Kommentar zur Aktie Intel

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Am 10.09.17
von armericanoo
zu Intel

Mobileye-Übernahme: Der Halbleiterhersteller geht in puncto "autonomes Fahren" in die Offensive

Der US-amerikanische Halbleiterhersteller Intel mit Hauptsitz in Santa Clara (Kalifornien) hat jüngst die Übernahme des israelischen Sensor-Spezialisten "Mobileye" für die stolze Summe von 15,3 Mrd. US-$ abgeschlossen, was in der Firmengeschichte bisher den zweitgrößten Zukauf darstellt nach dem "Altera-Deal" aus dem Jahr 2015. Dafür musste Intel allerdings sehr tief in die Tasche greifen: Bei einem geschätzten Mobileye-Umsatz von rund 500 Mio. US-$ für 2017, zahlte Intel rund das 31-fache des zu erwartenden Umsatzes für den israelischen Spezialisten.Viele Intel-Anleger fragen sich daher, warum der kalifornische Halbleiterhersteller ein derart horrendes "Sümmchen" für Mobileye auszugeben bereit ist.

Hier dazu ein paar Eckdaten: Mobileye ist ein israelischer Hersteller für Fahrerassistenzsysteme (Brems-/Spurwechselassistenz etc.) mit Sitz im israelischen Jerusalem. Gegründet wurde das Unternehmen 1999 von Ziv Aviram und Amnon Shashua, und es stattet u. a. Automobile von BMW mit seiner Technologie aus. Zudem sieht sich das Unternehmen als Weltmarktführer für Unfallpräventionssysteme, was das kompakte Lösungspaket von Mobileye vor allem mit seiner integrierten künstlichen Sehkraft und der ausgeklügelten Algorithmen-Technik eindrucksvoll unter Beweis zu stellen vermag.

Dadurch kann die Mobileye-Lösung nicht bloß Objekte wie andere Verkehrsteilnehmer (Autos, Fußgänger, Radfahrer) auf der Straße richtig einordnen und interpretieren, sondern auch Fahrbahnmarkierungen sowie Verkehrszeichen. Zu der Mobileye-Kundschaft zählt ein illustres Firmengeflecht aus der Automobilindustrie - z. B. Audi, Volvo, GM oder BMW, um nur einige davon zu nennen. Annähernd 30 Hersteller setzen bereits auf die Mobileye-Technik in ihren Fahrzeugen - weltweit sollen laut Mobileye-Management schon 15 Millionen Fahrzeuge mit deren technischer Errungenschaft ausgestattet oder umgerüstet worden sein.

Doch was sind die Gründe, weswegen Intel denn nun wirklich für das israelische Unternehmen gleich 15 Mrd. US-$ auf den Tisch zu legen bereit war? Zum einen hoffen die Kalifornier durch die Übernahme von Mobileye auf Synergieeffekte, zum anderen auch auf einen Marktzugang zu einem wichtigen Zukunftsmarkt.

1.) Massive Einsparungen in der Forschungsarbeit:
Jene sollen sich auf 175 Mio. US-$ pro Jahr durch die Zusammenlegung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten summieren.
2.) Neuer Milliardenmarkt:
Intel rechnet fest damit, dass sich das selbstfahrende Auto eines Tages am Markt durchsetzen wird. Schenkt man den Prognosen von BI Intelligence Glauben, so dürften ab 2020 bereits 10 Millionen selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs sein. Intel hingegen schätzt, dass der Markt für selbstfahrende Autos, Daten und Services im Jahr 2030 ein Volumen von bis zu 70 Mrd. US-$ erreichen könnte.
3.) Technikvorsprung von Mobileye:
Mobileye gilt als führend im Bereich der Unfallpräventionssysteme. Deren nächste Chip-Generation soll Daten von 20 Sensoren auswerten und somit das völlig autonome Fahren ermöglichen.
4.) Diversifikation der Umsatzbasis:
Mit dem Zukauf gedenkt sich Intel auch gegen einen schwächelnden PC-Markt zu wappnen, der seit geraumer Zeit aufgrund des Trends hin zu Smartphones kontinuierlich schrumpft. Für Intel ist das ein elementares Problem, erwirtschaftet der Chip-Gigant doch nach wie vor einen Großteil seines Umsatzes mit der Veräußerung von PC- und Laptop-Chips.

Mein FAZIT: Mit der Mobileye-Übernahme geht Intel in Bezug auf "Autonomes Fahren" aggressiv voran. Intel will sich damit nicht nur gegen einen stagnierenden PC-Markt neu ausrichten und positionieren, sondern sich vor allem einen künftigen Milliardenmarkt erschließen, aber damit auch die Konkurrenz weiter auf Distanz halten. Qualcomm hat Intel bei Smartphone-Chips bereits abgehängt, nachdem Intel den Trend zu Mobile-Chips lange Zeit verschlafen hatte. Nun hofft Intel mit der Übernahme von Mobileye im Automobil-Bereich Fuß zu fassen und damit etwaige Konkurrenten wie Qualcomm, Waymo, Nvidia weit hinter sich zurücklassen zu können. Um die Effektivität seiner Lösungen in der Praxis zu demonstrieren, will Intel bis Ende 2017 eine Flotte von rund 100 selbstfahrenden Autos mit Intel- und Mobileye-Technik auf die Straße bringen.
Anleger, die im Bereich autonomes Fahren investieren wollen, sollten daher sowohl Intel, Alphabet (Waymo) und nVidia im Auge behalten. Die Charttechnik ist derzeit auch alles andere als positiv gestimmt für die Intel-Aktie, "dümpelt die doch bereits seit Monaten saft- und kraftlos zwischen der Marge von 34 - 38 US-Dollar herum - und dort, am oberen Ende ist derzeit noch IMMER der "Deckel" drauf: Massive Widerstände, soweit man schauen kann. Kurzum: Zurzeit ist weit und breit noch kein "Märchenprinz" in Sicht, der dieses sich noch immer im "Dornrösschen-Schlaf" befindliche "Langweiler-Investment" durch einen Kuß aus seinen tiefen Schlummer reißen wollte oder könnte.
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