Kommentar zur Aktie Munich Re

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Am 26.08.17
von armericanoo
zu Munich Re

Sehr hohe positive Einmal-Effekte aus 2016 "verzerren" die Bilanz des 2. Quartals 2017

Zum allgemeinen Verständnis: Unter einer Rückversicherung (Zession) versteht man die Übertragung von Risiken von einem Versicherungs- auf ein Rückversicherungsunternehmen. Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re oder Hannover Rück bieten also den Erstversicherern, die das Geschäft mit dem Endkunden betreibt, ihrerseits einen Deckungsschutz für Großschäden wie Naturkatastrophen an.

Die erst vor kurzem vom Management präsentierten Zahlen des Münchener Rückversicherers waren - gelinde ausgedrückt - ziemlich schwach, jedoch keinesfalls so schwach, wie es die "Unkenrufe" der Marktauguren bereits vor Bekanntgabe derselben befürchten ließen - und damit in der Lesart der Investoren wiederum besser als erwartet: Auch wenn für das 2. Quartal ein herber Gewinnrückgang um gut ein Viertel auf 733 Mio. € verbucht werden mußte, so hatten die Analysten doch mit einem Einbruch des Netto-Ergebnisses um mehr als 1/3 gerechnet.

Lässt man das vergangene Geschäftsjahr Revue passieren, so fällt einem sofort ins Auge, warum der Pessimismus unter den Marktbeobachtern derart stark ausgeprägt war: Seinerzeit wurden beim Münchener Rückunternehmen sehr hohe positive Einmaleffekte verbucht, wodurch die Messlatte natürlich entsprechend hoch lag, und der Vergleich zum diesjährigen Quartalszeitraum dadurch bloß in "verzerrter" Form wiedergegeben werden konnte.

Darüber hinaus wurde der Gewinnrückgang "abgefedert" durch ebenso überraschende wie erfreuliche Effekte im Frühsommer 2017: das Ausbleiben größerer Schäden durch Naturkatastrophen! Die Gesamtbelastung für Großschäden fiel denn auch mit 253 Mio. € nur noch halb so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Da schlugen dafür noch stattliche 542 Mio. € zu Buche. Gerade einmal 66 Mio. € davon entfielen auf Schäden durch Naturkatastrophen, gegenüber horrenden 335 Mio. € noch im Vorjahr.

Für das Geschäftsjahr 2017 erwartet der bereits seit 1880 existierende deutsche Rückversicherer einen Gewinn zwischen 2 – 2,4 Mrd. €, und bestätigte damit die bisherigen Prognosen in vollem Umfang. Im Vorjahr jedoch war der Konzerngewinn mit 2,6 Mrd. € noch um einiges höher ausgefallen. Perspektivisch gedenkt CEO Joachim Wenning, der dieses Amt erst seit dem 27. April 2017 inne hat, die rückläufige Ergebnisentwicklung seines Unternehmens so rasch wie möglich zu stoppen. Zudem sollen die Gewinne zumindest auf dem Niveau gehalten werden, welches man für das laufende Jahr erwartet, eine sukzessive Steigerung derselben sei aber auch nicht völlig auszuschließen.

Was die interne Geschäftsentwicklung der verschiedenen Bereiche betrifft, dort halten sich die positiven sowie negativen Nachrichten in etwa die Waage: So laufen die Geschäfte bei der Erstversicherungs-Tochter "Ergo" nach einer langen Durststrecke wieder etwas besser; hier wird für 2017 mit 250 Mio. € jetzt ein um 50 Mio. € höherer operativer Gewinn erwartet als noch im Vorjahr.

An anderer Stelle wurden die Erwartungen jedoch um eben jene 50 Mio. € gedämpft: das Geschäft mit der Lebens- und Gesundheits-Rückversicherung läuft zurzeit alles andere als "rund"; hier werden anstelle von 450 nun lediglich noch 400 Mio. € Gewinn prognostiziert. Ergo ist damit allerdings noch keineswegs "über den Berg", denn diese relativ guten Zahlen wären einzig auf eine einmalige hohe Steuergutschrift zurückzuführen.

Diesbezüglich "leidet" die gesamte Versicherungsbranche schon seit längerem unter dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld. Dadurch - so das Management - ließe sich am Kapitalmarkt bedeutend weniger Erträge erzielen, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen sei, ein Umstand, der verständlicherweise auch die Bilanzen des Unternehmens belasten würde.

Mein FAZIT: Wen wundert es da noch, dass das Münchener-Rück-Papier zuletzt wieder einmal auf "Tauchstation" ging. Im Monatsvergleich fällt ein Minus von 3% aber kaum ins Gewicht, auf Jahresbasis notiert es derzeit allerdings um 12% höher und verabschiedete sich vergangenen Freitag mit etwa 180 €. ins Wochenende. Auf diesem Niveau - so der überwiegende Teil der Analysten - sei die Aktie der Münchener Rück auch fair bewertet. In den meisten aktuellen Studien dazu wird denn auch die "Empfehlung" ausgesprochen, das Papier zu "halten" . Manche sind aber auch der Ansicht, die Munich-Re-Aktie hätte durchaus noch Kurspotenzial bis auf 200 € und mehr - allen voran die Commerzbank- Experten, die dafür zuletzt sogar eine "Kaufempfehlung" aussprachen.
Die Charttechnik hingegen deutet an, das die Müchener-Rück-Aktie ihr Jahreshoch bei 189,40 € vom 26.04. so schnell nicht wieder erreichen oder gar noch zu toppen imstande sein wird, sie lässt aber für mich auch durchaus den Schluß zu, das das Papier wohl nicht mehr unter die psychologisch wichtige Ünterstützungslinie um die 170 € fallen dürfte. Trotzdem würde ich derzeit von einem "Engagement" in diese Aktie eher abraten, da mit der Aktie aus Sicht des derzeitigen unsicheren Börsenumfeldes wohl auf längere Sicht kein "Blumentopf" zu gewinnen ist.

Bereits investiert?: HALTEN
Kaufen?: NEIN!


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