Kommentar vom 08.01.16
InvestorAceRock
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Ist die Bank noch zu retten?!
I. Allgemeines und aktuelle Lage

Deutschlands größtes Kreditinstitut, welches am 10. März 1870 in Berlin gegründet wurde und in Form einer Aktiengesellschaft operiert, zählt zu den einflussreichsten Banken der Welt.

Mit einer Bilanzsumme von 1.708,7 Mrd. € (Stand: 31. Dezember 2014) ist die Deutsche Bank ein echtes Schwergewicht in der Bankenwelt und beschäftigt 98.138 Mitarbeitern (Stand: 31. Dezember 2014).

Das Amt des Vorstandes wird von John Cryan und Jürgen Fitschen (Co. Vorstandsvorsitzender) bekleidet.
John Cryan als Frischling an der Spitze der größten Bank Deutschlands- seit dem 1. Juli 2015 im Amt- und Jürgen Fitschen als Urgestein des Geldhauses, bilden ein eher ungewöhnliches Duo.

Zwei Führungskräfte die kaum verschiedener sein könnten. Jürgen Fitschen, der zusammen mit Ex Co-Chef Anshu Jain das Image der Deutschen Bank quasi bis auf die Grundmauern ramponiert hat, wichtige Entscheidungen schleifen ließ, das Reformprogramm nicht umsetzen konnte und das Vertrauen in die Bank bis aufs Tiefste verspielt hatte im Gegensatz zu John Cryan- dem sein Ruf als erfolgreicher Sanierer voraus eilt- und der bereits bei der Schweizer Bank UBS mitten in der Finanzkrise große Erfolge erzielen konnte.

Der gebürtige Brite wird bei der Deutschen Bank als ausgewiesener Branchenkenner geschätzt.
Nun aber zurück zu den Fakten:

Der Branchenprimus ist als Universalbank tätig und betreibt bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur, Hongkong und Sydney. Ein Globalplayer also.

Umsatz (in Mio €)
2013: 31.015 Mio €
2014: 31.950 Mio €
2015: 34.717 Mio €

Gewinn (in Mio €)
2013: 681 Mio €
2014: 1.691,1 Mio €
2015: -4.205 Mio € (Q3 2015: - 6.024 Mio €)

KUV 0,9
KBV 0,4
KGV (momentan nicht ermittelbar, da die Bank Verluste in 2015 geschrieben hat)

II. Kursentwicklung (Performance)

Zu Beginn des Jahres 2015 stieg der Kurs zunächst auf über 32,50 € pro Anteil. Im Laufe des Jahres konnte die Bank, mit sehr vielen Schwankungen, diesen Kurs nicht mehr halten. Zur Mitte des Jahres fiel der Kurs unter 28 € pro Anteil.
Dies ist darauf zurück zu führen, dass wie in I. Allgemeines bereits beschrieben, der Vorstand unter der Führung von Fitschen und Jain die gesetzten Ziele nicht umsetzen konnte und die Bank diverse Strafen in Milliarden und Millionen Höhe berappen musste.

Als am 1. Juli 2015 dann der überraschende Führungswechsel kam, stieg der Kurs kurzzeitig kräftig, wenige Zeit später war davon aber auch nicht mehr viel übrig. Als dann auch noch der riesen Verlust im 3 Quartal bekannt wurde und die Dividende für die Jahre 2016 und 2017 sehr wahrscheinlich gestrichen wird, war der Kursverfall nicht mehr zu bremsen.

Die Bank notiert zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 08.01.2016) bei 21,15 €.

Auf 5 Jahressicht hat sich der Kurs fast halbiert und auf 10 Jahressicht musste die Bank 2/3 Kursverlust hinnehmen.

III. Umsatz, Gewinn bzw. Verluste und Strafen.

Die Umsätze und Gewinne wurden oben schon für die letzten drei Jahre aufgeführt, hier nehme ich nochmal etwas genauer dazu Stellung und führe auch ein paar Strafen und sonstiges auf, welche über Jahre hinweg an den Gewinnen der Bank zerrten.

Der Umsatz der Deutschen Bank kann sich durchaus sehen lassen. Mit 34.717 Mio € erzielt das Geldhaus durchaus attraktive Umsätze, welche sie auch seit 2013 um mehr als 4.000 Mio € steigern konnte.

Selbst zu Zeiten der Finanzkrise konnte die Bank gut performen und musste nicht wie viele andere Banken mit Milliarden von Euro gerettet werden, zwar sanken auch die Umsätze Deutschlands größten Kreditinstitutes, aber selbst zu solch schweren Zeit war die Deutsche Bank eine der wenigen Banken, die zu Zeiten der Finanzkrise und unmittelbar danach, überhaupt Gewinne erwirtschaften konnte.

Somit erscheint einem die Bank eigentlich als grundsolide. Doch in den letzten drei Jahren wurde es für das Geldhaus immer schwieriger Gewinne zu erzielen- trotz steigender Umsätze.

Dies ist zum Teil auch auf die bereits erwähnten Geldstrafen zurückzuführen.

Hier mal eine kleines Auswahl:

2014: 4,7 Millionen Pfund (etwa 5,9 Mio €)
Geldbuße wegen unsauber dokumentieren Derivat-Geschäften in Großbritannien.

2015: 2,5 Milliarden Dollar Strafzahlung an US-Finanzbehörden wegen Manipulation des Zinssatzes 'Libor' (Libor-Skandal).

und auch 2015: 258 Mio € Strafzahlung wegen Transaktionen für syrische und iranische Kunden (Länder die auf US-Sanktionslisten stehen) in Amerika.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Strafzahlungen die die Deutsche Bank berappen musste.

Diverse Skandale in den drei vergangenen Jahren kosteten die Bank mehr als 9 Milliarden Euro!!
Eine beachtliche Summe.

Auch die kommenden Jahre werden wieder viele Gelder für Strafzahlungen und sonstiges fließen, da die DB in über 1000 weiteren Prozessen angeklagt bzw. beschuldigt wird.

Ein echter Schocker im vergangenen Jahr war natürlich der Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro im abgelaufenen dritten Quartal (mehr als die Bank in den letzten drei Jahren verdient hat). Dieser Verlust ist größtenteils auf die Abschreibungen im Privatkundengeschäft und Investmentbanking zurückzuführen.

Bleibt also abzuwarten, ob die Universalbank in dem Folgejahren wieder Gewinne erzielen kann. Denn Rechtskosten und Konzernumbau zehren Milliarden auf, dazu kommen die sich weiter verschärfenden Vorgaben der Aufseher weltweit.

Über die Trennung der Postbank hinaus will die Deutsche Bank bis 2020 ihre operativen Kosten jährlich um zusätzlich 3,5 Milliarden Euro senken.

Ein hochgestecktes Ziel, dem Cryan erst einmal gerecht werden muss.

Info: Einen extra Rüffel gab es von dem Ratingriese Standard & Poor’s, der senkte die Langfristige Note für die Kreditwürdigkeit des Instituts auf BBB+. Bedeutet „Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen“.

IV. Personaleinsparungen, Kosteneinsparungen und Nachfolgerprobleme

Seinem Ruf als Sanierer wird Cryan bis jetzt mehr als gerecht. Die Umstrukturierung und Rettung der ramponierten Bank ist in vollem Gange. Die Kosten für den Konzernumbau beziffert Cryan auf bis zu 3,5 Milliarden Euro. 200 der 700 deutschen Filialen sollen zur Einsparung von Kosten geschlossen werden. Dies ist jedoch schwieriger als gedacht, da es überhaupt schwierig ist Zweigstellen zu finden, welche Verlust erwirtschaften. Erst dann aber wäre der Nettoeffekt positiv.

Im Zuge der Personaleinsparungen müssen 9000 Mitarbeiter die Bank verlassen und weitere 6000 bei Dienstleistern.

Zu den personellen Veränderungen kommen noch diverse Nachfolgerproblemme hinzu.

Fitschen ist nur noch bis Mai 2016 als Co-Chef tätig und geht dann in den Ruhestand- Cryan ist dann alleiniger Chef des Kreditinstitutes.
Auch wenn Fitschen in den letzten Jahren an der Spitze des Konzerns nicht gerade glänzen konnte, hat der die besten Kontakte in die Industrie. Ein würdiger Nachfolger muss erst einmal gefunden werden.

Stephan Leithner agierte als Personal- und Rechtsvorstand- dieses Amt bekleidete er zwar zuletzt sehr unglücklich- war aber einer der Rainmaker in der Fusionsberatung. Dieser will aber künftig für den schwedischen Finanzinvestor EQT Deals einfädeln.

Dies ist nur eine Hand voll Top-Mitarbeitern in der Deutschen Bank, die künftig ersetzt werden müssen. Cryan hat also einiges an Personalbedarf neu zu besetzen.

Zusätzlich will Cryan die auszuschüttende Boni so weit es geht senken. Investmentbanker reagieren auf kaum etwas anderes allergischer.
Es werden also erhebliche Personalabgänge auch dort spürbar werden, die Cryan decken muss.

V. Fazit

Die Deutsche Bank hat über die Jahre hinweg viele Probleme verdrängt und Umstrukturierungen aufgeschoben. Diese Masse an Problemen fällt nun auf einen Schlag auf sie zurück. Viele Rechtsstreitigkeiten und Strafzahlungen zerren immer wieder an den Gewinnen der Bank und zerstören das Image.

Cryan muss jetzt klar und deutlich diese Probleme angehen und sie systematisch abarbeiten und vor allem lösen. Seinem Ruf als Sanierer muss er wieder einmal gerecht werden.

Die Anleger setzen nun all ihre Hoffnungen in Cryan, dass die Bank und die Aktie bald wieder attraktiv da stehen.

Ich persönlich halte die Probleme für lösbar, allerdings wird es eine ganze Weile dauern bis die Bank wieder in neuem Glanz erstrahlt. Das verspielte Vertrauen muss zunächst zurückgewonnen werden.

Eine kurzfristige bis mittelfristige Erholung halte ich daher für fast ausgeschlossen. Nicht umsonst hat Cryan gesagt „2016 und 2017 werden keine starken Jahre“.

Hinzu kommt, dass wie bereits erwähnt, 2016 und 2017 sehr wahrscheinlich keine Dividende ausgeschüttet wird.

Diese Fakten sprechen ganz klar gegen ein Investment in die Aktie der Bank. Zunächst ist abzuwarten, wie Cryan die genannten Probleme löst und die Wirtschaftlichkeit des Geldhauses wieder verbessert. Mit den Hohen Umsätzen steht die Bank zwar gut da, sie muss allerdings sehr viel wirtschaftlicher Arbeiten und zukünftig Strafen und Rechtskosten vermeiden.

Quellen:
Manager Magazin 12/2015
Euro Magazin Ausgabe 11 u. 12/2015
http://boerse.ard.de/aktien/deutsche-bank-extra-rueffel-von-moodys100.html
http://boerse.ard.de/aktien/deutsche-bank-aktie-macht-freudensprung100.html
http://boerse.ard.de/aktien/vertrauen-verspielt100.html
http://boerse.ard.de/aktien/neuer-chef-alte-probleme100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bank
https://de.wikipedia.org/wiki/Standard_%26_Poor%E2%80%99s
http://www.welt.de/wirtschaft/article129673993/Deutsche-Banken-zittern-nach-der-US-Rekordstrafe.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/libor-skandal-deutsche-bank-muss-milliarden-dollar-strafe-zahlen-1.2449057

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