Kommentar vom 15.03.11
InvestorWarrenLynch
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Die teuerste Katastrophe aller Zeiten - und wie sie sich auf Munich Re auswirken könnte.
Die Lage:
Die bisherigen Schätzungen der Schäden belaufen sich auf bisher auf fast 100 Mrd. US$. Der versicherte Teil aber "nur" auf 15 bis 35 Mrd. US$ wovon 90% auf Japanische Versicherungen entfallen. Doch diese Schäden sind nur das Erdbeben und die Tsunamis entstanden. Jetzt kommt noch eine atomare Katastrophe dazu. Diese sorgt nicht nur für einen Mrd. US$ teuren Produktionsausfall in einer der größten Volkswirtschaften der Welt sondern auch dafür, dass ganze Gebiete auf hunderte Jahre unbewohnbar werden. Die Kosten werden also noch weit höher liegen!
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Die Wirkung:
Für die Japanische Wirtschaft ist das ein wirklich harter Schlag. Die Schäden sind das eine Problem, andererseits sind die Menschen verunsichert und betrauern den Tod von über 10.000 Mitbürgern, da arbeitet keiner mehr mit Elan. Der Produktionsrückgang wir noch dadurch verschlimmert, dass immer mehr Fabriken schließen, damit die Arbeiter nicht durch radioaktive Wolken bei der Arbeit verstrahlt werden. Lagerplätze für Materialien, Autohöfe, Rohstoffe, werden mit planen überspannt, damit diese nicht durch radiaktiven Fallout verstrahlt und damit wertlos werden. Die Produktion im dicht besiedelten Japan, liegt in den betreffenden Regionen danieder.
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Auswirkung auf Munich Re:
Müsste Munich Re das alles bezahlen, wären sie schon heute pleite! Müssen sie aber nicht, daher interessiert, wie viel Munich Re tatsächlich übernehmen muss.

o Produktionsausfälle: nur diejenigen, welche auch auf das Konto des Erdbebens und der Tsunamis gehen, doch ist der Großteil der Japanischen Wirtschaft voll intakt, nur weil die Menschen aus emotional nachvollziehbaren Gründen nicht besonders produktiv sind ist das kein Versicherungsfall.
Kosten für Munich Re 0€ Kosten für Japan hoch.

o Atomare Schäden: sind nicht versicherbar! Seit Tschernobyl werden lediglich noch Schäden am Kraftwerk versichert, nicht die Auswirkungen auf die Umgebung- weil sich kein Experte der Welt zutraut, die folgen einer atomaren Katastrophe ausreichend genau zu kalkulieren (nur unsere allwissende Atomexpertin Frau Merkel traut sich zu, unkalkulierbare Risiken kalkulieren zu können). Das betroffene Atomkraftwerk ist nach Aussagen der "Deutschen Kernreaktor Versicherungsgemeinschaft" (DKVG) weder von Munich Re noch einem anderen deutschen Versicherer versichert worden.
Direkte Kosten in Folge von Verstrahlung und Produktionsausfall für Munich Re 0€

o Die versicherten Schäden liegen nach ersten Schätzungen in einer Spanne von 15 bis 35 Mrd. US$ und auch das würde Munich Re mit Sicherheit an den Rand des Ruins bringen. Nach eigenen Aussagen, ist Munich Re jedoch in Japan kaum aktiv und ein Blick in den Geschäftsbericht bestätigt das: Ganz Ostasien inklusive Australien und Neuseeland machen nicht mal 8% des Rückversicherungsgeschäftes aus. Den meisten Schaden werden also Japanische Versicherungen zahlen, die einen Marktanteil von über 90% aufweisen. Der Vorstandsvorsitzende von Munich Re Nikolaus von Bomhard hat am Freitag vor Analysten in London eine theoretische Schadenssumme von 2 Mrd. US $ genant.
Kosten für Munich Re betragen somit maximal 2 Mrd. US $. Das wird den prognostizierten Gewinn für 2011 in Höhe von 2,4 Mrd. € deutlich schmälern. Bis jedoch genauere Zahlen kommen, werden Monate vergehen.
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Fazit:
Das Erdbeben - obwohl regional - wirkt sich auf die gesamte Welt aus. Japan ist ein Global Player und wenn die Japaner weniger produzieren und weniger Lust auf Konsum haben (wer geht nach so einem Unglück schon lustvoll Shoppen ) dürfen die Aktienmärkte der ganzen Welt mit Recht einen deutlichen Einbruch verzeichnen. Die Kosten für die Weltökonomie werden mit Sicherheit nochmals sehr hoch ausfallen.

Der Kursrückgang bei Munich Re ist also eine Kombination aus weltweiten Kursrückgängen fast aller Börsen und der zu recht begründeten Angst vor hohen Schadenszahlungen für die Münchner. Der Jahresgewinn kann also durchaus weg sein. Die Zukunft des Unternehmens bleibt trotzdem gut. Die Aktie ist und bleibt daher über 100€ Wert. Die kurzfristigen Kursbewegungen kann und will ich nicht abschätzen aber alles unter 100€ ist für mich ein klares Kaufsignal. Den aktuellen fairen Wert würde ich sogar auf 110 bis 140 schätzen, denn ein KBV von 0,9 und ein KGV von 8 sind wirklich niedrig.
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Seitenblick:
Das gesagt gilt natürlich in Grundzügen auch für andere große Versicherer, allen voran Hannover Rück, Swiss Re und Allianz.

Ebenfalls interessant sind die Folgen des Supergaus für die Energieversorger in Deutschland. (Eon, Vattenfall, RWE) Es hängt nämlich vieles davon ab, ob CDU und FDP deren Atompolitik weiterhin schützen können. Doch ich habe relativ wenig Zweifel. Diese beiden Parteien sind ja bekannt fürs Aussitzen von Entscheidungen, weil sie genau wissen, dass beim Wähler in ein zwei Jahren, das Thema Atomenergie sowieso nur noch am Rande existiert, weil diese Katastrophe dann längst in Vergessenheit geraten sein wird und andere Themen das Meinungsspektrum beherrschen.
Ob das wirklich wieder gelingt wird sich natürlich erst zeigen müssen, denn dafür müssen CDU und FDP sich einige Ablenkungsmanöver und Beschwichtigungslügen ausdenken. Die Atomindustrie ist also mehr denn je von den Lügen vom Springerverlag und der Politik abhängig.
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Quellen:
o http://www.handelsblatt.com/unternehmen/versicherungen/katastrophe-in-japan-kommt-versicherer-teuer-zu-stehen/3946676.html?p3946676=2
o AIR Worldwide
o http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EC9523065E01745B7A95279CF09E73F79~ATpl~Ecommon~Scontent.html
o Financial Times Deutschland
o http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0%2C2828%2C750772%2C00.html
o http://boersenradar.t-online.de/Aktuell/Aktien/Erdbeben-in-Japan-Wohl-teuerste-Katastrophe-aller-Zeiten-24562804.html
o http://www.sueddeutsche.de/panorama/atomkatastrophe-in-japan-newsticker-erneute-explosion-im-krisen-akw-fukushima--1.1071575
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WarrenLynch
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