Kommentar zur Aktie Daimler

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Am 23.07.17
von armericanoo
zu Daimler

Daimler, BMW, VW - Ist der Ruf erst ruiniert... (ein persönliches Statement)

PROLOG:

Am Beispiel von Deutschlands größten Autobauern sieht man es mal wieder: Die Profitgier scheint offenbar keine Grenzen mehr zu kennen. Lug und Trug, wohin man dort auch schaut. Begriffe wie Anstand und Moral scheinen für die Herren in den jeweiligen Chefetagen nicht mehr existent zu sein. Somit beginnt sich der gebeutelte Anleger dieser anscheinend zu einem Haufen skrupelloser "Nieten in Nadelstreifen" verkommenen Manager zurecht zu fragen, wo das noch alles hinführen soll? Ständig hört man neue "Hiobsbotschaften" aus dem "erlauchten" Kreis der einst so vielgepriesenen deutschen Automobilbauer. Da drängen sich mir zwangsläufig Vergleiche zum NS-Kriegsverbrechertribul in Nürnberg auf, vor dem sich Hitlers Schergen allesamt mit der lapidaren Schlussbemerkung "nicht schuldig!" ihrer moralischen Verantwortung sowie einer strafrechtlichen Verfolgung für die ihnen zur Last gelegten Greueltaten zu entziehen gedachten. Keiner zeigte sich einsichtig oder empfand gar Reue. Man habe ja lediglich Befehle "von ganz oben" befolgt. Erst alles Gute mit Füßen treten, dann eine Mitverantwortung dafür mit Nachdruck von sich weisen. Armes, reiches Deutschland, bleibt mir dazu an dieser Stelle bloß noch zu sagen!

Vergangenen Freitag sind wegen des "Kartellskandals" denn auch die Aktien von Daimler, BMW und VW an der Börse mächtig unter Abgabedruck geraten. Mit Verlusten zwischen 3 bis 5 Prozent waren sie zudem auch die größten Tagesverlierer im Dax-30.

Der Hintergrund ist brisant – und es geht nicht einmal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen - zumindest nicht in erster Linie. Es steht vielmehr der sich immer mehr erhärtende Verdacht einer wettbewerbsverzerrenden Kartellbildung im Raum.

Einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ zufolge sollen sich mehr als 200 Mitarbeiter von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler seit den 1990er Jahren mehr als 60 mal zu sogenannten "Arbeitskreisen" zusammengefunden haben, auf denen dann geheime Absprachen getätigt wurden.

Die betroffenen Unternehmen selbst wollten sich am Freitag zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen noch nicht äußern und taten die Medienberichte als reine „Spekulation“ ab. Allerdings sollen bereits Volkswagen und Daimler diesbezüglich "Selbstanzeige" bei den zuständigen Behörden erstattet haben.

Gedenken sie sich damit als reuige Sünder zu präsentieren, die aus den Fehlern des jüngsten Diesel-Skandals gelernt haben und nun eine nachhaltige Aufarbeitung wünschen? Oder befürchteten die Beteiligten vielmehr, dass die geheimen Absprachen früher oder später ohnehin irgendwie "durchgesickert" wären, und traten deswegen lieber die Flucht nach vorne an?

Wie dem auch sei: Sollten sich die Vorwürfe tatsächlich als wahr herausstellen, dann hätten die Ermittlungsbehörden eines der größten Kartelle in der deutschen Wirtschaftsgeschichte aufgedeckt und letztlich zu Fall gebracht. Und zum "angekratzten" Image der Automobilbauer sei lediglich zu bemerken: Ist der Ruf erst ruiniert, so betrügt es sich leichter weiter reichlich ungeniert.

Die sogenannte "Dieselaffäre", welche im September 2015 in Wolfsburg "das Licht der Welt" erblickte, hat seitdem immer weitere Kreise gezogen. Etliche VW-Modelle waren betroffen, und auch bei anderen Autoherstellern war zwischenzeitlich von manipulierten Abgaswerten die Rede.

Hinsichtlich der Kartellvorwürfe schließt sich hier womöglich der Kreis – denn auch die Technologien für die Abgasreinigung bei Dieselfahrzeugen sollen in den "geheimen Arbeitskreisen" besprochen worden sein.

Diese ständigen neuen Enthüllungen entwickeln sich mehr und mehr zu einem Desaster für die einstige deutsche Vorzeigeindustrie. Das Schlimmste daran jedoch ist, das die Fehler, welche die jeweilige Führungsebene zu verantworten hat, letztlich zu Lasten der gesamten Belegschaft gehen werden, während die Führungsriege auch weiterhin Jahr für Jahr ihre horrenden Bonis für ihre Verdienste ums Unternehmen einstreicht.

VW hat sich bis dato nicht vom Dieselskandal erholt, bei Daimler droht nach Razzien womöglich ein ähnliches Ausmaß, doch in den höheren Führungsetagen will man davon nichts wissen. Die Vorwürfe werden heruntergeredet oder auch gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt.

Doch nicht nur die Kundschaft und die Behörden verlieren allmählich die Geduld, auch oder gerade die Aktionäre der ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Automobilunternehmen haben allmählich die Nase voll und werfen deren Anteilsscheine verstärkt auf den Markt. Die Daimler Aktie hat auf Wochensicht gut 4 Prozent verloren und notierte zuletzt bei rund 62 Euro. Bei der Konkurrenz sieht's nicht viel anders aus. Letztendlich sitzen eben alle im selben Boot, welches gerade mit Sack und Pack zu kentern droht.

Mein FAZIT: Finger weg von den Automobilaktien! Zurzeit kann man sich daran bloß die Finger verbrennen, da keiner weiss, wie der neuerliche Skandal für alle Beteiligten wird enden.
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