahin. Seit 2014 haben sich die Gewinne jedes Jahr halbiert, eine aus Anlegersicht äußerst unangenehme, wenn nicht besorgniserregende Entwicklung.

Umsatzentwicklungentwicklung (1)

2013: 420.436 Mio. €
2014: 411.939 Mio. €
2015: 259.488 Mio. €
2016: 218.608 Mio. €

Die Umsätze Exxon Mobile haben sich von 2013 bis 2016 etwa halbiert. Dies ist eine sehr negative Entwicklung.

Dividende
Die Dividendenrendite beträgt 3,8 %. Diese Dividendenrendite ist mittelmäßig und stellt einen gewissen Kaufgrund da.

Fazit Fundamentaldaten:

Aus fundamentaler Sicht sieht Exxon Mobil schlecht aus. Die Umsätze haben sich halbiert, die Gewinne gar geviertelt. Eine mittelgroße Dividendenrendite kann solch ein Wegbrechen des Konzernes nicht ausreichend kompensieren, da bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung zu erwartende Kursverluste deutlich schwerer wiegen als 3,8 % Dividendenrendite im Jahr.

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3. Fazit

Der Umsatz und Gewinn von Exxon Mobil ist durch die geringeren Ölpreise ab 2014 massiv belastet worden. Aus Investorensicht lautet die entscheidende Frage, wie sich das Unternehmen in der Zukunft entwickeln wird. Werden Umsätze und Gewinne noch weiter abfallen? Dies kann bei einem Ölunternehmen nur durch die Betrachtung des Ölpreises und er ihm zugrundeliegenden Mechanismen abgeschätzt werden.
Laut der kybernetischen Theorie des Ölmarktes strebt der Ölmarkt nach einem Gleichgewicht. Dieses wird durch die Interaktion der 3 Variablen 1. Preis 2. Ölangebot 2. Ölnachfrage erreicht. Wenn der Ölpreis steigt wird dies Ansteigen durch eine Nachfragezerstörung und Angebotserhöhung abgebremst. Wenn der Ölpreis fällt, wird das Abfallen durch eine Angebotszerstörung und Nachfrageerhöhung abgebremst.

Kurzfristiger Ausblick am Ölmarkt:
Ein weiteres Abfallen des Ölpreises unter 40 $ ist dauerhaft sehr unwahrscheinlich, da hierdurch das Angebot der Ölsandförderer und Frackingfirmen zerstört würde, die 40 $ und mehr brauchen um profitabel arbeiten zu können. Ein Ölpreis von zum Beispiel 10 $ würde soviele der Firmen die nichtkonventionelles Öl fördern zerstören, dass der Preis wieder über 40 $ rutscht. Nach oben hin ist der Preis gedeckelt, da die Summe aus konventioneller Ölförderung und neuen nichtkonventionellen Quellen mehr als ausreichend ist den Weltbedarf zu decken und wie man an der Drosselung der OPEC-Staaten sieht sogar noch Reservekapazitäten da sind die auf den Markt geworfen werden könnten.

Langfristiger Ausblick am Ölmarkt:
Auf 10-20 Jahre gerechnet wird die weitere Ausschöpfung nichtkonventioneller Kohlenwasserstoffe (Ölsand, Gas, Shalegas, Tiefseeöl) ausreichen um den Abfall konventioneller Quellen zu kompensieren. Die Chance großer Preisspünge nach oben sehe ich nicht. Dagegen besteht die Gefahr, dass der massive Ausbau von Elektroautos wie ihn Tesla, Daimler und viele andere forcieren, das Angebot auf dem Treibstoffmarkt zusätzlich erhöht, was schlecht für Exxon Mobil und andere Ölfirmen ist. Wenn Elektroautos bedeutsame Marktanteile erreichen würden Kohlekraftwerke, Kernkraftwerke, Windkraft und Photovoltaik via Elektroauto zu Treibstoffquellen werden. Wenn der Strom billiger wird als Treibstoff an der Tankstelle wird die Ölindustrie große Probleme bekommen.

Exxon ist also bestenfalls in einem Seitwärtsszenario zu sehen. Möglicherweise – wenn die Elektroautos große Marktanteile bekommen und Elektrostrom billiger ist als Diesel und Benzin - wird Exxon sehr große Probleme bekommen. Allein zeitweilige Erhöhung des Ölpreises kann bei Exxonaktionären Geld einbringen, immer aber unter der ständig größer werdenden Gefahr, dass das ganze Geschäftsmodell durch Elektromobilität unter die Räder kommt. Ein Szenario in dem man nicht gerne investiert sein möchte.


Bewertung Exxon:

Risiko: hoch
Chancen: mittel
Empfehlung: Verkaufen/Shorten


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Quellen:
(1) https://www.onvista.de/rohstoffe/Oelpreis-WTI-26263303
(2) https://www.informunity.de/sd/STID-128/Aktie-ExxonMobil.htm
(3) https://www.informunity.de/sd/STID-360/Aktie-Chevron.htm
(4) https://www.informunity.de/sd/STID-337/Aktie-Royal-Dutch-Shell.htm
(5) https://www.informunity.de/sd/STID-295/Aktie-BP.htm
(6) https://www.informunity.de/sd/STID-177/Aktie-Total.htm
(7) https://www.wallstreet-online.de/rohstoffe/oelpreis-wti#t:max||s:lines||a:abs||v:month||ads:null
(8) http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/oelpreis-unter-50-dollar-die-schwaeche-der-weltoelallianz-a-1146364.html


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