Kommentar zur Aktie Facebook

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Am 09.04.18
von armericanoo
zu Facebook

Weshalb das jüngste Daten-Fiasko auch das Wachstum von Facebook gefährden könnte

Es ist unstrittig, dass Facebook sowie andere Internetkonzerne wie Google Nutzerdaten in großem Stil sammeln, ja geradezu kumulieren. Dies hatte die meisten Nutzer bislang aber keineswegs davon abgehalten, die vielseitigen Dienste beider Unternehmen ausgiebig zu nutzen. Facebook zählt indes mehr als 2 Milliarden "User" weltweit, Google hingegen verzeichnet bereits für sieben seiner Serviceangebote (Google Maps, Gmail, YouTube, Android, Google Suche, Chrome Browser und Google Play Store) über eine Milliarde Nutzer.

Mitte März platzte allerdings die Bombe, und die Facebook-Aktie rauschte nahezu ungebremst in den Keller. Facebook musste öffentlich eingeestehen, dass es einem Drittunternehmen, nämlich der Analysefirma "Cambridge Analytica", gelang, persönliche Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern auszulesen – und das ohne Zustimmung der Nutzer!


1.) Reaktionen auf den Facebook-Datenskandal

Das Facebook-Daten-Fiasko löste ein globales Medienecho aus, dass in seiner Intensität wohl auch den betroffenen Social-Media-Konzern überrascht haben dürfte. Zumindest traute sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg erst Tage nach der skandalträchtigen Nachricht aus der Deckung und entschuldigte sich für den höchst unangenehmen "Vorfall" und kündigte in diesem Zusammenhang analoge Veränderungen an: So sollen z. B. Programmierer nur noch eingeschränkten Zugriff auf Facebook-Daten bekommen und nur noch die relevantesten Informationen (Name, Adresse, E-Mailadresse etc.) abrufen können – jedoch keinerlei weitere Hintergrundinformationen, welche Facebook gesammelt hat.

Überdies beendete Facebook die Kooperation mit Datenhändlern wie Acxiom, die Werbevermarktern dabei geholfen haben, zielgerichtete Annoncen auf Facebook zu schalten. Außerdem setzte Facebook endlich eine Ankündigung vom Januar um, ein neues "Privacy Center" auszurollen, wodurch Facebook-User ihre gesamten Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre von einem zentralen Ort aus managen können – das Daten-Management soll dadurch zudem einfacher werden.


2.) Warum der Facebook-Datenskandal solche Kreise zieht

Das nicht ohne Grund: Denn am 25. Mai tritt in der EU eine neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft, wodurch der Datenschutz in ganz Europa vereinheitlicht werden soll. Diese neuen Regeln sehen nicht bloß das Recht auf "Vergessenwerden", sondern auch weiterreichende Rechte für den Social-Media-Nutzer vor. Dazu gehört beispielsweise auch die Portabilität der Daten, wonach der Nutzer die "Oberhoheit" über seine personbezogenen Daten behalten soll und diese darüber hinaus auch zu einem anderen Anbieter mitnehmen darf. Gleichzeitig müssen Internetkonzerne wie Google und Facebook die explizite Zustimmung der Nutzer zur Datennutzung einholen und den Umgang mit Personendaten auch viel transparenter gestalten.

Im Klartext: Etwa die Hälfte der Unternehmen scheinen nach einer aktuellen Studie noch gar nicht auf die neue Rechtsverordnung vorbereitet zu sein, was in naher Zukunft noch eine Klagewelle nach sich ziehen könnte. Ferner drohen Facebook & Co nicht nur in Europa, sondern auch anderswo wie etwa in USA weitere Regulierungsschritte, wodurch die Privatsphäre der Nutzer besser geschützt werden soll. Dadurch könnte das bisherige Geschäftsmodell der beiden großen Internetriesen ernsthaft in Gefahr geraten.


Mein FAZIT:

Das Facebook-Datendebakel ist mehr als bloß ein sogenannter "Sturm im Wasserglas", sondern zeigt einmal mehr jene Risiken auf, die mit datengetriebenen Geschäftsmodellen einhergehen. Facebook zeigt sich offen in Bezug auf die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und hat bereits angekündigt, sie in vollem Umfang weltweit umzusetzen. Doch das Hauptkriterium bleibt: Bislang haben fast ausschließlich Unternehmen wie Facebook und Google von der Auswertung privater Nutzerdaten profitiert - die Anwender jedoch gingen dabei bislang leer aus. Dies dürfte sich künftig ändern, wenn insbesondere die Gesetzgeber in Europa und USA immer öfter regulatorisch eingreifen und Nutzern wieder mehr Macht über ihre eigenen Daten zugestehen werden. Ein erster Schritt ist mit der neuen "DSGVO" bereits getan, und dem werden in naher Zukunft sicher noch einige weitere folgen.

Ergänzend hierzu gibt es schon Blockchain-basierte Lösungen von Valid Global und PikcioChain, die Nutzern mehr Macht über ihre Daten und damit neue Möglichkeiten der Monetarisierung einräumen, doch bis diese Lösungen in großem Stil in die Unternehmen Einzug gehalten haben, dürfte noch einiges Wasser den Rhein hinabgeflossen sein. Kurzum: Facebook hat bereits einen immensen Image-Schaden durch den aktuellen Datenskandal hinnehmen müssen, und um dieses verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen, wird Facebook dem Nutzer ganz sicher noch weitere "Zugeständnisse" machen müssen - wie immer die auch aussehen mögen.

Am Ende dieses Umdenk-Prozesses könnte folgendes Ergebnis stehen: Dass Facebook seinen "Datenschatz" verstärkt mit seinen Nutzern teilen muss, wodurch sich die bisherigen paradiesischen Verhältnisse (hohe Gewinne aus der Datenauswertung) dem Ende zu neigen könnten, wodurch wiederum das alljährliche Wachstum von Facebook geschmälert würde bzw. sich verlangsamen könnte – und genau diese latente Gefahr spiegelt sich aktuell auch im Facebook-Aktienkurs wider.
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