Kommentar vom 01.04.18
AktieTesla
InvestorEqua
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Tesla, quo vadis?
Nachdem Tesla vergangene Woche über 120.000 Model S wegen rostender Schrauben zurückrufen musste (http://www.t-online.de/finanzen/boerse/news/id_83478372/tesla-ruft-weltweit-123-000-model-s-in-die-werkstaetten-zurueck.html), schloss der Kurs mit einem Wochenminus von 15% bei ca. 266$/Aktie.

War das nur der Anfang einer Rally gen Süden?

Mit dieser Woche lief das erste Quartal 2018 ab, bis zu welchem Ende Musk eine Produktionsrate von 2.500 Model 3 angekündigt hatte.
Nach Schätzungen von Bloomberg (https://www.bloomberg.com/graphics/2018-tesla-tracker/) oder Aussagen von Insidern (https://electrek.co/2018/03/29/tesla-model-3-production-units-quarter/) befindet man sich davon jedoch noch weit entfernt. Eine Rate von 1.500 Model 3 erscheint hierbei schon sehr positiv. Die tatsächlichen Zahlen, welche voraussichtlich Anfang Mai veröffentlicht werden, dürften einen massiven Einfluss auf die weitere Entwicklung der Aktie haben. Nicht nur aus Shareholder-Sicht stecken viele Erwartungen in Tesla, auch hundert Tausende, welche die Anzahlung für ein Model 3 geleistet haben, bangen um ihr Fahrzeug und mögliche Steuererleichterungen.
Diese Anzahlungen, welche für Tesla ein willkommener Cash-Flow sind, belaufen sich übrigens mittlerweile auf über 800Mio, wovon ein Großteil dem Model 3 zuzuschreiben ist. Sollten hier die Annullierungen der Kunden aufgrund der schleppenden Produktion zunehmen, könnte man hier ebenfalls in eine Bredouille geraten.

Musk versucht indes alles, um die Produktion in den Griff zu bekommen. Seit März sollen Produktionslinien von Grohmann in der Gigafactory zum Einsatz kommen und angeblich so gut wie 3 bis 4 vorherige Linien arbeiten, wobei das für dieses Quartal aber wohl zu spät kommt. Hier könnte man sich jedoch wieder mit einem altbewährten Trick zu helfen wissen: Mit Ach und Krach irgendwie in der letzten Woche die Produktion massiv erhöhen, um zumindest annähernd an die angekündigten Werte zu kommen. Eventuell lassen sich damit die Analysten und Aktionäre abspeisen.

Als gäbe es nicht genug Probleme, wertete Moodys Teslas Rating von B2 auf B3 ab mit einer negativen Aussicht. Da bisher Quartal für Quartal Cash verbrannt wurde ist Tesla aber dringendst auf Kredite angewiesen, denn die verbleibenden 3,3 Mrd an liquiden Mitteln werden kaum das Jahr überdauern. Durch das Downgrade würden diese immer teurer werden und Tesla könnte damit in eine Abwärtsspirale sinken. Eine Alternative wäre die Ausgabe weiterer Aktien per Kapitalerhöhung, um somit die Zinslast nicht übermäßig zu erhöhen.

Mein Fazit:

Tesla ist (oder war?) das Non plus ultra unter den EV-Herstellern. Mit dem luxuriösen Model S und dem von allen erwarteten revolutionären Autopiloten legten die Erwartungen und auch der Aktienkurs seit Beginn massiv zu. Wenn auch seit langer Zeit ein Ende des Hypes vorhergesagt wurde, scheint man nun tatsächlich an einem elementaren Wendepunkt angekommen sein. Sollten die Produktionszahlen tatsächlich wieder massiv neben den angekündigten Werten liegen und der Verlust weiterhin exorbitant schnell ansteigen, dann hat Musk nicht nur ein Problem damit, das Vertrauen zurückzugewinnen, er muss dann ebenfalls um die Existenz der Firma kämpfen. Mittlerweile ziehen die anderen Hersteller stark nach und mit dem Nissan Leaf oder dem neu vorgestellten Jaguar i-Pace sind weitere gute Fahrzeuge für den Massen- und Premiummarkt auf dem Vormarsch.
Spannend wird vor allem, wie das nötige Kapital aufgetrieben wird und was Musk noch aus der Kiste zaubert. Eins ist jedenfalls gewiss: Der auf die Zahlen folgende Earnings Call mit den Analysten wird wieder total "nutty" und "sick".
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