Kommentar vom 07.11.17
AktieTesla
Investorarmericanoo
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Der einstige "Börsenliebling" droht zum "Rohrkrepierer" zu verkommen
Kurze Firmeninfo:

Die Tesla Inc. entwickelt und vermarktet hochwertige Sportwagen auf Elektrobasis. Überdies entwickelt und produziert der Fahrzeughersteller auch elektrische Antriebskomponente. Gefertigt werden zwei Tesla-Modelle: "Model S" und "Model X". Ersteres fällt in die Kategorie Luxusmodell, das andere ist ein SUV.. Das Kalifornische Unternehmen stellt darüber hinaus auch Ladestationen, sogenannte "Supercharger", bereit, nach dessen Nutzung das Model S innerhalb weniger Minuten vollständig aufgeladen werden kann. Darüber hinaus entwickelt Tesla auch hauseigene Batteriesysteme und Antriebe. Mit dem Stromspeichersystem "Powerwall" hat Tesla inzwischen auch einen Energiespeicher für den Haushalt mit in sein Produkt-Portfolio aufgenommen. Der Speicher funktioniert wie ein Akku, der Solarstrom oder günstigen Nachtstrom speichert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgibt.
Anfang April 2016 hatte das Tesla-Management „grob geschätzt“ 100.000 bis 200.000 "Model 3"- Produktionseinheiten für das erste Halbjahr 2017 angekündigt. Anfang Juli 2017 wurde dann bekannt gegeben, dass am 28. Juli die ersten 30 Stück ausgeliefert werden könnten.
CEO des 2003 im US-amerikanischenn San Carlos, Kalifornien, gegründeten Technologieunternehmens ist derzeit der südafrikanische Multimilliardär Elon Musk - einer der fünf Gründungsväter von Tesla.


Die positive Stimmung an den Aktienmärkten hält weiter an und sorgt für immer neue Höchststände. Allerdings steigen mit den aktuellen Kursgewinnen auch die Erwartungen der Anleger. Dies kann man besonders gut an den bereits sehr "heiß" gelaufenen Wachstumsaktien beobachten. Sollten die Unternehmen jedoch nicht "liefern", so muss man an den Börsen gerade bei diesen zukunftsträchtigen Anteilsscheinen auf eine sehr hohe Schwankungsbreite gefasst sein. So eben auch bei der Aktie des Elektrofahrzeugherstellers Tesla, die über eine lange Zeit zu den absoluten "Lieblingen" bei der globalen Anlegerschaft zählte. Nach zunächst fulminaten Kursgewinnen hatte Tesla sogar den größten Automobilkonzern der USA, General Motors, zwischenzeitlich im Börsenwert überholt. Doch diese Zeiten gehören längst wieder der Vergangenheit an. Dass der Einstieg in den Massenmarkt große Summen an Geld verschlingen wird, das dürfte den Investoren zwar durchaus bewusst sein. Aber dass Tesla derart kräftig in die roten Zahlen rutschen würde, diese äußerst unangenehme Tatsache hat denn doch für spürbaren Unmut gesorgt. Kein Wunder also, dass die Tesla-Aktie nach Präsentation der Geschäftszahlen erst einmal gehörig unter die "eigenen" Räder geriet.

Zugegeben, die Tesla-Anleger sind bereits einiges gewohnt, denn den hohen Wachstumsraten standen bislang auch zumeist noch höhere Verluste gegenüber. Doch mit den jüngsten Geschäftszahlen hatten wohl selbst die schlimmsten Pessimisten unter ihnen nicht gerechnet. Obwohl der Quartalsumsatz um 30% auf 3 Milliarden US-Dollar nach oben schoss und damit die Analystenerwartungen übertraf, so rutschte Tesla dennoch weiter tief in die Verlustzone. Genau genommen "verbrannte" der Elektroauto-Pionier 619 Millionen US-Dollar, ein horrender Betrag, der wiederum den höchsten Verlust in der kompletten Firmengeschichte darstellt. Im vergleichbaren Vorjahresquartal erzielte der US-Konzern immerhin noch einen "Minigewinn" von 22 Mio. US-Dollar.

Dabei liegen die Gründe für das schwache Abschneiden doch seit langem auf der Hand. Denn machen wir uns doch nichts vor: der geplante Einstieg in den Massenmarkt mit dem E-Auto-Modell 3 (Kaufpreis 35.000 Dollar) ist und bleibt ein finanzieller Kraftakt. Trotz hoher Investitionen hinkt Tesla seinen zuvor vollmundig verkündeten Fertigungszielen andauernd auf haarsträubender Weise hinterher, so wurde beispielsweise das wöchentliche Fertigungsziel von 5.000 Fahrzeugeinheiten bis zum Jahresende um ein komplettes Quartal nach hinten verschoben. Bis dahin ist es also noch ein ziemlich weiter und steiniger Weg.
In diesem Zusammenhang muss man wissen, das im abgelaufenen Quartal gerade einmal 260 Modelle des Fahrzeugtyps 3 vom Band gelaufen sind. Laut Tesla-Management sollten es in diesem Zeitraum jedoch insgesamt 1.500 Fahrzeuge sein.

Nach Vorlage des aktuellen Zahlenkonstruktes zeigen sich jetzt auch immer mehr Analysten skeptisch: Jene Experten haben so ihre Zweifel, ob es Tesla auch tatsächlich gelingen kann, die sehr ambitionierten Produktionsziele fürs Jahr 2018 einhalten zu können. Immerhin gedenkt das Unternehmen nächstes Jahr 500.000 Tesla-Einheiten herzustellen. Das entspräche in etwa dem Produktionsvolumen des schwedischen Autobauers Volvo. Eine besondere Herausforderung sind dabei die Herstellung der dafür benötigten Batterie-Module, für die die Kalifornier eigens eine Fabrik in die Wüste von Nevada gesetzt haben. Doch "rund" läuft es auch dort noch längst nicht. Probleme in den diversen Fertigungsabläufen, der Software und nicht zuletzt mit den Zulieferern treiben Firmenchef Elon Musk auch weiterhin die Sorgenfalten auf die Stirn. Offenbar müssen derzeit die Fahrzeuge teilweise in Handarbeit montiert werden, da die Fertigungsroboter in den Produktionsstraßen noch immer nicht wie geplant die ihnen zugedachte Arbeit verrichten.

Mein FAZIT: Die vorgelegten Ergebnisse zeigen, wie schwer es dem Elektroautobauer tatsächlich fällt, mit seinen Fahrzeugen den Massenmarkt zu bedienen. Vor dem Hintergrund der massiven Verluste, welche vergangenes Quartal "eingefahren" wurden, gleicht eine jede weitere Tesla-Bewertung auch weiterhin einer "Rechnung mit vielen Unbekannten". Mit einem Jahresumsatz von 11 Milliarden US-Dollar ist Tesla aber auch kein Startup mehr und muss jetzt - und nicht irgendwann in ferner Zukunft - liefern. Sollte es dem einst so verheißungsvoll an den Start gegangenen Technologiekonzern also nicht endlich gelingen, die hauseigenen Produktionshemmnisse zu beseitigen, abzustellen, so dürfte sich auch das Aufwärtspotenzial einer Tesla-Aktie in überschaubaren Grenzen halten.
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