Kommentar vom 10.02.13
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Peak Oil und das Ende vom Ende des Ölzeitalters?
EINLEITUNG:

Exxon Mobile konnte kürzlich mit 44,9 Mrd. $ den zweithöchsten Jahresgewinn verkünden, den je ein Unternehmen machte (1). Das Unternehmen wurde zeitweilig der wertvollste Konzern der Welt und ist nun wiederum auf Platz 2 hinter Apple.

Gleichzeitig mehren sich die Gerüchte um ein Ende des Ölzeitalters durch Peak Oil. Durch den neuen Shale-Gas- und Shale-Oil-Boom in den USA erleben wir aber womöglich gerade das "Ende vom Ende" des Ölzeitalters. Immerhin hat sich der Gaspreis in den USA durch die Shalegasförderung fast halbiert.
Die Frage ist nun, wie daher die Situation der grössten Ölkonzerne perspektivisch aussieht und ob sie ein gutes Investment sind. Diese Frage soll hier exemplarisch an Exxon-Mobile behandelt werden.


Quellenangaben werde ich mit Nummern Bsp.: (x) bezeichnen und am Ende sammeln, damit der Text übersichtlicher wird.

Folgende Punkte sollen analysiert werden:

1. Der Konzern fundamental bewertet.
2. Die Herausforderung Peak Oil.
3. Der Boom der unkonventionellen Kohlenwasserstoffe.
4. Der Blick auf das Unternehmen.
5. Fazit.
6. Handlungsempfehlung.
7. Quellen.


1.Der Konzern fundamental bewertet.

Als brauchbare Maße der Fundamentalbewertung sehe ich vor allem die Kontinuität der Gewinne und das Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV.
Desweiteren sind noch das Kurs-Umsatz-Verhältnis KUV und das Kurs-Buchwert-Verhältnis KBV interessant.
Kontinuität der Gewinne
Die Gewinne der letzten Jahre von Exxon Mobile zeigen eine hohe Kontinuität (2)

Gewinne 2010: 4,65 €
Gewinne 2011 : 6,30 €
Gewinne 2012 : 5,91 €
Gewinne 2013 (e) : 5,98 €

Dabei muss man beachten, dass die Gewinne von Exxon maßgeblich mit vom Ölpreis WTI (3) abhängen. Setzt man Gewinne und Ölpreis in Bezug so ergiebt sich folgendes Bild:

Gewinne 2010: 4,65 € Ölpreis Jahresdurchschnitt: 80 $
Gewinne 2011 : 6,30 € Ölpreis Jahresdurchschnitt: 94 $
Gewinne 2012 : 5,91 € Ölpreis Jahresdurchschnitt: 94 $
Gewinne 2013 (e) : 5,98 € Ölpreis Jahresdurchschnitt: ???

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das KGV von Exxxon beträgt aktuell 9,2 (4).
Zum Vergleich: der Durchschnitts-KGV der grössten us-amerikanischen Firmen des Dow Jones, zu denen Exxon gehört liegt derzeit bei 12,14.
Somit ist Exxon eher billig, aber nicht herausragend unterbewertet.

Kurs-Umsatz-Verhältnis

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von Exxon liegt aktuell bei 0,8 (4).
Damit liegt Exxon unterhalb des billigesten Quartils aller Unternehmen des Dow Jones (5). Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist also günstig.

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von Exxon liegt aktuell bei 2,5 (4).
Beim Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt Exxon genau in der Mitte, konkret hat Exxon das 15. billigste oder eben 15. teuerste Kurs-Buchwert-Verhältnis der Dow-Jones-Unternehmen (5).

Fazit.
Kontinuität der Gewinne, günstiges KGV und sehr günstiges Kurs-Umsatz-Verhältnis sprechen für einen Kauf von Exxon-Mobile.


2. Die Herausforderung Peak Oil.

2.1 Peak Oil und die Folgen

Peak Oil, das ist eine Theorie darüber, dass die Weltölproduktion sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr steigern lässt und dann unweigerlich fallen wird. Peak Oil ist genaugenommen dieser Zeitpunkt der weltweit höchsten Ölförderung.
Die Folgen einer weltweit fallenden Ölförderung dürften verheerend sein: Verteuerung nahezu sämtlicher Güter, maßgabliche Verteuerung von Verkehr und Transport und damit brachiale Deglobailsierung, starke Verteuerung auch von Lebensmitteln. So ließ sich zum Beispiel beobachten, dass die arabischen Revolutionen Ende 2010 und 2011 alle dann ausbrachen, als der Weizenpreis vom vorherigen Preisniveau von 5 $ auf dann 7- 9 $ kletterte (6). Ein globaler Förderabfall des Öles hätte vermutlich noch weitaus stärkere Auswirkungen.
Für die Ölkonzerne wie Exxon würde dagegen eine Peak Oil-Entwicklung trotz eigenen Förderabfalls dank der im Förderabfall stark steigenden Ölpreise stark steigende Gewinne bedeuten.

2.2 Präzisierung der Begriffe

Allerdings stellt sich die Sache noch komplexer dar, wenn man genauer definiert, was man mit Peak Oil meint. So nimmt Hasse in seinem Buch "System Öl" (7) den Begriff Peak Oil systematisch auseinander (7). So kann man die Ölförderung nach Ländern betrachten und dementsprechend von "Peak USA", "Peak Russland" oder "Peak China" für Öl reden.

Noch wichtiger ist, dass "Peak Oil" nun tatsächlich nur den Förderabfall des konventionellen Öles meint, aber nicht gleichzusetzen ist mit "Peak Energy" (7). Außer "Peak Oil" gibt es eben noch "Peak Oilsand", "Peak Gas" oder "Peak Shalegas" um nur einige weitere zu nennen. Theoretisch könnte man auch von "Peak Windenergie" und "Peak Solarenergie" reden, wenn diese Energien limitiert sind. Desweiteren ist es chemisch mit dem Fischer-Tropsch-Verfahren möglich Kohle als Ersatz für Öl zu nutzen, weshalb ,man auch Kohle in das Ölmodell einbeziehen kann. Auch regenerative Energien könnten Öl ersetzen, wenn oder falls es Sprünge in der Elektromotorentechnologie für PKWs gibt und deren Akkus billiger werden.

Entscheidend an diesen Überlegungen ist, dass möglicherweise Peak Oil eben nicht zu Peak Energy, also einem weltweiten Abfall der global verfügbaren Energiemenge führen muss und somit Peak Oil auch nicht zwingend die Weltwirtschaft erdrosseln muss.


2.3 Das kybernetische Modell

Vielmehr propagiert Hasse ein kybernetisches Modell, also dass durch Regelkreise Angebot und Nachfrage den Ölpreis regulieren, dieser aber wiederum Angebot und Nachfrage steuert. Insofern würde ein durch eine Peak Oil-Entwicklung angestossener erhöhter Preis wiederum ein neues Gleichgewicht erschaffen, indem er die Nachfrage dämpft und das Angebot erhöht.
Das Angebot an Öl lässt sich deshalb erhöhen, weil es Öl-Ressourcen gibt, die sich erst ab 60 $, 80 $, 100 $ coder 120 $ zu fördern lohnt, weshalb ein Preisanstieg in diese Regionen wiederum zu einer Dämpfung des Preises durch Ressourcen die so zu förderbaren Reserven werden führt.
Dies alles fasst Hasse in dem Szenario der "Mäßig harmonischen Selbstregulation" (7) des Ölmarktes zusammen, in dem der Ölmarkt sich durch wellenartige Preisbewegungen selbst reguliert(7). Solche wellenartige Bewegungen um ein bestimmtes Preisniveau, gewissermaßen also ein dynamische Gleichgewicht kann man tatsächlich von 2011 bis heute beobachten (8).
Dies alles bedeutet, dass Peak Oil als solches stattgefunden hat, aber eine Preiseskalation am Ölmarkt sowie ein Kollaps der Weltwirtschaft ausblieb, da ein erhöhter Ölpreis eben aus nur vorhandenen Ressourcen förderbare Reserven macht.

Am Ölmarkt kehrt sich nun also gewissermaßen die Logik um: nicht nur Angebot und Nachfrage machen den Preis, sondern ein erhöhter Ölpreis macht sich ein höheres Angebot und eine niedrigere Nachfrage, somit schafft ein langfristig höherer Ölpreis ein neues Gleichgewicht.


3. Der Boom der unkonventionellen Kohlenwasserstoffe

Was konkret damit gemeint ist, dass aus nur vorhandenen aber nicht rentabel förderbaren Ressourcen nun förderbare Reserven wurden lässt sich am Shale-gas- und Shale-Oil-Boom der USA zeigen. Seit Jahren wird in den USA nun schon massiv Schiefergas, sogenanntes Shalegas gefördert und der Gaspreis hat sich dementsprechend seit Ende 2008 nahezu halbiert (9). Nun wird ähnliches auch für die Förderung von unkonventionellem Öl erwartet. Die IEA erwartet gar, dass die USA bis 2017 Saudi Arabien und Russland als grösster Ölförderer wieder überholen wird (10). Bis 2015 soll die USA laut IEA zum grössten Gasproduzenten der Welt aufsteigen und ab dem Jahr 2030 sogar in die Rolle eines Öl-Exporteurs hineinwachsen (10).
Diese Prognosen halte ich für etwas überoptimistisch, es bleibt dennoch der wichtige Fakt, dass die Summe der unkonventionellen Kohlenwasserstoffe wie zum Beispiel Ölsand und Gas wesentlich den Förderabfall des konventionellen Öles auffangen können, oder diesen sogar überkompensieren können wie die IEA meint.

Dieser Boom unkonventioneller Kohlenwasserstoffe spielt sich nicht nur in den USA ab. So gibt es seit Jahren eine kanadische Ölsandindustrie die mittlerweile bedeutsame Beiträge zur Weltölversorgung liefert. So trug die kanadische Ölsandindustrie schon 2007 1,2 Mio b/d zur weltweiten Förderung bei (11), was immerhin 4 % der damaligen Weltölförderung entspricht. Bis 2015 sollte die Menge der kanadischen Ölsandproduktion auf 4 Mio b/d steigen, was dann schon mehr als 10 % der Weltölproduktion entsprechen dürfte (11). Und dabei muss man berücksichtigen, dass die kanadische Ölsandproduktion ja nur ein Teil der unkonventionellen Kohlenwasserstoffproduktion wiederspiegelt.

In Australien wurden nun gar 233 Mrd. Barrel Schieferöl in 3 Vorkommen entdeckt, dies ist das siebenfache der Weltölförderung / Jahr und hat einen Gegenwert von 20 Billionen australischen Dollars (12). Zum Vergleich: Australien verbraucht insgesamt 739,8 Mio Barrel an Energie in Öl umgerechnet (13) . Das bedeutet, diese 3 Schieferölvorkommen allein Australiens Energieversorgung für 314 Jahre decken könnten, wenn Australien sich entschlösse auf seine Kohlekraftwerke und andere Energieformen gänzlich zu verzichten. Sollten diese Ressourcen förderbar sein, würde selbst Australien zum Ölexporteur und dies ist kein Einzelfall.

Fazit.
Das Zeitalter der Energiegewinnung durch fossile Energieformen ist noch lange nicht zu Ende, sondern der Förderabfall des konventionellen Öles wird durch Tiefseeöl, Ölsand, Shalegas und Shaleoil vermutlich kompensiert werden können. Da dieser Boom in den USA und wohl bald auch Europa stattfindet werden Konzerne wie Exxon noch lange im Geschäft bleiben.


4. Der Blick auf das Unternehmen

4.1 Energiereserven

Interessant für einen Ölkonzern ist naturgemäß, wieviel Reserven er hat. Wichtig scheint, trotz des Boomes der unkonventionellen Wasserstoffe immer auch noch die Förderung von normalem Öl. Diese wird in den USA weniger, also ist es für internationale Ölkonzeren entscheidend in neue Förderregionen hineinzugehen, die nocht nicht im Decline sind.

Exxon Mobile fördert und exxploriert in Angola, Tansania, Süd-Afrika, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Russland (14). Diese Nutzung neuer Quellen auf 3 Kontinenten dürfte es Exxon-Mobile ermöglichen seine Ölförderung aufrechtzuerhalten.

4.2 Aktuelle Situation

Die Einnahmen in 2012 waren jedenfalls gegenüber 2011 nochmals deutlich angestiegen von 41.060 Mio. $ in 2011 auf 44.880 Mio. $ in 2012 (15).
Allerdings ist eben auch der finanzielle Aufwand der Exploration neuer Ölquellen angestiegen, von 36.766 Mio. $ in 2011 auf 39.799 Mio. $ in 2012 (15). Dies spiegelt wieder, dass es aufwendiger wird den Ölausstoß aus neuen Förderregionen und durch neue Technologien aufrecht zu erhalten.


5. Fazit

Die Situation am Ölmarkt wird die nächsten Jahre so sein, dass der Ölpreis hoch bleibt. Denn nur ein hoher Ölpreis lässt die neuen unkonventionellen Ressourcen profitabel werden, so dass die weltweite Ölnachfrage bedient werden kann. Ein wesentlicher Preisverfall ist daher nicht zu erwarten. Auch würde ein Preisverfall am Ölmarkt wiederum Shalegas und Shaleoil unprofitabel machen, so dass durch Angebotsverknappung mangels unkonventioneller Kohlenwasserstoffe erneut ein steigender Preis zu erwarten ist.

Unter dieser Rahmenbedingung eines perspektivisch relativ hohen Ölpreises wird Exxon Mobile weiter große Gewinne machen, selbst wenn die Exploration neuer Quellen in der Tiefsee, Afrika und Sibirien tendentiell teurer wird.


6. Die Handlungsempfehlung

Mit einem KGV von 9,2 ist Exxon Mobile eher billig, die Dividendenrendite von 2,7 (3) ist attraktiv. Die Gewinne sind stark vorhersagbar, was für Investitionen ein Vorteil ist.

Exxon Mobile ist im wesentlichen eine Wette auf einen steigenden Ölpreis. Selbst bei einem gleichbleibenden Ölpreis ist das Unternehmen aber immer noch attraktiv.

Da ich mit einem gleichbleibendem bis steigendem Ölpreis rechne ist das Unternehmen daher ein Kauf für mich.



7. Quellen


(1) http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oelriese-exxonmobil-macht-45-milliarden-dollar-gewinn-a-881015.html
(2) http://www.onvista.de/aktien/snapshot.html?ISIN=US30231G1022
(3) http://www.onvista.de/rohstoffe/rohoel-wti-indikation-preis/kurs?ID_NOTATION=24877952&PERIOD=6#chart
(4) http://www.informunity.de/sd/STID-128/Aktie-ExxonMobil.htm
(5) http://www.informunity.de/stock_overview.p?ST=S&SSID=19&NS=0&VT=B&SC=C4R&SID=128
(6) http://www.onvista.de/rohstoffe/weizen-indikation-preis/kurs?ID_NOTATION=24877950&PERIOD=6#chart
(7) Hasse, Fabian. System Öl. Das Problem Peak Oil und die kybernetische Sichtweise auf den Ölmarkt (unveröffentlicht).
(8) http://www.onvista.de/rohstoffe/rohoel-wti-indikation-preis/kurs?ID_NOTATION=24877952&PERIOD=6#chart
(9) http://www.onvista.de/rohstoffe/erdgas-henry-hub-fut-indikation-preis/kurs?ID_NOTATION=24877929&PERIOD=7#chart
(10) http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energieagentur-die-usa-steigen-zum-oel-koenig-der-welt-auf/7377842.html
(11) Gates, Derek S.. Zukunft Ölsand. München.2007. Finanz Buch Verlag.
(12) http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/foerderung-per-fracking-riesiges-schieferoelvorkommen-in-australien-entdeckt/7680924.html
(13) http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staaten_mit_dem_h%C3%B6chsten_Energieverbrauch
(14) http://www.exxonmobil.com/Corporate/Files/news_presentation_4q12.pdf
(15) http://www.exxonmobil.com/Corporate/Files/news_release_earnings_4q12.pdf

Anmerkungen
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